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München - Weltmeister Sami Khedira kämpft mit Ilkay Gündogan um einen Platz im DFB-Mittelfeld. Der Juve-Profi liefert in der WM-Quali Jogi Löw Argumente für sich.

Dass 180 sportlich relativ belanglose DFB-Minuten gegen zweitklassige Gegner für den 67-fachen Nationalspieler, Weltmeister und dreifachen Landesmeister Sami Khedira noch einmal wichtig werden würden, das war so auch nicht abzusehen.

Dass es jetzt zu dieser Situation wirklich kam, lag nicht nur am 29-jährigen Profi von Juventus Turin, sondern vielmehr auch an dessen 25-jährigem Herausforderer Ilkay Gündogan, der sich nach langer Verletzungspause durch gute Leistungen bei Manchester City nachhaltig um den Platz im DFB-Mittelfeld neben Toni Kroos beworben hatte.

Doch nach den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Tschechien und Nordirland stehen 180 Khedira-Minuten, bei denen der Ex-Stuttgarter sogar bereits vergessen geglaubte Torjägerqualitäten im Nationaltrikot bewies, gerade einmal 59 Spielminuten Gündogans gegenüber.

Der England-Legionär konnte entgegen der Voraussagen vieler in den zwei Spielen somit kaum Eigenwerbung für sich betreiben.

Platzhirsch Khedira liefert Argumente

Ganz im Gegensatz zu Khedira: "Ich weiß, wie Fußball und Erfolg funktioniert und bin da relativ entspannt", sagte der Titelhamster nach dem Spiel in Richtung des einmaligen deutschen Meisters und Pokalsiegers Gündogan.

Die Diskussion nerve ihn nicht, so Khedira weiter, dessen Statement sich wie ein Bewerbungsschreiben in eigener Sache liest: "Der Bundestrainer hat sich für die Mannschaft entschieden und das hat sehr gut funktioniert. Es gibt dann auch wenig Gründe, zu wechseln. Die Achse kennt sich schon lange, das ist ein Grund, warum wir so überzeugend auftreten."

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Selbstbewusste Worte, die beim Kontrahenten aber überraschend gut ankommen: "Ich erlebe den Konkurrenzkampf sehr positiv", erklärte Gündogan bei SPORT1. Er freue sich jetzt, "erst einmal wieder dabei zu sein".

Gutes Verhältnis abseits des Platzes

Den Anspruch Khediras auf den Platz im zentralen Mittelfeld finde er zudem "schön, so soll es ja auch sein. Wir verstehen uns gut und gönnen es dem anderen", meinte Gündogan zum Verhältnis der beiden abseits des Platzes. (Alle Stimmen zum Spiel)

Dennoch dürfte auch der 30-Millionen-Mann gesehen haben, dass Khedira die Länderspiele wie kein Zweiter für sich zu nutzen wusste: Für Bundestrainer Joachim Löw sowie TV-Experte Jens Lehmann war der Schwabe gegen Nordirland gar Spieler des Spiels.

136 Ballaktionen, 91 Prozent Passquote und 57 überspielte Gegner sind Topwerte, dazu kommt noch sein Tor: "Sami ist ein guter Mannschaftsspieler, der sieht, wo er die Räume schließen muss. Und er geht mit in die Spitze, was beim Gegner Unordnung stiftet", erklärte Löw, für den der Balance- und Taktgeber Khedira nach den letzten Eindrücken unverzichtbar scheint.

Khedira und Gündogan im Verbund?

Oder geht es doch mit beiden zusammen? Mit Mesut Özil, Mario Götze und Toni Kroos sind weitere Konstellationen problemlos denkbar: Gündogan weiter vorne (wie gegen Nordirland), Özil weiter hinten, Khedira und Gündogan defensiv zusammen oder sogar Toni Kroos weiter vorne. Alles Variationen, die der Bundestrainer Löw schon ausprobiert hat und in Zukunft womöglich auch noch öfter wird.

Diese Hoffnung scheint auch Herausforderer Gündogan zu haben, der sich nun aber erst einmal hinter Platzhirsch Khedira anstellen muss: "Missgunst wäre da sicher nicht förderlich. Wir verstehen uns auch zusammen auf dem Platz."

Auch wenn die beiden Spiele nun gezeigt haben, dass es zumindest in der Qualifikation auch ohne Gündogan geht, so ist das Überangebot im zentralen Mittelfeld vor allem für Löw ein Glücksfall, wie auch Khedira erkennt: "Der Trainer hat nun viele Varianten, die Konstellation zwischen den Spielern muss passen. Aber da hat er ja eigentlich immer ein glückliches Händchen bewiesen."

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