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Ilkay Gündogan spielt seit 2011 für Borussia Dortmund
Ilkay Gündogan wechselte im Sommer 2011 vom 1. FC Nürnberg zu Borussia Dortmund © Getty Images

Frankfurt am Main - Ilkay Gündogan ist nach langer Verletzungspause zurück im DFB-Team. SPORT1 hat ihn vor dem Spiel gegen Australien getroffen . Auch Holger Badstuber feiert sein Comeback.

Ilkay Gündogan macht einen sehr entspannten Eindruck, als er im Mannschaftshotel zum Interviewtermin kommt.

Er war lange weg, mehr als eineinhalb Jahre. Umso glücklicher ist er, endlich zurück zu sein.
"Nach der langen Zeit, die ich nicht dabei war, genieße ich es sehr", sagt Gündogan und lächelt zufrieden.
Am 14. August 2013 erzielte er beim 3:3 gegen Paraguay ein Tor und musste nach 27 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Seitdem hat der Dortmunder kein Spiel im DFB-Trikot bestritten.

Gündogan und Badstuber wohl in der Startelf

Noch länger ist Holger Badstubers letztes Länderspiel her. Es war das legendäre 4:4 gegen Schweden im Oktober 2012. Nach zwei Kreuzbandrissen ist der Münchner nun zurück.

Bei der EM 2012 war Badstuber Stammspieler, die EM 2016 in Frankreich ist sein Ziel. "Da würde ich gern wieder dabei sein", sagte Badstuber kürzlich im SPORT1-Interview.

Ilkay Gündogan (l.) mit SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch

Gündogan stand bei der EM 2012 stand er im Kader, im Sommer 2013 war er kurz davor, einen Bastian Schweinsteiger aus der Stammelf zu verdrängen.

Die WM in Brasilien fand ohne die beiden statt, jetzt wollen sie mithelfen, die nächsten Erfolge zu erringen.

"Ich will wieder attackieren. Besonders diejenigen von uns, die den WM-Titel nicht miterlebt haben, sind hungrig und können noch einmal frischen Wind reinbringen“, sagt Gündogan, der am Mittwoch gegen Australien (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und LIVE im Sportradio SPORT1.fm) zusammen mit Badstuber sein Comeback im DFB-Team feiern wird.

"Gündogan und Badstuber habe ich für die Startelf im Kopf", verriet Joachim Löw am Dienstag.

In Kaiserslautern schließt sich ein Kreis

Für Gündogan schließt sich dabei ein Kreis. "In Kaiserslautern habe ich mein letztes Länderspiel gemacht, aber ich habe keine negativen Gedanken. Im Gegenteil. Ich freue mich, dass ich zurückkomme", sagt der 24-Jährige.

An das Spiel im August 2013 kann er sich noch sehr gut erinnern. "Es fühlt sich ein bisschen unvollendet an, weil ich damals nach nur etwas mehr als 20 Minuten runter musste."

Jetzt sei es so, "als wenn man etwas zu Ende bringt und mit dem Länderspiel vielleicht die Verletzung hinter sich lassen kann." Vier bis sechs Wochen Pause hieß im Sommer 2013 die erste Prognose. Doch aus der schnellen Rückkehr wurde nichts.

"Ich habe erst nach der anschließenden Winterpause gemerkt, wie lang die Pause tatsächlich sein würde. Das war der schwierigste Zeitpunkt“, erzählt Gündogan.

Die Verletzung war eine mysteriöse Nervenwurzelentzündung im Rücken, der Schmerz war sein ständiger Begleiter.

"Ich hatte Probleme beim Einschlafen, konnte nicht auf der rechten Seite liegen", erinnert sich Gündogan, "Bücken war auch schlecht, ich musste Schuhe und Hosen im Sitzen anziehen."

Odyssee bis auf die Krim

Seine Krankengeschichte wurde zu einer Odyssee. Auf der Suche nach Hilfe landete er sogar in einem Militärkrankenhaus in Jewpatorija auf der mittlerweile von Russland annektierten Halbinsel Krim.

"Man versucht, die perfekten Leute zu finden, die einem helfen können. Mir war egal, wo das war", sagt Gündogan im Gespräch mit SPORT1 und erklärt: "Es gab überhaupt keine  Gefahrensituation für mich, sondern es war alles komplett ruhig."

Das Ganze sei damals dramatisiert worden, findet er. "Ich war dort zwei Wochen und konnte gut arbeiten."

Dennoch könne man im Nachhinein sagen: "Egal, welches Training ich gemacht hätte, es hätte nicht viel gebracht. Am Ende war die Operation das Einzige, was man machen konnte, damit es wieder gut wird."

Direkt nach dem Aufwachen im Krankenhaus habe sich sein Rücken schon komplett anders angefühlt. "Es war so befreiend, man kann es kaum beschreiben. Es war einfach schön, wie ein persönlicher WM-Titel", erzählt Gündogan und lächelt.

Pflichtspiel-Comeback im Oktober

Im Oktober 2014 feierte er sein Pflichtspielcomeback für Borussia Dortmund, im Wintertrainingslager machte er weitere Fortschritte. Die Gedanken an die Verletzung schob er beiseite.

"Man kriegt sie aus dem Hinterkopf. Wenn man so eine Verletzung hinter sich hat, denkt man weniger daran, dass wieder etwas passieren könnte, sondern man genießt es, wieder Fußball zu spielen."

Vor einer Woche rief ihn der Bundestrainer an und nominierte ihn für die Spiele gegen Australien und in Georgien am Sonntag. Der Kontakt zur Nationalmannschaft war nie abgerissen, Gündogan war im regemäßigen Austausch mit DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Vor der WM besuchte er die Mannschaft in den Hotels und sah die Spiele in den Stadien. Als die Spiele in Brasilien begannen, lag er noch im Krankenhausbett.

Ähnliche Konkurrenzsituation wie damals

Jetzt steht er wieder auf dem Platz mit seinen ehemaligen Mitspielern, die sich nun Weltmeister nennen. "Es sind immer noch dieselben Jungs wie früher", sagt Gündogan.

Er selbst ist allerdings noch nicht wieder ganz der Alte.

"Natürlich bin ich noch nicht auf dem Niveau von damals, aber ich bin mir sicher, dass es jetzt einen Schub für mich geben wird."

Ilkay Gündogan sieht positiv in die Zukunft. Und auch Holger Badstuber hat seinen größten Kampf gewonnen.

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