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Marco Reus
Marco Reus (m.) musste gegen Schottland verletzt ausgewechselt werden. © Getty Images

Dortmund - Die Verletzung von Reus überschattet den Sieg des DFB-Teams gegen Schottland. Der Star des BVB fällt wochenlang aus.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Andreas Reiners und Jochen Stutzky

Die Szene in der 90. Minute erinnerte an das letzte Testspiel vor der WM gegen Armenien: Marco Reus lag mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen, hob den Arm, wurde behandelt und schließlich vom Platz geführt.

Um 23.20 Uhr humpelte Reus schließlich mit einem dick bandagierten linken Sprunggelenk aus der Kabine, stieg in einen schwarzen DFB-Kleinbus und ward nicht mehr gesehen.

Am Montag wurden die schlimmen Befürchtungen dann bestätigt. Die Diagnose nach der Kernspin-Untersuchung ergab: Reus erlitt einen Außenbandteilriss im linken Sprunggelenk und eine Dehnung der Fußwurzelbänder. Er wird Borussia Dortmund somit wochenlang fehlen.

Reus mit dicker Bandage

Anfang Juni hatte sich Reus einen Tag vor der Abreise des DFB-Teams nach Brasilien eben an diesem Sprunggelenk so schwer verletzt, dass er die Weltmeisterschaft verpasste.

"Es scheint es nicht ganz so schlimm zu sein wie vor der WM, aber wir müssen die Untersuchung abwarten", sagte Bundestrainer Joachim Löw und wiederholte noch einmal: "Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist."

Nun, ganz so schlimm wie vor der WM hat es Reus diesmal nicht erwischt. Aber schlimm genug.

Löw "absolut zufrieden"

Ansonsten gab es wenig, was dem Bundestrainer nach dem mühevollen 2:1 (1:0) zum Start der EM-Qualifikation gegen Schottland Anlass zur Sorge bereitete.

"Ich bin absolut zufrieden über die drei Punkte. Es war meine einzige Erwartung an die Mannschaft, dass wir dieses Spiel gewinnen", erklärte Löw auf der Pressekonferenz und ergänzte: "Für mich war klar, dass es schwer werden würde nach der WM."

Müller verhindert Fehlstart

Einzig Thomas Müller hatte es das DFB-Team aber zu verdanken, dass ein Fehlstart vermieden wurde.

Mit seiner Kaltschnäuzigkeit sicherte der Bayern-Profi dem Weltmeister den 20. Sieg aus den vergangenen 21 Qualifikationsspielen. Die einzigen Punktverluste hatte es beim 4:4 (3:0) gegen Schweden gegeben.

Die Defensive wackelt

So haarsträubend wie die Abwehrleistung in der letzten halben Stunde im Oktober 2012 in Berlin war die Defensivleistung in Dortmund nicht. Sie war auch nicht so konfus wie beim 2:4 am vergangenen Mittwoch gegen Argentinien.

Aber die deutsche Hintermannschaft war gegen die zwar stark auftretenden, aber spielerisch limitierten Gäste alles andere als stabil.

"In der zweiten Halbzeit haben wir defensiv generell etwas geschwommen. Wir waren nicht mehr ganz so gut organisiert und haben etwas die Kontrolle über das Spiel verloren", analysierte Löw.

Rudy als Überraschung auf rechts

Mit der Aufstellung von Sebastian Rudy als Rechtsverteidiger hatte der Bundestrainer wieder einmal für eine Überraschung gesorgt. Diese war umso größer, weil der Hoffenheimer diese Position noch nie in einem Pflichtspiel bekleidet hatte und für ihn ausgerechnet der Dortmunder Lokalheld Kevin Großkreutz weichen musste.

"Ich habe in der Jugend einmal und vor zwei Jahren in einem Freundschaftsspiel Rechtsverteidiger gespielt", erzählte Rudy, der im Verein und in den DFB-Auswahlmannschaften stets im zentralen Mittelfeld spielt.

"Ich habe versucht, meine Stärke einzubringen und ich denke, es hat ganz gut funktioniert", meinte Rudy, der Müllers 1:0 mit einer Flanke vorbereitete, beim 1:1 allerdings ebenfalls beteiligt war.

"Klar ärgert es mich, wenn wir über meine Seite das Tor kassieren", sagte der ehemalige Stuttgarter.

Lob für die Außenverteidiger

Auf der linken Seite bekam hingegen Großkreutz' Vereinskollege Erik Durm nach seiner persönlichen Lehrstunde durch Argentiniens Angel di Maria eine neue Chance.

"Die jungen Außenverteidiger haben ihr Sache ordentlich gemacht", fand Löw, der in der Innenverteidigung den nach seiner Verletzung zurückgekehrten Jerome Boateng und Benedikt Höwedes aufgeboten hatte.

Mats Hummels fehlte hingegen wie schon gegen Argentinien verletzungsbedingt, wie auch die Mittelfeldstars Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira.

"Nicht schnell genug umgeschaltet"

"Einige Positionen waren neu besetzt, wir haben selten so zusammen gespielt. Das soll aber keine Ausrede sein. Wir wissen, dass wir daran im Training arbeiten müssen", sagte Durm zu SPORT1.

"Es war das zu erwartende Spiel. Wir haben kontrolliert, aber in der zweiten Halbzeit nachgelassen", meinte Höwedes. "Die Schotten hatten mehr Zug nach vorne und wir haben alle zusammen als Mannschaft nicht schnell genug umgeschaltet und uns dadurch in Bedrängnis gebracht."

Götze bleibt vieles schuldig

Ein schlampiges Zuspiel von Mario Götze fingen die Schotten ab und spielten schnell nach vorn, Ikechi Anya ließ Manuel Neuer in der 66. Minute keine Chance.

Der Ersatzkapitän musste zweimal mit Ausflügen aus seinem Strafraum die Fehler seiner Vorderleute ausbügeln und bekam dafür Szenenapplaus.

Im Gegensatz zum Supercup hatte das Dortmunder Publikum auch den ehemaligen BVB-Star Mario Götze wohlwollend empfangen. Erst im Laufe des Spiels waren einige Pfiffe nach misslungenen Aktionen des Bayern-Profis zu hören.

Götze drängte sich ebenso wenig als falsche Neun auf wie sich vier Tage zuvor Mario Gomez gegen Argentinien als Mittelstürmer empfehlen konnte.

In Polen Steigerung nötig

Doch Müller sorgte mit seinen zwei Toren am Ende für den glanzlosen Pflichtsieg.

"Ich habe das im Vorfeld nicht aus Spaß gesagt, dass es eng werden würde", sagte der Matcwinner. "Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht ganz so souverän, wie wir uns das vorgestellt haben. Da wurde es halt etwas eng. Aber ich kann gut damit leben."

Die Erkenntnis des Spiels gegen Schottland: In Polen muss sich die DFB-Auswahl in etwas mehr als einem Monat steigern. Dann sind vielleicht auch wieder einige der Verletzten zurück.

Marco Reus wird dann wohl noch nicht wieder dabei sein.

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