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Joshua Kimmich jubelt bei seinem EM-Debüt mit den DFB-Kollegen © Imago

Paris - Joshua Kimmich liefert gegen Nordirland ein starkes EM-Debüt ab. Die Kollegen und der Bundestrainer schwärmen vom Bayern-Profi - doch ein Fragezeichen bleibt.

Lange mussten die deutschen Fußball-Fans warten, aber jetzt ist es Wissenschaftlern im Auftrag des DFB offenbar doch endlich gelungen: Das Klonen von Philipp Lahm, an dem spätestens seit Juli 2014 gearbeitet wurde, wurde erfolgreich abgeschlossen!

Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich
Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich © SPORT1-Grafik / Paul Hänel

Diesen Eindruck konnte man zumindest beim 1:0-Erfolg der deutschen Mannschaft im letzten EM-Gruppenspiel gegen Nordirland gewinnen. Auf der rechten Außenbahn spielte da ein junger Mann mit blonden Haaren, der dem deutschen Offensivspiel die dringend benötigten Impulse von seiner Seite gab.

Sein Name: Joshua Kimmich, 21 Jahre alt, Profi in Diensten des FC Bayern. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

Kimmich macht sich rar

Nach den eher schwachen Spielen gegen die Ukraine und vor allem Polen hatten viele Beobachter auf Umstellungen in der Startelf gehofft. Kimmich wurde immer wieder genannt, so richtig daran geglaubt, dass Bundestrainer Joachim Löw den jungen Hüpfer in diesem wichtigen Spiel ins kalte Wasser wirft, hatte kaum einer.

Doch Kimmich spielte sein zweites Länderspiel, als sei es das Normalste der Welt, einen gestandenen Weltmeister wie Benedikt Höwedes aus der Startelf zu verdrängen. "Der Trainer kam vor zwei Tagen und hat mir gesagt, dass er überlegt, mich auf rechts spielen zu lassen", verriet er am ARD-Mikrofon.

Viel mehr gab es von ihm nicht zu hören. Wortlos und lächelnd eilte er durch die Interviewzone des Prinzenpark-Stadions in Paris. Den Abgang wie ein Großer hat er in München schon gelernt.

"Er hat schon ein sehr großes Selbstvertrauen"

Also sprachen vor allem die Kollegen über den Mann des Tages. "Wir haben ihm das zugetraut rechts hinten, weil er einfach unglaublich viele Qualitäten mitbringt", sagte beispielsweise Mats Hummels: "Auch weil er schon ein sehr großes Selbstvertrauen mitbringt."

Das betonte auch Löw. "Ich konnte bei ihm keine Nervosität feststellen, er ist sehr clever und selbstbewusst, war zweikampfstark und hat nach vorne für viel Bewegung gesorgt", lobte der Bundestrainer.

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Vollkommen nervositätsbefreit kurbelte Kimmich beinahe von Beginn an das Spiel an. Er bot interessante Laufwege an, leitete gleich mehrere deutsche Großchancen ein und sorgte durch seine offensive Präsenz dafür, dass die nordirischen Verteidiger ihm Aufmerksamkeit schenken mussten - wodurch Räume für die Kollegen wie Mesut Özil und Thomas Müller entstanden.

Kimmich traf nahezu immer die richtige Entscheidung und spielte den richtigen Pass. Das erinnert verdächtig an Lahm.

Endlich einer für rechts

Auch der debütierte einst bei der EM 2004 im Alter von 21 Jahren bei einem großen Turnier. Mit seinem Rücktritt hat er auf der rechten Abwehrseite eine Lücke hinterlassen, die nie geschlossen werden konnte. Womöglich jetzt durch Kimmich.

Der ist zwar eigentlich gelernter Sechser, hat bei den Bayern aber auch schon als Innenverteidiger und Rechtsverteidiger überzeugt. "Es ist immer gut, wenn man mehrere Positionen spielen kann. Er ist ein super Kerl, hat enorme Qualität und ist immer da, wenn man ihn braucht", schwärmte Mario Götze von Kimmich.

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Thomas Müller brachte es wie immer am prägnantesten auf den Punkt: "Er hat das gespielt, was ich erwartet habe. Ich hatte aber auch hohe Erwartungen."

Sogar Höwedes lobt Kimmich

Sogar vom direkten Konkurrenten um den Stammplatz erntete Kimmich Lob. "Er hat ein klasse Spiel gemacht, hat das Spiel nach vorne absolut belebt. Es war die richtige Entscheidung vom Trainer, die offensivere Variante zu wählen", sagte Benedikt Höwedes.

Ein Fragezeichen bleibt aber nach dem Spiel gegen die offensiv vollkommen abwesenden Nordiren: Defensiv musste Kimmich keinerlei Prüfungen bestehen.

Die endgültige Überprüfung des Lahm-Klons steht also noch aus.

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