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Evian-les-Bains - Vor dem Duell mit Polen wirft Bundestrainer Joachim Löw mit einer ausgefallenen Leibchen-Wahl im Training gleich mehrere personelle Fragen auf. SPORT1 gibt einen Überblick.

Joachim Löw ist mit allen Wassern gewaschen. Er ist ein Trainerfuchs, der Journalisten und Gegner gern mal auf eine falsche Fährte führt.

Am Dienstagnachmittag ließ Löw in Evian beim Trainingsspiel rote und blaue Leibchen verteilen. Rot trugen Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Jonas Hector und Mats Hummels.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

Auch Sami Khedira und Toni Kroos hatten rote Trainingsshirts an, genau wie Thomas Müller und: Andre Schürrle. Ob der Wolfsburger, der beim 2:0 gegen die Ukraine eingewechselt wurde, und Hummels am Donnerstag gegen Polen in der Startelf stehen, darüber wird heiß diskutiert.

Genau, wie über die Frage, wer im Sturm spielen wird: Mario Götze oder Mario Gomez? SPORT1 nennt Varianten in Löws Aufstellungs-Puzzle.

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- ABWEHR:

Hummels spielte am Dienstag in der Viererkette, Shkodran Mustafi gehörte zur gegnerischen Mannschaft - es war eine Steilvorlage für Spekulationen: Kehrt Hummels nach seinem Muskelfaserriss schon gegen Polen zurück? Muss sein Stellvertreter trotz einer ordentlichen Leistung auf die Bank? Oder war es nur ein Täuschungsmanöver des Bundestrainers?

Die Antwort auf alle drei Fragen ist wahrscheinlich ein "Nein".

Hummels ist zwar wieder voll im Mannschaftstraining und nach eigener Aussage bereit für sein Comeback. Aber der Bundestrainer wird das Risiko wohl kaum eingehen, ihn ohne Spielpraxis in solch einem wichtigen und schwierigen Spiel von Beginn an einzusetzen. Wahrscheinlicher ist, dass Mustafi wieder neben Boateng spielt und Höwedes weiter rechts verteidigt.

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Es war kein Täuschungsmanöver von Löw. Der Bundestrainer weiß, dass jede Minute, die Hummels neben Boateng Spielpraxis sammeln kann, wichtig ist.

Joshua Kimmich, der kein Leibchen trug, wird wohl weiter auf seine Chance warten müssen. Der Münchner wäre mit seinen gegenüber Höwedes größeren offensiven Talenten sicher eine gute Alternative gegen defensive Mannschaften. Dass Löw ihn aber ausgerechnet gegen Polen mit ihren gefährlichen Offensivspielern bringt, ist nicht anzunehmen.

- MITTELFELD:

Kroos, Khedira und Müller sind gesetzt, genau wie Özil. Schürrles Chancen auf einen Platz in der Startelf stehen nicht schlecht. Gegen die Ukraine sorgte der Edeljoker nach seiner Einwechslung für frischen Wind, er war auffälliger als Julian Draxler, der zwar ordentlich gespielt, aber seinen Startplatz nicht gefestigt hat.

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Im Training spielte Draxler nicht in der B-Elf, sondern trug ein blaues Leibchen und diente als Anspielstation für beide Mannschaften. Genau wie Mesut Özil und Mario Götze.

- STURM:

Hier gab das Training am Dienstag, wenn überhaupt, dann nur einen kleinen Hinweis auf die mögliche Aufstellung: Weder Götze noch Gomez trugen rote Hemden über ihren Trainingstrikots.

Gegen die Ukraine war von Götze kaum etwas zu sehen, Gomez blieb dennoch 90 Minuten lang auf der Bank. Wer von beiden gegen Polen spielen wird, ist die Frage, über die Fans und Experten rätseln.

Berücksichtigt man die aktuelle Form, müsste die Antwort Gomez heißen. Blickt man aber in die Vergangenheit, hat Götze klare Vorteile: Bei den vergangenen vier Turnieren, also seit der Europameisterschaft 2008, hat Löw nach dem ersten Spiel seine Startelf nicht ein einziges Mal verändert.

Doch wer weiß, vielleicht zaubert Löw ja doch noch eine Überraschung aus dem Hut. Lukas Podolski ist gegen sein Geburtsland hoch motiviert, schoss bei der EM 2008 beim 2:0 gegen Polen beide Tore. Und dass er gut drauf ist, hat Podolski am Dienstag bewiesen, als er sich auf der Pressekonferenz mit dem Bundestrainer solidarisierte. Vielleicht bekommt er als Belohnung ja einen Platz in der Startelf.

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