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Joachim Löw gibt tiefe Einblicke in sein Seelenleben nach dem WM-Sieg des DFB-Teams. Er war im Rausch, spricht von Wahnsinn und gibt einen Reiz für die Zukunft vor.

Keine Kraft, kein Antrieb, kein Ärger über eine Niederlage - und das bis in den Oktober hinein: Bundestrainer Joachim Löw hat in einem Interview mit der Welt am Sonntag ungewöhnlich emotionale Einblicke in sein Seelenleben nach dem WM-Triumph von Rio gegeben.

"Bis in den Oktober hinein habe ich gebraucht, wieder die richtige Spannung zu bekommen. Erst da war der Antrieb wieder da", erklärte der 55-Jährige: "Kraft und Motivation waren vorher einfach weg. Der Akku war leer."

Die Ausgebranntheit habe sofort nach dem 1:0-Finalsieg gegen Argentinien eingesetzt. "Unmittelbar nach dem Abpfiff war ich im Rausch. Ich wusste, wir sind Weltmeister, wir haben den Cup und bringen ihn heim. Das war Wahnsinn", erzählte Löw: "Später im Hotel saß ich da, umgeben von meiner Frau, den Kollegen und Freunden, unserem Betreuer-Team. Ich war glücklich, aber ich hatte keine Kraft, um ausgelassen zu feiern. Ich konnte das gar nicht. Ich war emotional völlig ausgelaugt von dem Turnier."

In den Wochen danach habe er es "genossen, allein zu sein", berichtete der Bundestrainer: "Immer wieder kamen Gedanken an Brasilien hoch. Das war Freude pur. Aber es hat gedauert, bis ich wieder neue Energie hatte. Das zog sich hin bis zu den ersten Länderspielen. Da spielten wir ja auch gleich wieder gegen Argentinien. Ich fragte mich, wie ich die Spieler dafür motivieren soll. Sechs Wochen vorher hatten wir die Argentinier im Finale geschlagen. Ich konnte ihnen kaum vermitteln, wie wichtig nun dieses Testspiel ist. Wenn Argentinien gewinnt, dachte ich mir, dann ist das eben so. Wir haben das Finale gewonnen."

Irgendwann, so Löw, habe er gemerkt: "Okay, das zu bestätigen, was wir in Brasilien erreicht haben und sich noch weiter zu verbessern, darin liegt der Reiz." Den Titel bei der EURO 2016 hat der Bundestrainer schon länger wieder kämpferisch als Ziel ausgegeben.

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