vergrößernverkleinern
Das Trainer-Gespann beim DFB: Joachim Löw und Thomas Schneider © Getty Images

München - Thomas Schneider ist neuer Co-Trainer der Nationalmannschaft. Stuttgarts Ex-Coach hatte dabei nach einer schlimmen Zeit für ihn mit dem Sport eigentlich schon abgeschlossen.

Nachdem ein verhängnisvoller Zeckenbiss seine Profikarriere endgültig beendet hatte, wollte Thomas Schneider von Fußball nichts wissen. Der damals 33-Jährige zog sich mit seiner Familie nach Straubing zurück, in die Heimat seiner Ehefrau.

Weil die Borreliose vier Jahre lang unentdeckt blieb, musste der künftige Co-Trainer der Nationalmannschaft eine lange Antiobiotika-Therapie durchlaufen. Es dauerte lange, bis er überhaupt wieder joggen durfte. Für den begeisterten Leistungssportler Schneider eine schlimme Zeit.

Doch dann klingelte eines Tages eine Nachbarin an der Tür. "Ihr Sohn spielte in Dingolfing in der Bayernliga, eine Klasse unter der A-Junioren-Bundesliga, und sie meinte, sie bräuchten dringend einen neuen Trainer, ob ich mir das vorstellen könnte", berichtete Schneider später der "Schwäbischen Zeitung".

Bei ihm überwog zunächst die Skepsis. "Ich sagte: Eigentlich nicht, aber ich schau mir mal ein Spiel an. Das Niveau hat mich dann überzeugt, und ich beschloss, dass das ein guter Einstieg für mich sein könnte", erzählte Schneider.

Anfänge im Jahr 2007

So begann 2007 seine Trainer-Karriere, und schnell war der frühere Abwehrspieler wieder Feuer und Flamme.

Schneider hospitierte unter anderem in der Jugendakademie von Sporting Lissabon sowie unter Ralf Rangnick bei 1899 Hoffenheim, wechselte zurück zum VfB Stuttgart und wurde mit den U17-Junioren im ersten Jahr Vize und im zweiten Meister.

Beim vorherigen Trainer-Lehrgang - der inzwischen berühmten "Klasse von 2011" mit den heutigen Bundesligatrainern Markus Gisdol, Markus Weinzierl, Roger Schmidt und Tayfun Korkut - hielt er einen Vortrag über die Gefahr von Zecken-Bissen, der "beim DFB gut ankam". Auch seine Spieler sensibilisiert Schneider stets für dieses Thema.

Beförderung durch Bobic

Ende August 2013 schien seine Trainer-Karriere dann richtig Fahrt aufzunehmen. Sportvorstand Fredi Bobic beförderte ihn zum Cheftrainer und strebte eine langfristige Zusammenarbeit an, die das Gesicht des VfB nachhaltig prägen und frischer werden lassen sollte.

Schneider startete mit einem furiosen 6:2 gegen 1899 Hoffenheim, doch die geplante Ära wurde nur eine Episode. 195 Tage nach Amtsantritt wurde er in höchster Abstiegsgefahr entlassen.

Bobic wollte Schneider in dem Verein halten, dem er im Alter von zehn Jahren beigetreten war, doch der suchte erst einmal Abstand.

Pokalsieger unter Trainer Löw

Bis sein alter Trainer bei ihm klingelte. 1997 hatte Joachim Löw bei seiner ersten Trainerstation in Stuttgart mit dem Abwehrspieler Thomas Schneider den DFB-Pokal gewonnen, nun wollte der heutige Bundestrainer ihn als Assistenten.

Schneider sei als Spieler "hochtalentiert" gewesen, sagte Löw vor dem Spiel gegen Argentinien (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm): "Wäre er nicht so von Verletzungen gebeutelt gewesen, hätte er eine ganz große Karriere gemacht."

Die menschlichen Qualitäten hat Löw schon damals schätzen gelernt: "Er hat eine eigene Meinung und einen starken Charakter."

Ähnliche Idee von Fußball

Und in einigen Gesprächen habe sich herauskristallisiert, dass auch "die Idee von Fußball" sehr ähnlich sei. Und so kam Löw zu dem Entschluss: "Das ist der richtige Mann."

Ob die Nachbarin in Straubing von Löw oder Schneider einen Blumenstrauß bekommen wird, ist nicht bekannt. Doch ohne sie hätte es den Co-Trainer Schneider beim DFB wohl nicht gegeben.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel