vergrößernverkleinern
Wotan Wilke Möhring ist seit frühester Kindheit glühender Anhänger des BVB © Gettty Images

München - BVB-Fan Wotan Wilke Möhring erklärt im SPORT1-Interview, was ihn an der EM 2016 besonders fasziniert - und warum er weiter ein Faible für Mats Hummels hat.

Wotan Wilke Möhring ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands. Doch die Arbeit vor der Kamera ist nicht die einzige große Leidenschaft des Hamburger Tatort-Kommissars.

Der 49-Jährige ist auch ein glühender Fußball-Fan. Sein Herzensverein: Borussia Dortmund.

Vor dem EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine (So., 21 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Möhring über die DFB-Elf, den BVB und seine Liebe zum Fußball.

SPORT1: Herr Möhring, am Sonntag startet die deutsche Mannschaft in die EM. Wie sehr kribbelt es bei Ihnen?

Wotan Wilke Möhring: Ganz ehrlich? Geht so. Ich bin ein deutlich größerer Vereinsfan als ein Fan von "Die Mannschaft". Und wenn ich sehe, was bei meinem BVB gerade passiert, da muss ich sagen, dass ich es kaum erwarten kann, bis die Bundesliga wieder losgeht mit einem völlig umgekrempelten Kader, der alles verspricht, aber nichts halten muss. Dennoch freue ich mich als Fußball-Fan natürlich auf die EM. Der Sonntag mit dem Auftaktspiel unserer Jungs ist natürlich geblockt und ich springe auf den Zug der Euphorie mit auf.

SPORT1: Wie bereiten Sie sich vor?

Möhring: Ich habe gar nicht so viel Zeit mich da auszustaffieren, weil ich bis zum 3. Juli drehen werde. Bei der WM 2014 habe ich viel mehr geschaut und konnte mich auch besser vorbereiten. Meine Kinder werden bestimmt wieder schwarz-rot-gold geschminkt und ich ziehe mein Deutschland-Trikot an. Und im Film-Team gibt es natürlich eine Tipp-Gemeinschaft.

SPORT1: Wie wurden Sie eigentlich Fußball- und BVB-Fan?

Möhring: Ich bin einer der Jungs, die es nicht mit der Muttermilch bekommen haben, sondern ich musste mich im Ruhrgebiet selbst entscheiden. Natürlich habe ich als kleiner Junge auch auf der Straße gekickt und war insgesamt Fußball-Fan. Durch den Wegzug aus dem Ruhrgebiet ist meine Liebe zum BVB dann ganz stark geworden. 1990 bin ich nach Berlin gezogen und ab da war es um mich geschehen. Dortmund ist mein Klub, weil ich das leidenschaftliche Publikum und die Emotionen in dem Verein sehr mag. Das hat mich immer beeindruckt. Der BVB war für mich immer ein Familien-Ereignis und ich bin in guten, wie in schlechten Tagen dabei.

SPORT1: Was für ein EM-Fantyp sind Sie? Mit Chips und Bier daheim auf der Couch? Oder im Biergarten beim Public Viewing?

Möhring: Sowohl als auch. Gerne in einer großen Gruppe, aber auch ganz entspannt zu Hause. Manche Spiele fangen ja schon früh an - das werde ich leider nicht schaffen. Aber insgesamt wird beim Dreh die EM natürlich in der Gruppe verfolgt. Und für die Deutschland-Spiele wird dafür gesorgt, dass das Team diese schauen kann. Zum Glück bin ich am Set nicht der einzige Fußball-Fan. Das Schöne an so einer EM ist, dass man die typische Spielkultur eines Landes serviert bekommt.

SPORT1: Wie meinen Sie das?

Möhring: Die Bundesliga entwickelt sich doch dahin, dass man immer stärker auf den internationalen Markt zurückgreift und nicht mehr die landestypische Identität zeigen kann. Da verliert sich die typische Spielphilosophie, die man einem Land zuordnen kann. Typisch englisch oder typisch deutsch - das finde ich bei so einem Turnier interessant. Ich bin auch schon sehr gespannt, wie Albanien oder Wales spielen werden.

