Der Triumph von Rio de Janeiro liegt nicht einmal drei Monate zurück. Doch schon nach drei Spielen seit der Weltmeisterschaft liegt über dem goldenen Glanz des WM-Erfolgs ein Schleier.

Die deutsche Mannschaft hat fast die gleichen Probleme wie in der Vorbereitung auf die Endrunde in Brasilien.

Stars wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mesut Özil und Marco Reus sind verletzt, in der Abwehr ist Bundestrainer Joachim Löw auf der Suche nach der besten Besetzung für die Außenpositionen und vorn gibt es keinen echten Stürmer.

Die Schwäche im Abschluss war beim 0:2 in Polen der Hauptgrund für die erste Pflichtspielniederlage seit mehr als zwei Jahren. Hinzu kam der Fehler in der Abwehr, als Manuel Neuer und Jerome Boateng beim 0:1 schlecht aussahen.

Das Spiel zeigte überdeutlich, wie groß die Lücke ist, die vor allem die zurückgetretenen Weltmeister Miroslav Klose und Philipp Lahm hinterlassen haben.

Das Fehlen von Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira haben Toni Kroos und Christoph Kramer spielerisch gut kompensiert. Aber auf dem Platz fehlt der Chef, das Sprachrohr, wie es Neuer, Schweinsteigers Stellvertreter als Kapitän, vor dem Polen-Spiel beklagte.

In der Offensive blieben Mario Götze, Andre Schürrle und Thomas Müller in Warschau unter ihren Möglichkeiten. Wenn Müller nicht trifft, wie im September beim keineswegs überzeugenden 2:1 gegen Schottland, hat Löw ein Problem.

Der Bundestrainer muss sich fragen lassen, warum er nicht einen zusätzlichen Mittelstürmer mitgenommen hat und warum er nur 20 Spieler für die beiden Spiele gegen Polen und Irland berufen hat. Pierre Michel Lasogga stand vor der WM schon einmal im Kader, jetzt hätte man ihn noch einmal einladen können.

Nach Özils Ausfall hat Löw auch nicht nachnominiert, Andre Hahn blieb in Gladbach. In der Defensive schenkte der Bundestrainer dem formschwachen Erik Durm und dem unerfahrenen Antonio Rüdiger das Vertrauen, Kevin Großkreutz blieb in Dortmund.

Trotz des Rückschlags ist die EM-Teilnahme noch lange nicht in Gefahr, auch der zweite Platz reicht zur direkten Qualifikation und notfalls sogar Rang drei. Doch die Baustellen in der DFB sind nicht zu kaschieren. Das zeigte schon das 2:4 gegen Argentinien im September.

Der goldene WM-Pokal steht in der DFB-Vitrine, die silberne EM-Trophäe ist das nächste Ziel. Löw hat noch viel Arbeit vor sich, um seine Mannschaft wieder auf Hochglanz zu polieren.

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