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Evian-les-Bains - Joachim Löw lächelt die Kritik an der Offensive und den Führungsspielern weg. SPORT1 wirft einen Blick auf die Brennpunkte und ordnet die Aussagen des Bundestrainers ein.

Nachdem Joachim Löw die Fragen beantwortet hatte und die Übertragung aus Evian schon vorbei war, schob er mit einem Lächeln hinterher: "Schwerpunkt im Training, wie heute bei der Pressekonferenz: Offensive."

Mehr als 40 Minuten lang hatte der Bundestrainer den Journalisten Rede und Antwort gestanden. Löw machte einen sehr entspannten Eindruck. Seinen Spielern hatte er frei gegeben, und auch er selbst wolle mal durchschnaufen.

"Heute Nachmittag schauen wir uns das Spiel gegen Polen noch einmal an. Ich möchte auch nicht unbedingt raus, vielleicht mache ich abends etwas Sport", erzählte er.

Das Spiel gegen Polen hatte viel Kritik aufkommen lassen, vor allem an der Leistung der Offensive. Nicht nur von den Medien, auch mannschaftsintern, zum Beispiel von Jerome Boateng.

"Sie war realistisch, zutreffend und absolut gut", sagte Löw. Auf die Kritik von Ex-Kapitän Michael Ballack an den Führungsqualitäten der Leistungsträger entgegnete er indes süffisant: "Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht." Die Botschaft zwischen den Zeilen: Das juckt mich nicht.

"Ich persönlich, wäre ich Außenstehender, würde ganz ruhig sein", konterte er Ballack.

SPORT1 wirft einen Blick auf die Brennpunkte im DFB-Team und ordnet die Aussagen des Bundestrainers ein.

- Offensive:

Gegen Polen hatte das DFB-Team so gut wie keine Torchancen. Für Löw kein Anlass zur Panik. "Ich kann keine speziellen Gründe finden", sagte Löw. Die schwache Leistung sei "kein Grundproblem, sondern war in diesem Spiel so. Wir waren gegen Polen zu wenig Spieler in der Box, über die Außen waren wir mit zu wenig Spielern da", meinte Löw.

Kritisch merkte der Bundestrainer aber die fehlende Durchschlagskraft an, gerade über die Außen - und auch schon mit Blick auf die Zukunft. "Wir müssen in der Ausbildung dahin kommen, dass wir Spieler haben, die auch Eins-gegen-eins spielen können im Tempo", sagte Löw: "Wir haben nicht viele solche Spieler. Wir müssen Laufwege und Kombinationen machen."

Leroy Sane wäre jemand, der diese Qualitäten mitbringt, doch ob Löw den Schalker von Beginn an bringt, darf bezweifelt werden.  

- Nibelungentreue zu Götze und Özil:

"Es gibt keine Trainer-Lieblinge. Ein Trainer hat immer den Blick für das Team, die Leistung und die Situation", sagte Löw auf SPORT1-Nachfrage.

Mesut Özil und Mario Götze seien "hervorragende Passspieler, ich war mit Götze gegen Polen zufrieden. Er ist ein wichtiger Spieler", sagte Löw: "Und Özil wird auch noch kommen. Diese Spieler sind schon weiter herausragend."

Das Spiel gegen Polen hatte, so Löw, "nichts damit zu tun, ob wir mit einer richtigen oder einer falschen Neun spielen. Er denke zwar "über Alternativen und Varianten in der Offensive nach", doch ändern wird er wohl nichts.

Ob Lieblinge oder nicht: Götze und Özil haben bei Löw weiter beste Karten.

- Müllers Durchhänger:

Thomas Müller habe zwar noch keine Torchance gehabt, "das ist ungewöhnlich für ihn, aber er ist weiter ein wichtiger Spieler auf dem Platz", erklärte der Bundestrainer.  "Ich weiß, dass er kommen wird“, ergänzte Löw und betonte: "Mir ist egal, wer die Tore macht."

Schlussfolgerung: Müller soll sich gut erholen, denn am Dienstag gegen Nordirland wird er wieder in der Startelf stehen.

- Außenverteidiger:

Die Außenverteidiger tragen zu wenig zum Offensivpiel bei, vor allem Benedikt Höwedes auf der rechten Seite. Joshua Kimmich wäre eine Option, um mehr Druck nach vorn zu entfachen.

"Veränderungen kann es durchaus geben. Ich mache mir meine Gedanken", sagte Löw. Konkreter wurde er nicht.

Löw lobte zwar Kimmichs Qualitäten ("Er macht einen guten Eindruck. Auf jeder Position hätte ich keine Bedenken, ihn zu bringen."), der Bundestrainer äußerste sich aber auch positiv über Höwedes.

Tendenz: Auch Höwedes wird wieder in der Startelf stehen.

- Taktik:

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"Die Dreierkette ist kein Thema", sagte Löw, machte eine kurze Pause und ergänzte lächelnd: "gegen Nordirland." Ob die Dreierkette in den K.o.-Spielen eine Variante sein kann, wird der Bundestrainer vom Gegner abhängig machen.

Auf die SPORT1-Frage, ob er überlege, Toni Kroos im zentralen offensiven Mittelfeld einzusetzen, sagte der Bundestrainer: "Toni wird gegen Mannschaften wie gegen die Nordiren von Haus aus offensiver agieren. Er ist das richtige Verbindungsglied zwischen Abwehr und Offensive. Für die Spielverlagerung gut von hinten. Die Position, die er vom Raum her einnimmt, ist gut."

Fazit: Die Kritik an der Offensive hat Löw weggelächelt. Er gibt sich sehr gelassen und vertraut weiter auf bewährte Spieler und die bewährte Taktik.

Wenn es aber gegen Nordirland keine klare Leistungssteigerung gibt, wird er sich weiter mit dem Thema beschäftigen müssen.

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