SPORT1: Welche Rolle wird die deutsche Mannschaft spielen?

Möhring: Als Weltmeister bist du natürlich Topfavorit, aber das nützt nicht viel, weil man erst mal in den Turnier-Modus reinkommen muss. In der Vorrunde kann man sehen, wie sich eine Spielkultur und auch der Kader findet. Sogar Joachim Löw kann jetzt noch gar keine endgültigen Aussagen zur Spielweise treffen. Wenn es aber erst mal losgeht, dann weiß man schnell, wo man steht. Deutschland ist immer gut für einen Titel.

SPORT1: Marco Reus, Ilkay Gündogan und Antonio Rüdiger sind nicht dabei. Mats Hummels fällt zum Start verletzt aus. Ein schlechtes Omen?

Möhring: Das muss nicht sein. Auch In Dortmund wird sich hoffentlich die Spielkultur verändern mit den ganzen jungen Leuten, die geholt wurden. Ich verstehe zum Beispiel die Nibelungen-Treue von Löw zu Bastian Schweinsteiger, denn ihn musst du mitnehmen. Hummels ist für mich noch gefühlter Dortmunder und wird etwas später dazu kommen. Was ich auch ganz spannend finde, ist, dass wir so viele Legionäre bei uns im Team haben. Diese Blockbildung von früher mit Bayern - Dortmund ist weg. Das kann dem Spiel durchaus gut tun.

SPORT1: Können Sie sich als BVB-Fan überhaupt noch freuen über einen möglichen Titelgewinn? Wenn man Hummels noch als BVB-Spieler zählt, sind mit ihm und Julian Weigl nur zwei Dortmunder dabei.

Möhring: Natürlich. Auch, wenn man in unterschiedlichen Vereinen spielt, wollen die Spieler bei einem Turnier etwas zusammen erleben und gewinnen. Das geht über den Bundesliga-Alltag weit hinaus. Wenn am Ende der EM-Pokal geholt wird, dann hat jeder den Bundesadler auf der Brust. Da gibt es keine Bayern und Dortmunder.

SPORT1: Wer ist denn Ihr Lieblingsspieler?

Möhring: Ich mag Hummels sehr und kenne ihn auch ganz gut. Er ist für mich ein Schlüsselspieler, der hinten alles sortiert und eine  grandiose Spieleröffnung machen kann. Ich halte auch viel von Joshua Kimmich.

SPORT1: Welche Rolle kann Mario Götze im Turnier spielen?

Möhring: Für ihn wird es ein ganz wichtiges Turnier, weil er in München deutlich gezeigt bekam, dass er unerwünscht ist. Und aus einem mir unbekannten Grund will er sich da durchbeißen. Woanders könnte er es leichter haben. Seine fehlende Spielpraxis führte dazu, dass seine Wertschätzung und Wahrnehmung deutlich gelitten hat. Ich hoffe, dass er physisch fit ist und Akzente setzen kann. Vielleicht sogar noch mehr als beim goldenen Torschuss bei der WM 2014. Wenn er wieder die Verfassung hat, die er mal hatte, werden Vereine auch wieder um ihn kämpfen.

Video

SPORT1: Der BVB will ihn nicht haben.

Möhring: Wir sind der nette Verein und nehmen auch Spieler zurück, die uns mal verlassen haben. Nuri Sahin und Shinji Kagawa wurden wieder herzlich aufgenommen. Wer einmal schwarz-gelb trägt, der ist kein Feind. Aber bei Götze würde es doch schwieriger werden, weil Teile der Fans ihn nicht mehr lieb haben. Er war willkommen, hat sich dann aber anders entschieden. Natürlich ist er ein grandioser Spieler, aber es ist wie es ist. Leider fehlt mit Reus ein BVB-Spieler, bei dem ich mich auch doppelt gefreut hätte, wenn er trifft. Es ist traurig, wie sein Verletzungspech ihn verfolgt.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel