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Berlin - Erik Durm spricht im SPORT1-Interview über seinen rasanten Aufstieg, die Linksverteidiger-Position, Gibraltar und neue Konkurrenz.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Die vergangenen Monate verbrachte Erik Durm auf der Überholspur. Mit rasantem Tempo.

Erst im Juni gab der Dortmunder sein Debüt in der A-Nationalmannschaft, wurde einen Monat später sogar Weltmeister in Brasilien.

Während des Turniers kam der Linksverteidiger zwar nicht zum Einsatz, aber seitdem gehört er zum Stamm von Bundestrainer Joachim Löw. Bislang stand der 22-Jährige in allen drei EM-Quali-Spielen über die volle Distanz.

Ein Einsatz gegen Gibraltar (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist ihm aber nicht garantiert, denn in Jonas Hector hat Durm einen neuen Kontrahenten auf seiner Position erhalten.

Im SPORT1-Interview spricht der gelernte Stürmer über seine rasante Entwicklung, die WM, den kommenden Gegner Gibraltar und seinen neuen DFB-Konkurrenten.

SPORT1: Herr Durm, Sie haben einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Können Sie sich noch an die Ausgangslage im Herbst 2013 erinnern?

Erik Durm: Da war ich schon im Kader der ersten Mannschaft. Aber es war noch alles sehr neu. Marcel Schmelzer hat sich damals verletzt. Und dann ging alles sehr schnell. Jürgen Klopp hätte sich auch für Kevin Großkreutz oder Sokratis als Linksverteidiger entscheiden können. Er hat aber mich ins kalte Wasser geworfen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Für mich ist es ganz wichtig, dass mir Vertrauen geschenkt wird. Auch die Mannschaft hat mir sehr geholfen, daher hat das so gut geklappt.

SPORT1: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie auf der Überholspur unterwegs sind?

Durm: Ich habe mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht. Ich habe einfach mein Bestes gegeben. Und plötzlich habe ich dann in der Champions League gegen Real Madrid gespielt. Davor hatte ich großen Respekt. Ich habe einfach versucht, mir einzureden, dass von mir jetzt keine Wunder erwartet werden. Ich habe mein Ding durchgezogen, umgesetzt, was mir der Trainer gesagt hat und wusste, dass mir die Kollegen helfen. Es hat Spaß gemacht und ging dann von null auf hundert. Alle drei Tage ein Spiel, das kam mir entgegen. So blieb gar keine Zeit, mir großartige Gedanken zu machen.

SPORT1: Dann kam die WM-Nominierung, ohne dass Sie zuvor für Deutschland gespielt hätten - und plötzlich sind Sie Weltmeister. Das höchste Ziel ist mit 22 Jahren erreicht. Und jetzt?

Durm: Es gibt ja noch weitere Stufen. Ich habe bei der WM nicht die wichtigste Rolle gespielt und stand nicht eine Minute auf dem Platz. Für einen jungen Spieler wie mich ist das auch okay, aber natürlich möchte ich mich steigern. Auch wenn es nicht ganz so einfach ist, überhaupt im Kreis der Nationalspieler zu bleiben. Ich habe die WM sehr gerne mitgenommen. Sie war das größte Ereignis als Fußballer. Dass wir dann noch Weltmeister geworden sind, war das Geilste überhaupt. Das werde ich nie vergessen. Und das nach nur einem Jahr zu erreichen, war die Krönung.

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SPORT1: Waren Sie in Brasilien nie enttäuscht, dass Sie nicht zum Zug kamen, obwohl Sie der einzige Linksverteidiger waren?

Durm: Nein. Für mich war das eine Jahr so extrem, dass ich nur froh und stolz war, dabei zu sein. Jetzt muss ich zusehen, dass ich mich in der Nationalmannschaft etabliere. Klar, die WM ist schwer zu toppen. Aber ich werde erstmal versuchen, bei der EM in Frankreich dabei zu sein und dort mehr Minuten auf dem Platz zu bekommen. Wenn das klappt, möchte ich nach Möglichkeit natürlich auch den Titel holen.

SPORT1: Inwiefern hat der WM-Titel Ihr Leben verändert?

Durm: An meiner Person hat sich nichts geändert. Ich bin immer noch derselbe. Ich kann schon noch vor die Tür gehen. Aber als ich bei meiner Familie in der Heimat war, haben die Kiddies alle drei, vier Minuten Sturm geklingelt. Und man wird häufiger um ein Foto gebeten. Wenn es mal nicht so gut läuft, ist es zwar schwer, ein Lächeln für Fotos rüberzubringen, weil die Situation es nicht hergibt. Aber das Ganze ist grundsätzlich etwas Positives. Das nehme ich gerne mit.

SPORT1: Jetzt kommt Gibraltar. Bezogen auf die WM und die jüngsten Ehrungen ist das wie Schwarzbrot nach Sahnetorte. Haben Sie trotzdem Appetit darauf?

Durm: Klar, das ist ein EM-Qualifikationsspiel, in dem man sich zeigen kann. Ich habe noch nicht so viele Länderspiele machen dürfen, daher freue ich mich auf jedes einzelne, auch wenn es nur Gibraltar ist, das da auf dem Platz steht. Es werden genauso viele Punkte vergeben wie in den anderen Gruppenspielen. Daher nehmen wir das Spiel sehr ernst. Wir wollen und werden gewinnen.

SPORT1: Die Linksverteidigerposition wird in der Öffentlichkeit gerne als die aktuelle Schwachstelle der Nationalmannschaft gesehen. Wie gehen Sie als direkt Betroffener damit um?

Durm: Ich bekomme das mit, auch dass ich die ein oder andere schlechte Bewertung bekommen habe. Aber in den letzten Spielen habe ich nicht so schlecht ausgesehen. Die Medien dürfen schreiben, was sie wollen. So lange der Trainer mit mir zufrieden ist, mich aufstellt und ich meine Leistung bringe, ist für mich alles okay.

SPORT1: Mit Jonas Hector ist nun ein neuer Linksverteidiger im Kreis der DFB-Auswahl. Wie ist Ihr erster Eindruck und wie stark schätzen Sie die neue Konkurrenz ein?

Durm: Ich kenne Jonas schon ein bisschen, weil wir beim gleichen Berater sind. Ich habe ihn gleich angerufen und ihm gratuliert, als ich hörte, dass er nominiert ist. Ich habe ihm gesagt, wenn er etwas braucht, soll er zu mir kommen, da er sich ja bei der Nationalmannschaft noch nicht so auskennt. Ich habe mich für ihn gefreut. Sportlich ist er natürlich ein Konkurrent. Wir werden im Training alles geben, und dann werden wir sehen, wen der Trainer aufstellt.

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