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Netherlands v Germany - International Friendly
Mats Hummels (l.) gegen Dirk Kuyt beim bislang letzten Duell im November 2012 © Getty Images

Die Entscheidung ist gefallen: Das Länderspiel gegen die Niederlande am Dienstag findet statt. Der DFB will damit ein Zeichen für die Freiheit und gegen den Terror setzen.

Nach zwei Tagen voller Unsicherheit, Angst und Trauer soll der Fußball siegen.

Die deutschen Weltmeister wollen ein "einstimmiges Zeichen für die Freiheit und gegen den Terror" in die Welt senden - sie treten am Dienstag  (20.45 Uhr im LIVETICKER und LIVE in unseren Sportradio SPORT1.fm) zum letzten Länderspiel des Jahres gegen die Niederlande an.

Trotz oder gerade wegen der Anschläge von Paris, die sie bei der Begegnung mit Frankreich aus bedrückender Nähe miterlebt haben.

Das Nationalteam will gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und deren Kabinett in Hannover demonstrieren: Fußball ist stärker als Gewalt.

"Lassen uns vom Terror nicht einschüchtern"

"Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern", sagte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball.

"Der Respekt für diese Demonstration der Solidarität mit den Opfern und dem gesamten französischen Volk gebührt Bundestrainer Joachim Löw und jedem einzelnen Spieler", ergänzte Rauball.

Teammanager Oliver Bierhoff erklärte: "Das gesamte Team - Spieler, Trainer und Betreuer - ist immer noch stark betroffen. Dennoch wissen alle, dass es wichtig ist, ein Zeichen zu setzen und sich für unsere Werte und Kultur einzusetzen."

Die Entscheidung, das Spiel auszutragen, stieß auch bei den SPORT1-Usern auf Zuspruch. Im Rahmen einer Twitter-Umfrage beurteilten bis zum frühen Sonntagabend 85 Prozent die Nicht-Absage als "sehr gut".

Die Mannschaft werde am Montagmittag in Hannover zusammenkommen.

Merkel mit allen Ministern im Stadion

Dort wird am Dienstag die Kanzlerin das Spiel in der HDI-Arena verfolgen. Dies teilte ein Regierungssprecher am Sonntagnachmittag mit. Nach Informationen der Bild-Zeitung soll sogar das gesamte Kabinett in der niedersächsischen Landeshauptstadt auf der Tribüne sitzen. Eine Bestätigung stand zunächst aus.

Die Entscheidung erfolge als "Zeichen der Solidarität".

Vize-Kanzler Sigmar Gabriel sagte, er finde es "gut und richtig, dass das Länderspiel trotz der Attentate stattfindet. Gerade jetzt dürfen und werden wir nicht weichen."

Schritt zurück in Normalität

Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Klassiker gegen Oranje nach den Vorkommnissen in der französischen Hauptstadt auch ein Schritt zurück in die Normalität.

Hinter ihr liegt ein "Albtraum", wie sie das Geschehen im und um das Stade de France am Freitagabend in ihrem offenen Brief nannte.

Wegen der ungewissen Sicherheitslage mussten Spieler und Betreuer die Nacht im EM-Endspielstadion verbringen, wo ihre französischen Kollegen mit ihnen ausharrten. "Das war eine grandiose kameradschaftliche Geste", sagte Rauball.

Matratzen wurden ausgelegt, aber nur wenige fanden Schlaf. Manche beteten, andere hörten Musik oder suchten Ablenkung in Gesprächen.

Nationalspieler zunächst heim zu Familien

Nach Stunden der Ungewissheit und Sorge fuhren die deutschen Nationalspieler am Morgen zum Flughafen und flogen nach Hause zu ihren Familien. Löw hatte ihnen eine Auszeit verordnet, um die Ereignisse zu verarbeiten.

Das gelang nur sehr langsam. "Ich bin immer noch fassungslos darüber, was passiert ist", schrieb Kapitän Bastian Schweinsteiger am Sonntagmorgen bei Twitter.

Dass er und seine Kollegen im EM-Härtetest gegen die Éqipe tricolore 0:2 (0:1) unterlegen waren, war nicht einmal eine Randnotiz.

"Wir haben ein Fußballspiel verloren - und es gibt nichts, was in diesem Moment unwichtiger war", schrieben die Spieler: "Es war ein dumpfer Knall, der alles verändert hat. Und der die Bilder gebracht hat, die uns noch lange begleiten werden."

Der Schock sitzt immer noch tief

In Hannover soll dies von sportlichen Eindrücken zumindest teilweise überblendet werden.

Wie schwierig das werden dürfte, war bei einem Blick in die Gesichter der Spieler bei der Ankunft am Samstagmorgen in Frankfurt/Main zu erkennen.

Neben Müdigkeit herrschten Trauer und Fassungslosigkeit vor.

Schon unmittelbar nach dem Spiel in der Kabine sei die Stimmung "beklemmend" gewesen, erzählte Bierhoff.

Unter den Profis habe "große Unsicherheit und große Angst" dominiert, "man hat gemerkt, wie geschockt die Spieler sind".

Daran änderte sich übers Wochenende kaum etwas.

Auch Frankreich spielt wieder

Löw gab seinen Spielern bis Montagvormittag frei. Die meisten fuhren zu ihren Familien, während Löw mit Bierhoff und der DFB-Spitze über das weitere Vorgehen beriet.

Löw verzichtet gegen die Niederlande auf ein Sextett um Kapitän Bastian Schweinsteiger. Manuel Neuer, Jerome Boateng, Jonas Hector, Lukas Podolski und Leroy Sane gehören ebenfalls nicht mehr zum nunmehr nur noch 18-köpfigen Aufgebot.

Die Entscheidung, gegen die Elftal anzutreten, fiel auch unter dem Eindruck, dass Frankreich an seiner Begegnung mit England in London festhält.

Für Teile der Nationalmannschaft wird der Schrecken von Paris jedoch bald wieder präsent werden:

Am 12. Dezember wird eine Abordnung um Löw und Bierhoff zurück an die Seine reisen, wenn dort die Vorrundengruppen der EM (10. Juni bis 10. Juli) ausgelost werden.

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