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Gelsenkirchen - Das DFB-Team geht mit einem Punkt aus den Spielen in Polen und gegen Irland. Die Spieler haben den Ernst der Lage erkannt.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch , Jochen Stutzky und Markus Höhner

Als die deutschen Spieler in der Mixed Zone der Schalker Arena über den verpassten Sieg sprachen, fühlte man sich wie in einer Zeitmaschine.

Die Antworten glichen denen, die sie drei Tage zuvor in Warschau nach dem 0:2 gegen Polen gegeben hatten.

"Wir haben über weite Strecken gut gespielt", fand Toni Kroos nach dem 1:1 gegen Irland. "Wir haben es über weite Strecken sehr, sehr gut gemacht", behauptete Mario Götze sogar.

"Wenn wir das Tor nicht kriegen sagen alle, es ist okay", meinte Mats Hummels. "Wir haben nicht optimal gespielt, aber zweimal keine schlechten Leistungen abgeliefert."

Doch am Ende reichte es beide Male nicht zum Sieg. "Nur gute Spiele reichen nicht. Es geht um Tore und Punkte, die haben wir nicht geholt", stellte Lukas Podolski fest.

Irland noch defensiver als Polen

Joachim Löw hatte die Iren vor dem Spiel als Kopie der Polen angekündigt. Die Boys in Green übertrafen die Erwartung des Bundestrainers sogar.

"Wir hatten viel Kontrolle, aber nicht so viele Torchancen, weil es die Iren in der Defensive besser gemacht haben als die Polen", sagte Manuel Neuer. Für die Offensive gab es kaum ein Durchkommen, im Spielaufbau fehlten die Ideen.

Nachdem die deutsche Mannschaft nach 70 Minuten durch einen Präzisionsschuss von Kroos endlich die irische Abwehrmauer überwunden hatte, verlor sie in der Schlussphase völlig ihre Ordnung und kassierte in der vierten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich.

So klang der Last-Minute-Ausgleich auf SPORT1.fm

Hummels konnte in der 94. Minuten John O'Shea nicht am Schuss hindern, und der irische Jubilar machte in seinem 100. Länderspiel den Fehlstart des Weltmeisters in der EM-Qualifikation komplett.

"Werden mit der Drucksituation klarkommen"

Ein Punkt aus den beiden Spielen gegen Polen und Irland sei "viel zu wenig und deutlich unter dem, was wir und alle anderen erwarten", sagte Hummels.

Mit nur vier Zählern aus drei Spielen steht das DFB-Team in der Gruppe D hinter Polen und Irland (beide sieben) und punktgleich mit Schottland nur auf dem vierten Platz.

"Es ist eine Drucksituation, aber damit müssen und werden wir klarkommen", meinte Hummels.

"Gegen Gibraltar werden wir jetzt gewinnen, und nächstes Jahr werden wir dann wieder zurückschlagen", kündigte Löw an. Der Bundestrainer gab zu, dass die Mannschaft "in den letzten paar Minuten einfach auch naiv" war.

Statt die Führung mit ihrer spielerischen Überlegenheit über die Zeit zu bringen, schlugen die deutschen Spieler plötzlich die Bälle lang nach vorn, machten den klar unterlegenen Gegner mit eigenen Fehlern stark.

So klang das Führungstor auf SPORT1.fm

"Wenn man leichte Bälle verliert, die Iren aufbaut und um den Ausgleich bettelt, muss man sich nicht wundern", meinte Jerome Boateng.

"Wir hatten nicht so viele Chancen, da musst du das Spiel über die Zeit bringen und man darf nicht so einfach ein Tor kassieren", erklärte der Innenverteidiger.

"Wir haben uns am Ende versteckt und waren mutlos", gab Neuer zu. "Wenn wir die Uhr runterspielen und den Ball laufen lassen, haben die Iren keinen Zugriff. Wir hätten es cleverer machen müssen", erklärte der Torhüter und Kapitän.

Belastungen hinterlassen Spuren

Die Mannschaft wirkte gegen Irland über weite Strecken ideenlos und müde. Die Belastungen der vergangenen Monate schien den Weltmeistern in den Knochen zu stecken.

Mehrere Leistungsträger fehlten verletzt, Andre Schürrle und Christoph Kramer fielen kurzfristig aus. Die Bank war dünn besetzt.

Sogar Thomas Müller, der eigentlich den Übergang nach der WM gut gemeistert zu haben schien, wirkte ausgelaugt und wie ein Schatten seiner selbst.

Beim Gegentor befand sie die Mannschaft sich im kollektiven Tiefschlaf.

"Jetzt geht es darum, aufzuwachen", forderte Boateng und nahm seine Mitspieler in die Pflicht: "Jeder muss Verantwortung übernehmen und wir müssen jetzt jedes Spiel gewinnen."

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