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Marco Reus gegen Georgien
Marco Reus ließ gegen Georgien selbst beste Chancen aus © dpa Picture Alliance

Leipzig - Für Marco Reus und Andre Schürrle sollte Georgien zum Aufbaugegner werden. Doch nach dem Chancenwucher gegen den Außenseiter ist der Angriff Joachim Löws größtes Sorgenkind.

Marco Reus war nicht nach Reden zumute.

Der Dortmunder müsse noch behandelt werden, ließ ein Mitarbeiter der Presseabteilung des DFB wissen. Als Reus, der zuvor im Spiel mehrere Großchancen versiebt hatte, dann eine halbe Stunde vor Mitternacht aus dem warmen Spielertrakt in die kalten Katakomben des Leipziger Stadions trat, ging er direkt in den wartenden Mannschaftsbus.

Seine Teamkollegen hatten zuvor versucht zu erklären, warum die deutsche Mannschaft beim 2:1 (0:0) gegen Georgien so viele Torgelegenheiten liegengelassen hatte und warum es solch eine Zitterpartie war.

"Wir machen es und selbst schwer. In der ersten Halbzeit haben wir meistens gute Chancen, aber dann belohnen wir uns nicht", sagte Thomas Müller, der fünf Minuten nach der Pause das 1:0 per Foulelfmeter erzielt hatte.

Müller auf rechts wichtig

Für Müller war es der neunte Treffer in der EM-Qualifikation, doch außer ihm gibt es im deutschen Kader niemanden, der auch nur annähernd so torgefährlich war. Dabei wird der Münchner in erster Linie auf seiner Lieblingsposition auf der rechten Seite gebraucht.

Die Rolle als falsche Neun füllte Mario Götze zwar zuletzt mit zwei Toren gegen Polen sehr gut aus, doch Götze fehlte gegen Georgien wegen seiner schweren Verletzung und muss lange pausieren.

Dass auch der Auftritt gegen Georgien andere als souverän war, lag wieder einmal an der katastrophalen Chancenverwertung. Allein Reus hätte in der ersten Halbzeit zwei Treffer erzielen müssen, insgesamt hatte er Chancen für drei oder vier Tore.

Pleiten und Pannen in der Qualifikation

"Es fehlt natürlich irgendwo das Selbstvertrauen, wenn man keine Tore macht. Aber irgendwann wird der Knoten platzen", gab sich der ebenfalls glücklose Andre Schürrle optimistisch, blickte aber auch kritisch zurück.

"Wir haben es in der kompletten Qualifikation nicht geschafft, früh klare Verhältnisse zu schaffen. Daran müssen wir arbeiten", meinte der Wolfsburger.

Nach dem glücklichen Erfolg gegen die Nummer 110 der FIFA-Weltrangliste beendete das DFB-Team die Qualifikation zwar als Gruppensieger, doch die Zeit seit dem WM-Gewinn im Sommer 2014 war geprägt von Pleiten, Pech und Pannen.

Niederlagen in Polen und in Irland standen am Ende für den amtierenden Weltmeister zu Buche, dazu ein Remis gegen die Iren und weitere Partien, in denen die DFB- Auswahl sich alles andere als weltmeisterlich präsentierte.

Klare Worte von Boateng und Neuer

"So brauchen wir nicht nach Frankreich zu fahren, das ist klar", stellte Jerome Boateng mit Blick auf die Endrunde im kommenden Sommer fest. "Das geht einfach nicht", meinte Boateng, "es kann nicht sein, dass wir gegen so einen Gegner zittern müssen."

Ersatzkapitän Manuel Neuer fand es "unerklärlich, warum wir im Training einen nach den anderen reinhauen und gefühlt 50 Tore schießen, aber dann in Irland und gegen Georgien den Ball nicht über die Linie bringen."

Chance für Gomez oder Meier?

Löw muss mit seinem Trainerteam nun Lösungen für die Probleme in der Offensive und in der Rückwärtsbewegung finden.

Der Bundestrainer hatte zuletzt zwar betont, im Sturm sei die Tür für Mario Gomez nicht zu, aber es bleibt abzuwarten, ob und wann Gomez wieder eingeladen wird. Ob Bundesliga-Torschütze Alex Meier eine Chance bekommt, darf bezweifelt werden.

"Im November werden Spieler zum Zug kommen, die jetzt nicht so gespielt haben oder nicht dabei waren", kündigte Löw an. Am 13. November spielt das DFB-Team bei EM-Gastgeber Frankreich, vier Tage später geht es gegen die Niederlande, sofern der WM-Dritte nicht doch noch die EM-Playoffs erreicht.

An die Partie gegen Holland bei der EM 2012 hat Gomez guter Erinnerungen. Beim 2:1 im Vorrundenspiel erzielte der heute Angreifer von Besiktas Istanbul beide Tore.

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