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München - Peter Neururer übt im EM Doppelpass deutliche Kritik an Bundestrainer Joachim Löw. Er moniert die Kaderzusammenstellung und die Taktik gegen Frankreich.

Das deutsche Ausscheiden gegen Frankreich im EM-Halbfinale - pures Pech oder auch das Resultat taktischer Fehler von Joachim Löw?

Letzteres, findet SPORT1-Experte Peter Neururer. Und hat im EM Doppelpass deutliche Kritik am Bundestrainer geübt.

"Im Großen machen Kleinigkeiten eine Menge aus", sagte der langjährige Bundesliga-Trainer - und kam zum Schluss: "Wir haben ganz entscheidende Fehler gemacht."

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"Löw hat sich im Vorfeld beschnitten"

Fehler 1: die Kaderzusammenstellung.

"Löw hat sich im Vorfeld beschnitten mit der Auswahl der Spieler, die er mitgenommen hat", befand Neururer: "Marcel Schmelzer ist der einzige deutsche Linksverteidiger, der internationale Klasse in dieser Saison gezeigt hat: Warum kommt der nicht mit?"

Jonas Hector, der bei der EM die Rolle übernahm habe seine Sache "ordentlich gelöst, aber er hat beim 1. FC Köln meistens auf der Sechs gespielt. Ob das wirklich richtig war?"

Falsche Taktik gegen Frankreich

Fehler 2: die Taktik gegen Frankreich.

Neururer: "Wenn ich einer Mannschaft sage, wir sind so stark und schlagen die Franzosen im eigenen Land, ihr dann aber einen weiteren Defensivspieler einbaue: Was flüstere ich der Mannschaft damit ein? Kein Selbstbewusstsein."

Die Franzosen hätten "Problemen im hinteren Bereich". Die für Neururer logische Konsequenz: "Da muss ich vorderen Drittel Stärke präsentieren und kann nicht einen Offensivspieler weniger aufstellen."

Neururer ist sicher: "Hätten wir einen weiteren Eins-gegen-eins-Spieler aufgestellt, hätten die Franzosen sich nicht zurückziehen können und hätten Probleme bekommen. Haben sie aber nicht."

Trotz Kritik: Löw steht "nicht in Frage"

Neururer wunderte sich, warum Löw Schalkes Leroy Sane diese Chance nicht gab: "Wenn ich ihn mitnehme, muss ich ihn auch bringen. Sonst kann ich ihn auch zu Hause lassen."

Trotz dieser ausführlichen Kritik betonte Neururer: "Wir sind Weltmeister, das kann man nicht oft genug betonen. Joachim Löw hat einen großartigen Anteil daran, deswegen sollte man ihn nicht in Frage stellen."

Und: "Wir analysieren im Nachhinein. Löw hatte den Nachteil, das alles vorher wissen zu müssen."

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