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Die deutsche Nationalelf hat sich mit mehr Mühe als gedacht für die EM 2016 qualifiziert und damit zum zwölften Mal in Folge die EM-Endrunde erreicht.

Mit Hängen und Würgen zur EM: Weltmeister Deutschland hat sich trotz einer erneut katastrophalen Chancenverwertung das Ticket für die EURO 2016 in Frankreich erzittert und das Nachsitzen in den Play-offs erspart.

Die zwölfte EM-Teilnahme in Folge und den Sieg in der Gruppe D machte das DFB-Team durch ein mühsames 2:1 (0:0) gegen den Weltranglisten-110. perfekt, enttäuschte dabei aber erneut (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe D).

Nach unzähligen vergebenen Großchancen in der ersten Halbzeit benötigte der Weltmeister einen Foulelfmeter, um durch Thomas Müller in Führung zu gehen (50.), kassierte aber nur drei Minuten später den Ausgleich durch Georgiens Kapitän Jaba Kankawa. Erst der drei Minuten zuvor eingewechselte Max Kruse erlöste den sichtlich angespannten Bundestrainer Joachim Löw mit dem Siegtreffer (79.) (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).  

"Ich habe den Ball beim Tor ganz gut getroffen und zum Glück ist er reingegangen. Wir wollen das nicht an die große Glocke hängen. Es ist schwer  gegen solche Gegner, aber irgendwas müssen wir uns einfallen lassen. Unseren Spielstil wollen wir aber schon beibehalten", sagte Kruse nach dem Zittersieg.

"Das ist wie ein roter Faden"

"Grundsätzlich sind wir zufrieden, dass wir die Qualifikation geschafft haben, aber unzufrieden mit den letzten beiden Spielen. Das ist nicht unser Standard, es liegt noch viel Arbeit vor uns", sagte Löw bei RTL.

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach war nach eigener Aussage "geschafft. Da war ich nicht drauf eingestellt, dass man heute ein Stück zittern musste. Die Mannschaft hat sich das Leben selbst schwer gemacht. Schwamm drüber, wir sind Tabellenerster, zum zwölften Mal in Folge bei der EM dabei, das zählt. Aber die Effizienz müssen wir verbessern. Was nutzt mir die ganze Ballfertigtkeit, wenn das Entscheidene nicht passiert. Wir haben wunderbare Fußballer, die streicheln, schieben und passen, aber der Ball muss irgendwann mal rein. Das ist wie ein roter Faden, der sich durch die Qualifikation zieht."

Torhüter Manuel Neuer haderte ebenfalls: "Im Training schießen wir 50 Tore, ein Ball nach dem anderen fliegt ins Netz. Wir brauchen vorne den Killerinstinkt und machen uns das Leben selbst schwer. Und dann kriegen wir auch noch den Ausgleich. Bei der EM muss das anders werden, da werden wir hoffentlich zu dem Spiel finden, das man von der deutschen Nationalmannschaft kennt." (Reaktionen: "Das ist nicht unser Standard")

Schürrle für Götze

Löw hatte seine Startelf im Gegensatz zum Irland-Spiel nur auf einer Position verändert. Für den verletzten Mario Götze rückte Andre Schürrle auf die für ihn ungewohnte Position in die Spitze, wo er sich aber offensichtlich nicht wohl fühlte und so gut wie gar nicht in Erscheinung trat. Bastian Schweinsteiger, der bereits in Irland wegen einer Muskelverhärtung gefehlt hatte, war offensichtlich nicht topfit und saß nur auf der Bank. So agierten im defensiven Mittelfeld erneut Ilkay Gündogan und Toni Kroos.

Gegen die Kreuzritter, die das Hinspiel 0:2 verloren hatten, wirkten die Gastgeber von Beginn an wild entschlossen, sich für das 0:1 in Irland zu rehabilitieren, doch die mangelhafte Chancenverwertung war einmal mehr das große Problem.

Die erste Möglichkeit hatte Müller bereits in der dritten Minute, aber der überragende Gäste-Torwart Nukri Rewischwili war auf dem Posten. Fünf Minuten später verpasste erneut Müller nach einem raffinierten Freistoß von Kroos die mögliche Führung. Ilkay Gündogan und vor allem Marco Reus, der nach einer Traumkombination in der 13. Minute eine sogenannte Hundertprozentige aus sechs Metern ungenutzt ließ und der anschließend noch drei gute Gelegenheiten hatte, verdeutlichten das von Löw deutlich angesprochene aktuelle deutsche Manko: Die mangelnde Effizienz.

Umständliches Kurzpassspiel

Deutschland beherrschte den Gegner zwar nach Belieben, aber das viel zu umständliche Kurzpassspiel im georgischen Strafraum brachte nicht den erhofften Erfolg. Und wie schon am Donnerstag in Irland fiel dem Weltmeister gegen die robuste, aber auch reichlich limitierte Defensive des Underdogs ansonsten wenig ein. Schüsse aus der zweiten Reihe waren Mangelware, auch die Standards waren wenig gefährlich.

In der 27. Minute hatte die DFB-Auswahl großes Glück, als Manuel Neuer gegen Tornike Okriaschwili mit einer Glanztat das 0:1 verhinderte, nachdem zuvor Mats Hummels gepatzt hatte. Anschließend hatte Reus erneut eine gute Chance, die einmal mehr der Gäste-Torwart zunichte machte. Zur Pause verabschiedeten die 43.630 Zuschauer den Weltmeister mit Pfiffen in die Kabine.

Nur zwei Minuten nach der Pause half ein ungeschicktes Einsteigen von Kankawa am Strafraumeck dem Weltmeister zur Führung: Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien entschied zurecht auf Elfmeter und Müller verwandelte sicher zu seinem 31. Tor im 67. Länderspiel, dem bereits neunten in dieser Qualifikation.

Schock statt Befreiung

Doch statt der großen Befreiung folgte der Schock: Jonas Hector köpfte den Ball nach einer georgischen Ecke mittig aus dem Strafraum, Kankawa nahm ihn volley und ließ Neuer keine Chance. Nun machte sich endgültig Verunsicherung beim DFB-Team breit, die Pfiffe wurden lauter, da die Schönspielerei des Weltmeisters immer weniger zielführend war. Nach einer Stunde hatte die Georgier dann durch Okriaschwili aus sieben Metern die Riesenchance zur Führung; Neuer lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte.

Eine Viertelstunde vor dem Ende brachte Löw Kruse für Schürrle - und keine drei Minuten später zahlte sich das aus. Nach einem schönen Pass von Mesut Özil gelang dem Wolfsburger mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze sein viertes Länderspieltor.

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