vergrößernverkleinern
Jerome Boateng
Jerome Boateng wurde von AfD-Politiker Alexander Gauland rassistisch beleidigt © Getty Images

Dass die Kanzlerin sich so deutlich von Gauland distanziert hat, freut Jerome Boateng. Die Zunahme des Alltagsrassismus stimmt ihn aber traurig.

Für Nationalspieler Jerome Boateng ist Rassismus in Deutschland nicht nur wegen der jüngsten Anfeindungen ein Thema.

"Es ist traurig, dass man da wieder etwas zurückgefallen ist. Ich hatte gehofft, das wäre überwunden", sagte der 27 Jahre Weltmeister in einem Interview mit der Funke Mediengruppe.

Grundsätzlich habe er aber das Gefühl, dass der alltägliche Rassismus weniger geworden sei. "Ich denke schon, aber er ist längst noch nicht weg, das zeigt nicht nur dieses aktuelle Beispiel", sagte Boateng bezogen auf die Äußerungen des AfD-Politikers Alexander Gauland. Dieser hatte gesagt, einen wie Boateng wolle man nicht zum Nachbarn haben.

Lob für die Kanzlerin

Dass sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihn Partei ergriffen hat, fand Boateng gut: "Das hat mich gefreut. Vor allem, weil sie sich so klar und deutlich geäußert hat, was, glaube ich, auch wichtig ist. Nicht nur für mich, sondern auch für unser Land."

Boateng betonte aber noch einmal, dass ihn diese Äußerung nicht sonderlich in seiner Vorbereitung auf die EM-Endrunde in Frankreich (10. Juni bis 1. Juli) gestört habe. "Das hat mich nicht so sehr belastet. Ich habe es zur Kenntnis genommen. Das war es eigentlich auch schon. Was Gauland angeht: Ich finde es natürlich traurig, dass man sich so etwas heutzutage überhaupt noch anhören muss."

Welle der Solidarität freut Boateng

Dass ihm eine Welle der Solidarität zuteil wurde, habe er aber sehr wohl registriert. "Beim Spiel am Sonntag in Augsburg gab es viele positive Bekundungen in meine Richtung, das hat mich gefreut."

Video

Dass das Thema in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit so hochgekocht ist, passt Boateng nicht.

"Ich will das Thema auch nicht ignorieren. Aber ich möchte auch nicht, dass solche Leute über mich Aufmerksamkeit und eine große Plattform bekommen. Und ich möchte ebenfalls nicht, dass ich im Vergleich zu meinen Mannschaftskollegen zu viel Aufmerksamkeit bekomme. Wir haben ja auch noch einige andere Spieler, die in anderen Ländern ihre Wurzeln haben. Ich sehe mich da nur stellvertretend angegriffen. Aber was dieses Thema angeht, kann ich schon sehr deutlich sagen, dass ich das in Deutschland nicht haben möchte", sagte der Verteidiger.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel