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Germany v Scotland - EURO 2016 Qualifier, Hans-Dieter Hermann
Hans-Dieter Hermann ist der Sportpsychologe der Nationalmannschaft © Getty Images

DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann fürchtet trotz der bisher schleppend verlaufenen EM-Qualifikation keine nachhaltige Schwächephase der Weltmeister. Die zahlreichen Huldigungen und Ehrungen sowie der Rausch des Erfolgs hätten keine ausgebrannten Sportler zur Folge, allenfalls körperlich habe die Belastung ihren Tribut gefordert, sagte Hermann.

"Da immer viele Anfragen und sehr viel öffentliche Beachtung vorhanden sind, ist eine gewisse Steigerung dieser Zuwendung keine lebensverändernde Situation", sagte Hermann: "Es ist ein falsches Bild, dass nach einem WM-Titel 'plötzlich so viel auf sie einprasselt'. Vor allem auf unsere bekanntesten Spieler prasselt täglich so viel ein, dass sie gelernt haben, sich im Zweifelsfall auch zu schützen. Zudem gibt es einen gewissen Deckeneffekt."

Grundsätzlich sei "das Ganze positiv besetzt", meinte der 54-Jährige weiter: "Die Spieler haben das alles auch sehr genossen und wissen, was dieser Titel für ihr Leben bedeutet: sie sind und bleiben diejenigen, die in Brasilien den Titel geholt haben. Damit werden sie immer verbunden bleiben."

Dass im Herbst Elan und Motivation gefehlt hätten, weil der Titel noch nicht abgehakt war, sei eine falsche Schlussforderung, berichtete der Psychologe. "Aus meiner Beobachtung war es eher so, dass nach den vielen Wochen Nationalmannschaft im Mai, Juni und Juli, mit diesem so sehr gewünschten Ausgang, am 13. Juli in Rio für jeden ein Traum in Erfüllung ging. Danach gab es einen mehr oder weniger kurzen Urlaub und anschließend forderten die Vereine natürlich wieder volle Konzentration auf ihre Belange und auf die Saisonvorbereitung."

Ein demonstratives Hinter-Sich-Lassen des Erfolgs sei nicht nötig. "Fußball ist schnelllebig, da muss man nicht bis Weihnachten warten, um einen Haken zu machen", erläuterte Hermann: "Aber die lange Länderspielpause und die Tatsache, dass die EM schon in Sichtweite ist, hilft vielen Spielern, das nächste Ziel mit der Nationalmannschaft konkret ins Visier zu nehmen."

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