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Jürgen Klinsmann führte die deutsche Nationalmannschaft 1996 als Kapitän zum EM-Titel
Jürgen Klinsmann führte die deutsche Nationalmannschaft 1996 als Kapitän zum EM-Titel © Getty Images

Große Ehre für Jürgen Klinsmann: Der Weltmeister von 1990 wird vom DFB zum Ehrenspielführer ernannt. Diese Ehre wurde zuvor nur vier Spielern zuteil.

Erst "Diver", dann "Flipper" - jetzt Ikone: Jürgen Klinsmann steht seit Donnerstag in einer Reihe mit Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus.

Der Welt- und Europameister (1990 und 1996) wurde beim Festakt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum fünften Ehrenspielführer der Nationalmannschaft ernannt. Die Laudatio auf den 52-Jährigen im Erfurter Theater hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

"Er war ein Riesenspieler, eine Legende des Fußballs. Er hat für den deutschen und den internationalen Fußball sehr viel getan", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino: "Es ist sicher eine riesige Ehre für ihn - die aber absolut verdient ist."

"Der Fußball hat mir in meinem Leben ungeheuer viel gegeben, die Nationalmannschaft war immer etwas ganz Besonderes und eine Konstante für mich", sagte Klinsmann: "Sie hat mir unvergessliche Momente, Begegnungen und Freundschaften ermöglicht. Ich war immer stolz darauf, den DFB und dieses Land zu repräsentieren - und ich bin jetzt ganz besonders stolz auf diese Auszeichnung."

In der thüringischen Landeshauptstadt war der inzwischen in den USA lebende Klinsmann wieder "zu Gast bei Freunden" - damals das Motto der WM 2006 im eigenen Land, als der 108-malige Nationalspieler (47 Tore) - 36 Länderspiele bestritt er als Kapitän - in seiner Rolle als Bundestrainer zu einem der Protagonisten des Sommermärchens aufstieg.

Geholt als Retter

Nach der katastrophalen EM-Endrunde 2004 war der frühere Weltklassestürmer angetreten, um den deutschen Fußball wieder auf die Beine zu helfen. Der gebürtige Göppinger kam als Revolutionär.

Der damalige Trainer-Novize begann bei den Grundlagen, er importierte Trainingsmethoden aus den USA, die danach Maßstäbe setzten. Er widersetzte sich dem Gegenwind der Alteingesessenen.

Der Erfolg gab Klinsmann recht. Deutschland spielte plötzlich frischen Fußball, Klinsmann war der Motivator ("Capitano!"), der heutige Bundestrainer Joachim Löw der Taktiker im Hintergrund.

Nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien (0:2 n.V.) in Dortmund flossen Tränen, fünf Tage später während der Fanfeier vor dem Brandenburger Tor in Berlin sagten über 150.000 Menschen "Danke". Danach trat Klinsmann zurück.

Beim FC Bayern gescheitert

Als "Klinsi" zwei Jahre später auch den großen FC Bayern modernisieren sollte, stieß der Coach jedoch an seine Grenzen. Trotz oder gerade auch wegen kurioser Neuerungen wie zahlreichen Buddha-Figuren scheiterte die Mission spektakulär. Klinsmann wurde entlassen - und die Kritiker, die ihm immer die taktischen Fähigkeiten abgesprochen hatten, sahen sich doch noch bestätigt.

In Übersee widerlegte er aber alle Kritik nachhaltig. Klinsmann übertreibt als US-Nationalcoach nicht, wenn er vom Wachstum schwärmt.

"Er verdient diese Auszeichnung nicht in erster Linie für das, was er als US-Nationaltrainer leistet, sondern für all das, was er für den deutschen Fußball geleistet hat. Das ist aller Ehren wert und rechtfertigt die Auszeichnung", so DFL-Präsident Reinhard Rauball.

Mehr Fans als jemals zuvor verfolgten in den USA die WM 2014 am Fernseher. Und mittlerweile traut sich der Schwabe sogar, den Amerikanern etwas mehr als nur Demut gegenüber den großen Fußballnationen zu vermitteln - auch wenn bei der WM-Endrunde in Brasilien das Aus im Achtelfinale gegen Belgien kam.

Vor seiner Trainerlaufbahn begeisterte der Blondschopf die Fans in ganz Europa auf dem Rasen. Der Torjäger startete seine Karriere bei den Stuttgarter Kickers (1981 bis 1984), wechselt dann zum Stadtrivalen VfB (1984 bis 1989).

Viele Stationen im Ausland

Anschließend folgte der große Karrieresprung, der ihn zu Inter Mailand in die italienische Serie A führte (1989 bis 1992). Danach spielte Klinsmann noch für den AS Monaco, Tottenham Hotspur, Bayern München und Sampdoria Genua.

Dabei sammelte der Bäcker-Sohn mit seinen Klubs allerdings nicht allzu viele Titel (UEFA-Cup-Sieger und deutscher Meister) - sondern eher Spitznamen. Bei Tottenham wurde er wegen seiner angeblichen Fallsucht im Straftraum zum "Diver", bei den Bayern wegen seiner technischen Schwächen zum "Flipper".

Dennoch gewann Klinsmann in Deutschlands und England die Wahl zum Fußballer des Jahres. 1988 wurde Klinsmann Bundesliga-Torschützenkönig, im selben Jahr holte er mit dem deutschen Olympia-Team Bronze in Südkorea.

Die Höhepunkte seiner Karriere waren der WM-Sieg 1990 in Rom und der EM-Triumph 1996 im Londoner Wembleystadion - damals als Kapitän. Zwei Jahre später beendete Klinsmann seine aktive Laufbahn in der Nationalmannschaft.

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