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Jerome Boateng (l.) wurde erneut Zielscheibe rassistisch motivierter Beleidigungen
Jerome Boateng (l.) wurde erneut Zielscheibe rassistisch motivierter Beleidigungen © Getty Images

Nach den rassistisch motivierten Beleidigungen von AfD-Vize Gauland hagelt es Unterstützung für Jerome Boateng. Der FC Bayern verurteilt Gaulands Aussagen.

Nach den geschmacklosen Aussagen des stellvertretenden Vorsitzenden der rechtspopulistischen Partei AfD, Alexander Gauland, macht sich große Unterstützung für Jerome Boateng breit.

DFB-Kollege Benedikt Höwedes sprang Boateng vor dem Testspiel gegen die Slowakei (ab 17.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) auf Twitter sofort zur Seite. "Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn. #Abwehr", schrieb Höwedes und stellte gemeinsame Bilder der beiden Verteidiger hinzu.

Auch Boatengs Verein verurteilte Gaulands Äußerungen. "Diskriminierungen jeder Art haben im Sport und in unserer Gesellschaft nichts verloren und verdienen die Rote Karte. Jérôme Boateng ist ein wunderbarer Mensch und ein vorbildlicher Fußballprofi unseres Vereins. Wir sind stolz, dass er auch für die deutsche Fuball-Nationalmannschaft spielt", teilte der FC Bayern mit.

Gauland geschmacklos

Gauland hatte zuvor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärt, dass "die Leute ihn als Fußballspieler gut finden. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Unter den Anhängern seiner Partei gebe es die Sorge, "dass eine uns fremde Religion sehr viel prägender ist als unsere abendländische Tradition", ergänzte der Politiker. Und die Mehrheit der "Fremden" in Deutschland komme in der Regel vor allem aus vom Islam geprägten Regionen.

Gaulands Aussage ist umso unpassender, da Boateng kein Moslem - sondern - für alle Welt sichtbar - gläubiger Christ ist.

"Habe ihn nie beleidigt"

Am Sonntag ruderte Gauland etwas zurück. "Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten", sagte er laut Bild.

Er habe "die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind", so Gauland.

Parteichefin Frauke Petry distanzierte sich von Gaulands vorherigen Aussagen. "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist", so Petry, die auch auf Twitter Stellung nahm, zur Bild.

"Jerome Boateng ist ein Klasse-Fußballer und zu Recht Teil der deutschen Nationalmannschaft. Ich freue mich auf die EM. #Nachbarn", schrieb Petry.

Breite Unterstützung für Boateng

Neben Höwedes und den Bayern unterstützten weitere Prominente den dunkelhäutigen Fußballer des FC Bayern und kritisierten die AfD. "Jerome Boateng hat bisher 57x für die Nationalmannschaft gespielt. Damit hat er 57x mehr für Deutschland getan als die AFD", schrieb beispielsweise der frühere Schalker Hans Sarpei.

Auch die DFL kritisierte Gaulands Äußerungen.

"Jerome Boateng genießt sportlich und menschlich die volle Unterstützung des gesamten deutschen Profi-Fußballs. Die Aussage, man wolle ihn nicht als Nachbarn haben, ist unverantwortlich. Sie dient vor allem dazu, auf gefährliche Weise gezielt Vorurteile zu bedienen und auf dem Rücken eines prominenten Fußball-Spielers Politik zu machen", hieß es in einem Statement von Liga-Präsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

DFB-Präsident Reinhard Grindel fand es "einfach geschmacklos", sowohl Boateng selbst als auch die Nationalelf "für politische Parolen zu missbrauchen". Boateng sei "ein herausragender Spieler und ein wunderbarer Mensch, der sich übrigens auch gesellschaftlich stark engagiert und für viele Jugendliche ein Vorbild ist", so der 54-Jährige weiter.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff äußerte ebenfalls Unverständnis. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit solchen Äußerungen konfrontiert werden. Sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung, die Personen diskreditieren sich von alleine", so Bierhoff.

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