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Thomas Helmer lobt in seiner Kolumne Julian Draxler und Mario Gomez © SPORT1-Grafik/Getty Images

Thomas Helmer lobt in seiner SPORT1-Kolumne die deutschen Matchwinner gegen die Slowakei und glaubt, dass die Leistung den Rivalen Respekt einflößt.

Hallo Fußball-Freunde,

das war ein souveräner Sieg der deutschen Mannschaft, ich hatte aber gegen einen Gegner wie die Slowakei auch nichts anderes erwartet.

Dabei hat mich unsere Defensivarbeit einmal mehr beeindruckt. Boateng, Hummels und dahinter Neuer sind schon das Beste, was es bei der EM gibt. Da passt es ins Bild, dass ein erneut überzeugender Boateng das Team mit seinem Treffer auch noch auf die Siegerstraße geschossen hat. 

Auch der zweite Torschütze Mario Gomez gehört bisher zu den Gewinnern. Er hat das Vertrauen von Joachim Löw vollkommen gerechtfertigt.

Ich bin froh, dass wir wieder einen torgefährlichen Mittelstürmer haben. Mario fühlt sich auf dieser Position im Gegensatz zu Götze oder Müller wohl. Die wollen lieber vorne rumwuseln und brauchen Mario als Prellbock.

Der größte Gewinner des Abends war allerdings Julian Draxler. Ich musste etwas schmunzeln, weil wir ihn vorher im Doppelpass kritisiert hatten, weil er seine Chance bisher nicht genutzt hatte. Das hat letzte Woche schon bei Özil geklappt, der dann gegen Nordirland ein sehr gutes Spiel gemacht hat.

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Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einen Kritik von außen nicht kalt lässt, weil man sie immer über Freunde, Familie oder Mitspieler mitbekommt. Aber bislang scheint es ja motivationsfördernd zu wirken, wenn man die Jungs etwas bei der Ehre packt.

Bei Draxler wurde es aber auch Zeit, dass er in der Nationalmannschaft eine solche Leistung zeigt. Mario Götze ist dadurch der Verlierer des Slowakei-Spiels. Er hatte sich eigentlich gut in das Turnier reingekämpft, nach der Leistung von Draxler dürfte er jedoch vorerst nicht mehr erste Wahl sein.

Letztlich war die Slowakei aber kein Maßstab, das hat Jogi Löw selber klar gesagt. Trotzdem flößt ein so klarer Sieg natürlich jedem Gegner Respekt ein.

Ob Spanien oder Italien für uns im Viertelfinale besser wären, da bin ich unentschlossen. Die einen sind spielerisch stärker, die anderen wissen einfach, wie man solche K.o.-Spiele bestreitet. Vielleicht sind die Italiener daher unangenehmer, gegen die spielstarken Spanier ergeben sich möglicherweise mehr Chancen. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass unsere schlechte Turnierbilanz gegen beide eine Rolle spielen wird.

Unsere Mannschaft hat einen Tag mehr Pause, das ist sicher ein Vorteil. Vielleicht sollte Löw im Training nochmal an den Standards arbeiten, die können in so einem engen Spiel entscheidend sein. Und Thomas Müller muss langsam seine Tor-Allergie ablegen. Dann wären wir noch unberechenbarer.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Thomas Helmer

Ex-Nationalspieler Thomas Helmer gewann als Abwehrchef 1996 in England mit der DFB-Auswahl den bislang letzten EM-Titel. Während der Europameisterschaft in Frankreich moderiert der frühere Kapitän von Bayern München den EM Doppelpass und analysiert die deutschen Spiele in seiner SPORT1-Kolumne.

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