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Jonas Hector hat bislang drei Länderspiele bestritten
Jonas Hector hat bislang drei Länderspiele bestritten © getty

Tiflis und München - Jonas Hector weckt mit seiner Vielseitigkeit und seiner schnörkellosen Art die Hoffnung, Joachim Löws Problem auf der linken Abwehrseite lösen zu können.

Vor fünf Jahren kickte Jonas Hector noch beim SV Auersmacher in der Oberliga, vor einem Jahr spielte er mit dem 1. FC Köln noch gegen den SV Sandhausen und den VfR Aalen in der Zweiten Liga.

Mit den Rheinländern stieg er im vergangenen Sommer auf, jetzt ist er Stammkraft in der Bundesliga und Nationalspieler.

Wenn ihm jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass er heute als Stammspieler im Profifußball landen würde, "hätte ich denjenigen für bekloppt erklärt", hat Hector zuletzt einmal gesagt.

Aufsteiger im DFB-Team

Denn heute ist er nicht nur Stammspieler beim FC, sondern ein Aufsteiger im DFB-Team.

Beim 2:0-Sieg in Georgien stand er zum ersten Mal in einem Pflichtspiel in der Startelf und zeigte keine Spur von Nervosität neben Stars wie Bastian Schweinsteiger oder Mats Hummels.

"Tiflis war eine Reise wert, man sieht etwas von Europa, und so oft bin ich auch noch nicht herumgekommen", freute sich Hector im Gespräch mit SPORT1 nach seinem dritten Einsatz im DFB-Team.

Gegen Georgien erledigte er seine Aufgabe als Linksverteidiger in der Viererkette fast fehlerlos und freute sich über seinen Auftritt.

"Es ist immer wieder etwas Besonderes, für die Nationalmannschaft zu spielen. Gerade auch, wenn man die Hymne mitsingen darf", berichtete der 24-Jährige von seinem bisher größten Auftritt als Fußballer.

Flexibel einsetzbar

Im vergangenen November hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw zum ersten Mal nominiert, beim 4:0 gegen Gibraltar gab Hector sein Länderspieldebüt, damals noch als Einwechselspieler.

Beim 2:2 gegen Australien durfte er erstmals von Beginn an auflaufen, zunächst im linken Mittelfeld vor der Dreierkette in der Abwehr, später als Linksverteidiger in der Viererkette.

Für Hector kein Problem, auch Kölns Trainer Peter Stöger setzt ihn auf verschiedenen Positionen ein.

"Er stellt sich im Defensivbereich sehr intelligent an, trotzdem liegt im alles, was nach vorne geht, eigentlich noch mehr, da er auch ein sehr laufstarker Spieler ist", sagte der Österreicher zu SPORT1.

Diese Flexibilität schätzt auch Bundestrainer Löw an ihm. Nach dem Spiel gegen Australien äußerte sich Löw sehr positiv über den zurückhaltenden Saarländer.

Lob vom Bundestrainer

"Für uns kann er eine Bereicherung sein. Er ist im taktischen Bereich gut geschult, seine Möglichkeit, die Situation zu erkennen und den Raum zu nutzen mit seinem linken Fuß, das macht er gut", lobte Löw.

Hector weckt mit seiner Vielseitigkeit und seiner schnörkellosen Art die Hoffnung, irgendwann Löws Problem auf der linken Abwehrseite lösen zu können.

Konkurrenz für Höwedes und Durm

Bei der WM spielte Benedikt Höwedes auf dieser Position, doch Hector macht dem Weltmeister Konkurrenz, vor allem auch wegen seiner Stärke in der Offensive.

Gegenüber Weltmeister Erik Durm hat der Kölner im Moment die Nase vorn. Dem Dortmunder hatte Löw nach der WM das Vertrauen ausgesprochen, doch der 22-Jährige ist schon länger verletzt.

Sein Vereinskollege Marcel Schmelzer spielt in Löws Überlegungen wohl keine Rolle mehr.

Kein Mann großer Worte

Hector hingegen könnte die Zukunft gehören. Gegen Australien und auch in Georgien schaltete er sich immer wieder ins Spiel nach vorn ein. "Wir wollten von Anfang an dominant sein und haben als Außenverteidiger hochgeschoben", erzählte Hector, der früher eine ganz andere Position bekleidete.

"Bei mir spielte Jonas auf der Zehn", verriet sein ehemaliger Trainer Jörn Birster vor Kurzem im 11-Freunde-Interview. "Wenn ich aber zum Beispiel bei Hallenturnieren beschloss, ihn als fliegenden Torwart aufzustellen, setzte er die Anweisungen wortlos um."

Hector ist kein Mann großer Worte, er will lieber mit Taten überzeugen und sich für weitere Einsätze in der Nationalelf zu empfehlen.

Nächste Bewährungschance im Juni

"Mein Ziel ist es, gute Leistungen in der Bundesliga zu bringen und regelmäßiger dabei zu sein", sagt er.

Momentan sieht es so aus, als könne er sich schon auf seine nächste Dienstreise freuen. Im Juni spielt die Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Gibraltar im portugiesischen Faro. Auch Faro ist eine Reise wert.

Es dürfte nicht Hectors letzte sein.

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