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Deutsche Nationalmannschaft
Die Nationalmannschaft um Marco Reus startet gegen Schottland in die EM-Qualifikation. © Getty Images

Düsseldorf - Gegen Schottland startet das DFB-Team in die EM-Qualifikation. Trotz aktueller Probleme sind die Zukunftsaussichten rosig.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Thomas Klein

Mit dem WM-Titel hat sich Joachim Löw bereits einen Platz in der Hall of Fame des deutschen Fußballs gesichert.

Doch der Bundestrainer will mehr. "Stillstand ist Rückschritt", hat Löw als Devise ausgegeben. Er selbst strotzt vor Tatendrang und hat das nächste große Ziel fest im Blick.

Fast zwei Monate nach dem Triumph von Rio geht der Ernst des Lebens wieder los - und dem deutschen Team bietet sich eine einmalige Chance.

"Mit Schottland beginnt die nächste Reise für die EM", sagte Löw am Samstag in der Sportschule Kaiserau, wo er die Nationalmannschaft auf das erste Spiel der EM-Qualifikation in Dortmund (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) vorbereitet.

Ziel ist das Finale der Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Sollte das DFB-Team im Stade de France vor den Toren von Paris gar den Titel gewinnen, hätte Löw etwas Historisches geschafft. Denn noch nie hat ein deutsches Team nach dem WM-Sieg auch die EM gewonnen.

Er hätte eine Ära geprägt, wie es zuletzt nur zwei anderen Nationen gelungen ist.

Frankreich und Spanien als Vorbild

Frankreich (WM 1998 und EM 2000) und Spanien (EM 2008, WM 2010 und EM 2012) triumphierten nacheinander bei mehreren Turnieren und fuhren auch mit ihren Junioren-Teams Titel ein.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist mit seinen Mannschaften momentan ähnlich erfolgreich. Nach dem WM-Triumph in Brasilien gewann zunächst die U-19-Auswahl den EM-Titel, dann holten die Juniorinnen bei der U-20-WM den nächsten Pokal.

Um die Zukunft des deutschen Fußballs muss sich also niemand sorgen.

Löw warnt vor Problemen

"Die Entwicklung in den letzten sieben, acht Jahren war einfach überragend und kann positiver nicht sein. Das hat keine andere Mannschaft über diese Dauer geschafft", sagte Löw voller Stolz.

Doch in der Gegenwart läuft es noch nicht wieder rund.

Drei Weltmeister sind zurückgetreten, Stammkräfte wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mesut Özil und Mats Hummels sind verletzt und fehlten gegen Argentinien. Auch gegen Schottland sind sie noch keine Optionen.

"Man merkt, dass einige Spieler die Belastungen bei der WM nicht ganz so einfach wegstecken können", meinte Löw. "Stand heute sind wir nicht so eingespielt und mit der ganzen Qualität wie bei der WM. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben."

Junge Spieler brauchen Zeit

Das 2:4 gegen Argentinien hat gezeigt, wo die Problemzonen liegen. Im Torabschluss und in der Abwehr war die Leistung alles andere als weltmeisterlich.

Die aus der Not geborene Viererkette mit Kevin Großkreutz, Benedikt Höwedes, Matthias Ginter und Erik Durm hatte größte Probleme gegen Argentiniens Offensive.

Bei Ginter, Durm oder dem eingewechselten Antonio Rüdiger müsse man davon ausgehen, dass sie noch etwas Zeit benötigen, erklärte Löw auf SPORT1-Nachfrage: "Sie brauchen Erfahrung, brauchen solche Spiele."

Einige Spieler seien schon "sehr, sehr weit für ihr Alter". Sie müssten "aber noch einen großen Schritt machen, um in Weltklasse zu kommen".

Insgesamt sei der Unterbau der Nationalmannschaft aber "sehr, sehr gut", betonte der Bundestrainer. Jetzt heiße es, die jungen Akteure ans Team heranzuführen, um die deutsche Dominanz aufrechtzuerhalten.

Kader im besten Alter

Die Voraussetzungen sind gut. Denn auch die Etablierten haben noch viel vor sich. Bis auf Ersatztorwart Roman Weidenfeller (34) und Kapitän Bastian Schweinsteiger (30) sind alle Spieler unter 30.

WM-Finaltorschütze Mario Götze ist erst 22, Andre Schürrle ist nur ein Jahr älter, Toni Kroos ist 24, und Mesut Özil spielt zwar schon eine gefühlte Ewigkeit in Löws Auswahl, ist aber ebenso erst 25 wie Hummels oder Marco Reus.

Jerome Boateng und Bendikt Höwedes, die gegen Schottland wie zu gemeinsamen glorreichen Zeiten in der U 21 die Innenverteidigung bilden werden, sind beide ebenfalls erst 26.

Khedira (27) und Manuel Neuer (29) sind bei der EM in zwei Jahren auch im besten Fußballeralter.

Holger Badstuber (25) und Ilkay Gündogan (23) träumen nach langen Verletzungspausen von einer Rückkehr ins DFB-Team. Badstuber gehört beim FC Bayern längst wieder zum Stamm, Gündogan trainierte in Dortmund immerhin schon wieder mit der Mannschaft.

Löw freut sich über Konkurrenz

"Es ist immer gut, wenn Druck von hinten kommt. Auch für jüngere Spieler, damit sie nicht mit 23, 24 oder 25 nachlassen", sagte Löw. Er freut sich über den Konkurrenzkampf.

Um das Spielermaterial, aus dem Löw schöpfen kann, dürften ihn die meisten seiner Nationaltrainer-Kollegen beneiden. "Das Ziel lautet, sich in den nächsten zwei Jahren noch einmal zu verbessern", verkündete Löw vor dem Start der EM-Qualifikation.

Die Chancen, dass die DFB-Auswahl eine neue Ära prägen kann, stehen nicht schlecht. Trotz der aktuellen Probleme nach der WM.

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