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Joachim Löw setzt bei der Nationalmannschaft auf fünf Bayern-Spieler
Joachim Löw setzt bei der Nationalmannschaft auf fünf Bayern-Spieler © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann

Ascona - Bei der EM setzt Joachim Löw auf einen Bayern-Block und so viele Ausland-Profis wie noch nie unter seiner Regie. SPORT1-Experte Thomas Berthold ist zwiegespalten.

Ein Blick auf den endgültigen EM-Kader der deutschen Nationalmannschaft offenbart zwei große Blöcke: Vor allem die Spieler des FC Bayern und die sogenannten Legionäre sollen das DFB-Team in Frankreich zum Titel führen.

Fünf aktuelle Spieler des Doublegewinners Bayern befinden sich im Kader von Bundestrainer Joachim Löw. Hinzu kommen ehemalige Spieler wie Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Lukas Podolski und Emre Can oder künftige wie Mats Hummels.

Und: Mit gleich zehn im Ausland tätigen Profis setzt Löw auf so viele Legionäre wie bislang noch nie unter seiner Regie.

"Schmelzer hätte man mitnehmen können"

Für SPORT1-Experte Thomas Berthold ist der Status Quo wenig verwunderlich und "legitim".

"Wenn man ehrlich ist, sind nur die Bayern über Jahre hinweg auf höchstem internationalen Niveau erfolgreich. Es ist verständlich, dass der Bundestrainer das berücksichtigt", erklärte Berthold.

Er schränkt aber auch ein: "Auf einigen Positionen und bei einigen Spielern kann man bei der Nominierung geteilter Meinung sein. Einen Marcel Schmelzer etwa hätte man durchaus mitnehmen können, gerade bei der Vakanz auf den Außenbahnen."

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Hinter Bayern klafft eine Lücke

Auch einen Gonzalo Castro, Sven Bender oder Matthias Ginter hätte Löw von Borussia Dortmund durchaus berücksichtigen können. Hat er aber nicht. Hat Löw etwas gegen den Vizemeister BVB? Fakt ist: Nur der junge Julian Weigl hat den Sprung auf den EM-Zug geschafft. Und Hummels, der künftig für den FC Bayern spielt.

Ähnlich geht es dem Bundesligadritten Bayer Leverkusen, von dem lediglich Ersatztorhüter Bernd Leno dabei ist.

Spieler von Borussia Mönchengladbach finden sich überhaupt nicht im Kader.

Immerhin zwei Teilnehmer stellen Schalke 04 mit Benedikt Höwedes und dem jungen Leroy Sane sowie der VfL Wolfsburg mit Julian Draxler und Andre Schürrle. Obwohl beide Klubs in dieser Saison nicht überzeugten.

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Löw setzt auf zehn Legionäre

Grundsätzlich entpuppt sich das DFB-Team aber vor allem als FC Bayern Deutschland verstärkt durch eine starke Legionärsgruppe.

Bei seinem ersten Turnier als Bundestrainer 2008 hatte Löw ein im Ausland tätiges Trio berücksichtigt, zwei Jahre später bei der WM in Südafrika stand gar kein Legionär im Kader. 2012 waren es vier, beim WM-Titel in Brasilien sieben.

Diesmal greift Löw auf zehn Legionäre zurück.

Aus vier internationalen Ligen

Toni Kroos gewann am Samstag mit Real Madrid die Champions League. Auch Shkodran Mustafi beim FC Valencia und Marc-Andre ter Stegen beim FC Barcelona agieren in der spanischen Primera Division und damit in der derzeit stärksten Liga.

Mit Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger und Emre Can kommt ein Trio aus der englischen Premier League. Sami Khedira (Juventus Turin) und Antonio Rüdiger (AS Rom) verdienen ihr Geld in Italien.

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Mario Gomez und Lukas Podolski spielten eine erfolgreiche Saison in der Türkei, wurden mit ihren Istanbuler Klubs Besiktas und Galatasaray Meister und Pokalsieger.

Künftig könnten es sogar noch mehr Ausland-Profis werden im Kreis des DFB-Teams. Sane ist international heiß begehrt, Mario Götze wurde von Löw vor einiger Zeit durchaus ein Wechsel ins Ausland nahe gelegt.

Gomez sieht darin kein Problem. "Wir haben genügend Zeit, um uns in den Trainingseinheiten aufeinander einzustellen", sagte der Stürmer auf der Pressekonferenz in Ascona.

"Davon profitiert die Nationalmannschaft"

"Große Turniere sind immer auch ein Indikator für den Markt. Natürlich ist das Prädikat Weltmeister auch im Ausland begehrt", sieht Berthold Auswirkungen des WM-Titels 2014.

Beim WM-Titel 1990 war Berthold selbst in Italien aktiv und einer von acht Legionären im DFB-Team. Mehr waren es bislang nie in einem deutschen Turnieraufgebot.

Berthold sieht in den Legionären durchaus Vorteile für das DFB-Team: "Wenn du in den großen, wettbewerbsfähigen internationalen Ligen tätig bist, bringt dich das als Spieler weiter. Davon profitiert letztlich auch die Nationalmannschaft."

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