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Das Qualispiel gegen San Marino und der Test gegen Italien geben Joachim Löw Gelegenheit, Talente zu testen © SPORT1/Getty Images

Das Testspiel in Italien heizt die Debatte um die hohe Belastung an. SPORT1-Reporter Martin van de Flierdt sieht aber auch einen wertvollen Nutzen für die Bundesliga.

Um die aktuelle Debatte um Sinn und Unsinn der Novembertestspiele der deutschen Nationalmannschaft in Relation zu setzen, sei noch einmal kurz an das Vorjahr erinnert.

Da hatten die Terroranschläge von Paris mit dem Stade de France als einem der betroffenen Orte die Welt in Atem gehalten. In ihrem Nachgang wurde auch das folgende Spiel in Hannover gegen die Niederlande kurzfristig abgesagt.

Dass es derzeit wieder um die Frage der Überlastung der DFB-Kicker geht, ist also erst einmal ein gutes Zeichen.

Natürlich kann man die Ansicht von Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nachvollziehen, dem es ein Dorn im Auge ist, dass die Besten seines Klubs (und übrigens auch der anderen) in der zweiten Jahreshälfte mehrfach aus dem Vereinsbetrieb genommen werden.

Schließlich stehen mit den englischen Wochen für die Europapokalteilnehmer wirtschaftlich ungemein wichtige Partien an, mit deren Bedeutung die Partien in San Marino und Italien nicht mithalten können.

Unzweifelhaft ist auch Thomas Müllers Ansicht, das Programm für die Nationalspieler sei "massiv, und das schon seit Jahren".

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Nur sei in diesem Zusammenhang explizit darauf hingewiesen, dass die großen Vereine mit ihren lukrativen, aber auch strapaziösen Testspielreisen in der Saisonvorbereitung zur Belastungssumme der Spitzenspieler beigetragen haben, die sie jetzt beklagen.

Und auch wenn Rummenigge und seine Kollegen es immer wieder bestreiten: Die Bundesligavereine profitieren - gerade in der internationalen Vermarktung - von der Strahlkraft einer starken Nationalmannschaft. In die darf und sollte dann auch investiert werden.

Wenn Bundestrainer Joachim Löw die günstige Gelegenheit nutzt, um nachrückenden Spielern erste Schritte im DFB-Trikot mit einem einerseits garantierten Erfolgserlebnis und einer andererseits sportlich anspruchsvollen Aufgabe ohne Druck zu ermöglichen, kommt das langfristig also auch den Vereinen zugute.

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Gestandenen Spielern, die in den beiden Spielen nicht mehr die große Bewährungschance sehen wie die jungen, sondern eher die Verletzungsgefährdung, darf er daher durchaus eine Pause gönnen. Der Niveauverlust von Löws Mannschaft hält sich in Grenzen und ist in diesen beiden Spielen locker zu verschmerzen.

Zumal sich alternative Termine für Löws Experimente bei dem vollen Spielkalender nicht aufdrängen. Die FIFA-Abstellperiode im November ist nun einmal ein Fakt, für deren Abschaffung es größere Umwälzungen bräuchte. So lange es nicht dazu kommt, gilt es, kreativ mit ihr umzugehen. Löw tut derzeit genau das.

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