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Das DFB-Team erhält am Montag erstmals eine Privataudienz beim Oberhaupt der katholischen Kirche. Mario Götze begegnet Franziskus aus gutem Grund mit einem leicht mulmigen Gefühl.

Rund eine Dreiviertelstunde wird sie dauern. Am Montagmorgen gegen 9 Uhr gewährt Papst Franziskus der deutschen Nationalmannschaft eine Privataudienz im Vatikan.

"Das ist für jeden Spieler und uns alle eine außergewöhnliche Sache", sagte Bundestrainer Joachim Löw über den ersten Besuch einer DFB-Auswahl beim Oberhaupt der katholischen Kirche. "Wir fühlen uns überaus geehrt", erklärte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff.

Wie genau die Visite bei Jorge Mario Bergoglio vor sich gehen wird, der im Frühjahr 2013 als Franziskus den emeritierten Benedikt XVI. beerbt hatte, war den Spielern nach dem 8:0 im WM-Qualifikationsspiel in San Marino noch nicht klar.

Hummels: "Besuch wird beeindruckend sein"

"Wir werden schick angezogen sein, da gibt es einen klaren Dresscode", kündigte Mats Hummels im Gespräch mit SPORT1 an. 

"Ansonsten habe ich aber noch kein klares Bild davon, wie das genau abläuft. Ich freue mich aber sehr darauf, weil ich glaube, dass das sehr beeindruckend sein und Erinnerungen für eine lange Zeit hinterlassen wird."

Er verspüre eine "gewisse Vorfreude und Nervosität", meinte der Münchner, der sich selbst als Religionen gegenüber durchaus aufgeschlossener Atheist bezeichnet.

Franziskus steht für modernere Kirche

Dass Franziskus eine neue Unvoreingenommenheit hinsichtlich Andersdenkender und –fühlender in den Klerus eingebracht hat, gefällt daher auch ihm: 

"Ich kenne seine Art und finde es sehr gut, dass er sehr offen auch anderen Religionen gegenüber ist. Man hat das Gefühl, dass er der Erste ist, der sich in viele Richtungen Gedanken macht und dafür auch offen ist."

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Bei Themen wie der Rolle der Frau in der Kirche, der Abtreibung, dem Umgang mit Homosexuellen oder der Akzeptanz von Geschiedenen vertritt Franziskus eine deutlich modernere Linie als für den Katholizismus bis dahin üblich.

Papst ist bekennender Fußballfan

Der Papst stehe für Frieden, Nächstenliebe und Menschlichkeit, erklärte Hummels der Bild. "Deshalb habe ich ein sehr gutes Bild von ihm, wenn auch bislang noch kein besonders ausgeprägtes."

Dass Franziskus sehr fußballaffin ist, ist hinlänglich bekannt. Der 79-Jährige ist bekennender Fan und Mitglied des argentinischen Erstligisten Club Atlético San Lorenzode Almagro aus Buenos Aires.

Der Papst dürfte also auch nicht vergessen haben, dass Mario Götze die Auswahl seines Heimatlandes im WM-Finale 2014 empfindlich getroffen hat.

Götze steht im Fokus

"Ich hoffe, er reißt mir den Kopf nicht ab", meint der Dortmunder lakonisch. In der Mannschaft wird zumindest ein launiger Spruch von Franziskus zu diesem Thema erwartet – oder noch mehr. "Vielleicht zieht er bei Mario ja die Hand weg", scherzt Hummels.

Das könnte jedoch auch ihm selbst und seinen Bayern-Kollegen passieren, denn der Papst ist Ehrenmitglied der Münchner Löwen.

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Für tiefergehende Gespräche wird die begrenzte Zeit der Privataudienz so oder so nicht reichen. Die Nationalspieler werden gleich im Anschluss zum Flughafen Fiumicino gefahren. Von dort hebt um 11.15 Uhr der Flieger nach Mailand ab.

Im Giuseppe-Meazza-Stadion steigt am Dienstag (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) der Länderspielklassiker gegen Italien.

Der Papstbesuch ist dann bereits – womöglich bleibende - Erinnerung.

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