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Lukas Podolski gibt seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Der 31-Jährige erklärt: Er will sich künftig verstärkt anderen Dingen widmen.

Lukas Podolski hat sich ein schönes Abschiedsbild ausgesucht:

Schnappschüsse von ihm als kleiner Knirps während der WM 1990, als Jung-Nationalspieler 2004 und als Weltmeister 2014, als er in Maracana gemeinsam mit seinem Sohn Louis den golden WM-Pokal küsst, sind auf der Foto-Collage zu bewundern, die der 31-Jährige in den sozialen Netzwerken über seine Rücktrittserklärung gestellt hat.

Nach zwölf Jahren, sieben Welt- und Europameisterschaften und insgesamt 129 Länderspielen hat der 31-Jährige am Montag seinen Abschied aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verkündet.

"Mehr, als ich mir erträumen konnte"

"Für mich ist dieser Abschied sehr emotional. Ich bin stolz darauf, was ich mit dem DFB erleben durfte. Nichts kann mir ersetzen, was mir die Zeit mit dem DFB-Team an Freude, Leidenschaft und Zusammenhalt gegeben hat", schrieb Podolski über sein persönliches Fußballmärchen, "vom zweijährigen polnischen Jungen, der quasi nur mit einem Ball unter dem Arm nach Deutschland kam, zum Weltmeister - das ist mehr, als ich mir erträumen konnte." 

Zuvor hatte der Kölner, der zurzeit noch beim türkischen Pokalsieger Galatasaray Istanbul unter Vertrag steht, Joachim Löw über seinen Schritt informiert.

"Ich habe dem Bundestrainer gesagt, dass ich ab sofort nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen werde. Ich trete kürzer und widme mich mehr anderen Dingen. Am meisten natürlich meiner Familie", schrieb Podolski, der während der EM-Vorbereitung zum zweiten Mal Vater geworden war.

Zweieinhalb Wochen nach dem Rücktritt von Kapitän Bastian Schweinsteiger beendete somit auch dessen bester Kumpel das Kapitel Nationalmannschaft.

"Lukas ist ein Vorbild für Professionalität"

"Lukas war genauso wie Basti immer eine feste Größe für mich. Auf ihn war und ist Verlass, bei aller Lockerheit und Leichtigkeit, für die er steht, ist er ein Vorbild an Professionalität und Einstellung, dem Erfolg hat er immer alles untergeordnet, auch sich selbst", kommentierte Löw die Entscheidung Podolskis.

"Danke und tschö, Poldi!", verabschiedete Teammanager Oliver Bierhoff einen der wenigen deutschen Kultspieler auf dfb.de: "Mit Poldi verliert die Nationalmannschaft einen leidenschaftlichen Fußballer und riesigen Sympathieträger, der uns und den Fans im Nationaltrikot fehlen wird."

Der Spaß-Fußballer und Publikumsliebling Podolski hatte zuvor die Konsequenzen aus zuletzt vier enttäuschenden Jahren in der Nationalmannschaft, der er in Jahren zuvor ein Gesicht gegeben hatte, gezogen.

Dabei hatte Podolski noch nach dem Halbfinal-Aus bei der EM gegen Frankreich (0:2) versichert, "auf jeden Fall" weitermachen zu wollen. 39 Tage später kam es anders.

Zuletzt nur noch Ersatz und Stimmungsmacher

Podolski erspart sich somit wohl einen Zwangs-Abschied. Zwar schätzt Löw ihn sehr. Doch seit 2012 ist Podolski im DFB-Team allenfalls Ergänzungsspieler, gerade auf seiner Position drängen zahlreiche Jungstars nach, bei seiner Nominierung für die EURO in Frankreich wurde er als Gute-Laune-Onkel und Maskottchen bezeichnet.

Letztes verbat sich Podolski, er bezeichnete es als "respektlos". Dass er mehr sein konnte, bewies er bei der EM aber nicht. Er wurde von den Fans gefordert und gefeiert. Nur gespielt hat er kaum. Weitere Nominierungen Podolskis wären bei allen Verdiensten nur noch schwer zu rechtfertigen gewesen.

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Seit er bei der EM 2012 nach der Vorrunde aus dem Team gerutscht ist, kam Podolski zwar noch in 30 Länderspielen zum Einsatz. Aber nur zweimal über 90 Minuten: Einmal beim 3:4 gegen den Gastgeber auf der US-Reise 2013, als die Spieler von Bayern München und Borussia Dortmund fehlten. Und einmal 2014 beim 4:0 gegen Fußball-Zwerg Gibraltar. Und er erzielte nur noch vier Tore: Zwei gegen Ecuador, eines gegen Armenien, eines gegen Australien.

53 Minuten bei der WM 2014, 18 Minuten bei der EM 2016

Wenn es galt, waren andere gefragt: Bei der WM 2014 kam er in zwei Spielen 53 Minuten zum Einsatz, bei der EURO in diesem Sommer gar nur für 18 Minuten gegen die Slowakei (3:0). 
Doch "Prinz Poldi" wird als Gesicht der Nationalmannschaft in Erinnerung bleiben.

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Seit der EM 2004 war er bei allen sieben Turnieren dabei. Er belegt mit 129 Länderspielen Rang drei der ewigen Länderspielliste hinter Lothar Matthäus (150) und Miroslav Klose (137) und mit 48 Toren Rang vier hinter Klose (71), Gerd Müller (62) und dem ehemaligen DDR-Torjäger Joachim Streich (55).

Am Montag beendete er seine DFB-Karriere mit Stil: "Es war mir eine Ehre! Eure Nummer 10 Poldi."

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