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Die Partie zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC wurde knapp 14 Minuten unterbrochen © Imago

Das DFB-Pokalspiel zwischen Drittligist Hansa Rostock und Bundesligist Hertha BSC wird von Fanausschreitungen überschattet. Hertha-Fans schießen Raketen ab.

Feuerwerkskörper als Wurfgeschosse, brennende Sitzschalen und schwarzer Rauch über dem Spielfeld: Hertha BSC hat sein von einem Pyro-Skandal überschattetes Erstrundenspiel im DFB-Pokal mit viel Mühe gewonnen.

Bei Drittligist Hansa Rostock setzten sich die Berliner im zwischenzeitlich für gut 15 Minuten unterbrochenen Hochrisikospiel erst in der Schlussphase mit 2:0 (0:0) durch.

Hertha machte damit den ersten Schritt auf dem Weg zur ersehnten Endspielteilnahme im heimischen Olympiastadion am 19. Mai 2018. Angesichts der skandalösen Umstände geriet das sportliche Ergebnis jedoch zur Nebensache.

Preetz: "Das will niemand sehen"

"Normalerweise freut man sich nach einem Auswärtssieg im Pokal. Diese Freude will sich bei mir nicht einstellen, weil wir viele unschöne Szenen gesehen haben. Das will niemand bei einem Fußballspiel sehen", sagte Hertha-Manager Michael Preetz in der ARD.

Rostocks Trainer Pavel Dotchev erging es ebenso: "Solche Sachen gehören nicht zum Sport. Wir distanzieren uns davon. Das schadet uns allen. Leider gibt es so schwarze Schafe, die alles kaputt machen."

Trainer Pal Dardai ergänzte: "So etwas habe ich zum ersten Mal erlebt. Ich rede aber lieber über das Spiel. Wir hatten viel Ballbesitz. Bei solchen Spielen entscheidet das erste Tor. Mitch Weiser hat das hervorragend gemacht."

U21-Europameister Mitchell Weiser (86.) und Vedad Ibisevic (90.+2) erzielten die späten Treffer für die Gäste, die sich den Erfolg dank einer Steigerung in der zweiten Halbzeit letztlich verdienten.

Spielabbruch droht

Das Spiel stand allerdings kurz vor dem Abbruch. Im Hertha-Block wurden nach 76 Minuten zahlreiche Bengalos gezündet, zudem flogen Böller aufs Spielfeld. Im Rostocker Block wurden derweil Fahnen verbrannt, dabei handelte es sich um ein 2014 aus dem Olympiastadion gestohlenes Hertha-Banner. Schiedsrichter Robert Hartmann unterbrach das Spiel und schickte beide Teams in die Kabine.

In der Kabine habe man während der rund 15-minütigen Unterbrechung versucht, möglichst viele Informationen zu sammeln, erklärte Hartmann. "Nachdem die Polizei gesagt hat, dass sie davon ausgehen, dass sich die Lage beruhigt, haben wir uns entschieden, das Spiel fortzusetzen." Bei erneuten Vorkommnissen "hätten wir uns mit Sicherheit wieder in der Kabine getroffen und die Lage erörtert. Ein Spielabbruch wäre dann nicht völlig aus der Luft gegriffen gewesen", so Hartmann.

Polizei macht Hansa Vorwürfe

Die Polizei Rostock gab nach dem Spiel bekannt, dass man von Hansa Rostock darüber informiert worden sei, dass sich das Banner im Stadion befinde. Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock, machte dem Verein in einer offiziellen Mitteilung schwere Vorwürfe. Die Vermutung liege nahe, "dass das Banner über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen ins Stadion gelangen konnte." 

Auf Rostocker Seite war man sich jedoch keiner Schuld bewusst: "Wenn man sieht, dass hier 1700 Polizisten und über 300 Ordner unterwegs waren, dass Spürhunde und HD-Kameras im Einsatz sind. Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist“, erklärte Hansas Vorstandschef Robert Marien." 

Hummels lobt restliche Hansa-Fans

Ein Großteil der Fans in Rostock skandierten in Richtung der Chaoten: "Und ihr wollt Hansa Rostock sein!" Bayern-Star Mats Hummels schrieb dazu bei Twitter: "Was für eine starke Reaktion der FUSSBALLFANS!! Da kriegt man am Fernseher Gänsehaut."

Auch TV-Experte Stefan Effenberg verurteilte die Ausschreitungen. "Es sind einige wenige Idioten, die nichts im Stadion zu suchen haben. Die müssen ohne Frage hart bestraft werden. Aber der Rest der Hansa-Fans hat sich ordentlich und fair verhalten. Es ist aber immer traurig, wenn es solche Ausschreitungen gibt", sagte Effenberg.

Erste Spielunterbrechung kurz nach der Pause

Für erste unschöne Szenen sorgten die Berliner Fans, die zahlreiche Feuerwerkskörper zündeten, unmittelbar nach Wiederanpfiff. Ein Geschoss schlug gar in der Hansa-Kurve ein, Hartmann unterbrach die zuvor als Hochrisikospiel eingestufte Partie kurzzeitig. "Ich bin für die Sicherheit der Spieler verantwortlich, die war nicht mehr gegeben, als Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geschossen wurden", sagte Hartmann bei Sky.

Knapp eine Viertelstunde vor Schluss flogen erneut Leuchtkugeln aus dem Hertha-Block. Während beide Teams in die Kabine geschickt wurden, landete Pyrotechnik mehrfach auf dem Rasen. Die Polizei trennte Gästeblock von der Rostock-Fankurve. 

Das Spiel fand ohnehin unter erhöhter Polizeipräsenz statt, die Zuschauerkapazität war um mehrere Tausend Plätze reduziert worden. Mit Schmähgesängen gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatten sich beide Fanlager vor dem Anpfiff noch solidarisch gezeigt. Nach dem Spiel reisten die Fans ohne weitere Vorfälle friedlich ab

Hertha offenbart spielerische Schwächen

Zu Beginn stand noch der Fußball im Vordergrund: Die ersten Minuten gehörten Rostock, das früh störte und so diverse Fehlpässe des Europa-League-Starters provozierte.

Auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit tat sich Berlin im Spielaufbau schwer. Unter der fehlenden Präzision der Zuspiele litt zudem das Tempo bei den Offensivaktionen. Bei der einzigen nennenswerten Chance der ersten Halbzeit verzog Alexander Esswein (19.).

Nach Wiederbeginn kam Hertha nach der ersten Spielunterbrechung besser in die Partie. Zunächst scheiterte Salomon Kalou freistehend aus rund elf Metern (54.), dann traf Vladimir Darida nur den Pfosten. Den folgenden Seitfallzieher Kalous parierte Hansa-Torwart Janis Blaswich glänzend (beide 63.). Hertha drängte weiter auf die Führung, wurde vom skandalösen Verhalten des eigenen Anhangs jedoch kurzzeitig ausgebremst. Dann trafen Weiser und Ibisevic.

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