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Massimo Bonini war sieben Jahre lang bei Juventus Turin unter Vertrag © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images/dpa Picture-Alliance

München - Massimo Bonini ist der einzige Spieler von San Marino, der ein Star wurde. Vor der WM-Qualifikation gegen Deutschland spricht er bei SPORT1 über seine Nachfolger.

Wenn am Freitag (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) die deutsche Nationalelf in der WM-Qualifikation gegen San Marino antritt, dann geht es höhchstwahrscheinlich nur darum, wieviele Tore der Fußballzwerg kassieren wird. Vor zehn Jahren verlor San Marino 0:13 in der EM-Qualifikation gegen das DFB-Team.

Ex-Juventus-Star Massimo Bonini, bis zum heutigen Zeitpunkt der einzige Vorzeigeprofi aus San Marino, wird dann im Stadion sitzen und den krassen Außenseiter anfeuern.

Bei SPORT1 erzählt der heute 57 Jahre alte frühere Mittelfeldspieler von Juventus Turin , wie schwer es für das Mini-Land ist, einen würdigen Nachfolger zu finden und warum es trotzdem ein Traum für alle Spieler ist, für San Marino anzutreten.

SPORT1: Signor Bonini, Sie waren jahrelang Teil der großen Juve-Mannschaft in den 80er Jahren und sind in der Fußballgeschichte San Marinos der einzige Spieler, der internationale Meriten einheimsen konnte. Wieso ist es so schwer, jemanden zu finden, der in Ihre Fußstapfen tritt?

Massimo Bonini im Trikot von Juventus Turin © Imago

Massimo Bonini: San Marino hat nur 30.000 Einwohner. Aus so einem kleinen Land ist es sehr schwer, viele gute Spieler zu finden. Ich hatte einfach Glück, dass ich das Talent hatte, es auf diesem Niveau zu schaffen.

SPORT1: Ein neuer Bonini ist also nicht in Sicht?

Bonini: Nein, aber es wird Zeit, dass mal einer kommt. Es geht mir auf die Nerven, dass ich immer noch der Einzige bin, der es in die Serie A geschafft hat (lacht). Ich hoffe, dass auch mal andere Spieler aus San Marino die gleichen Emotionen erleben dürfen, wie ich früher.

SPORT1: Hat sich also nicht viel getan in ihrem Land, seit Sie vor über 20 Jahren Ihre Spielerkarriere beendeten?

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Bonini: Doch, es hat sich viel getan. Es gibt jetzt zumindest semiprofessionelle Strukturen und der Verband hat viel mehr Möglichkeiten. Als ich zwischen 1996 und 1998 Nationaltrainer war, haben wir uns am Montagabend zum Training getroffen und dann am Mittwoch gespielt. Jetzt gibt es Lehrgänge, es wird vier Mal die Woche trainiert und die Spieler sind vor allem physisch auf einem ganz anderen Level als damals.

SPORT1: Der Unterschied zu den Top-Nationen ist aber immer noch eklatant…

Bonini: Das ist leider so. Unsere einzige Hoffnung ist, auf die Jugend zu setzen.

SPORT1: Wie sieht es denn derzeit in der Jugend aus? Herrscht auch dort tote Hose?

Bonini: Es gibt schon kleine Lichtblicke, wie Filippo Berardi, der in der Jugendmannschaft des FC Turin spielt. Er ist erst 19 und studiert nebenbei. Vielleicht wird er ja der neue Bonini.

SPORT1: In ihren Ligen kicken die Spieler vor 100 oder 200 Zuschauern. Was für ein Gefühl muss es sein, wenn man dann auf einmal gegen den Weltmeister in einem ausverkauften Stadion spielt?

Bonini: Das ist doch der Traum von allen! Wir haben ein großes Glück, dass wir gegen die besten Fußballer der Welt spielen dürfen. Das ist ein richtiges Privileg. Und das müssen wir nutzen, indem wir Stück für Stück besser werden.  

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SPORT1: Haben die Spieler eigentlich Lampenfieber, wenn sie gegen Deutschland, England oder andere Top-Nationen antreten?

Bonini: Es herrscht eine unglaubliche Vorfreude, aber ich glaube nicht, dass sie übermäßig nervös sind. In unserem kleinen Land kennt jeder jeden und der Zusammenhalt ist sehr stark. Man will natürlich unter allen Umständen eine Blamage verhindern.

SPORT1: Mit dem Fußball können die Spieler ihren Lebensunterhalt nicht verdienen, oder?

Bonini: Nein, sie haben alle andere Berufe. Der eine arbeitet auf der Bank, der andere in der Stadtverwaltung. Fußball ist für alle nur Freizeit, das Training findet nach der Arbeit am Abend statt.

SPORT1: Pierangelo Manzaroli ist seit 2014 Nationaltrainer von San Marino. Was zeichnet ihn aus?

Bonini: Als ich damals San Marino trainierte, spielte er im Mittelfeld. Er war damals schon sehr interessiert an taktischen Dingen und hatte strategische Fähigkeiten.

SPORT1: Werden die Nationalspieler in San Marino eigentlich erkannt, wenn sie in der Öffentlichkeit sind?

Bonini: Ja, aber nicht, weil sie Fußballer sind, sondern weil man sich in so einem winzigen Land fast immer über den Weg läuft. Wir kennen uns halt alle (lacht). Es gibt aber keinen, der Neid empfindet, nur weil jemand in der Nationalelf spielt.

SPORT1: Gibt es trotzdem bei Spielen wie gegen Deutschland so etwas wie Nationalstolz?

Bonini: Naja, Nationalstolz ist vielleicht zu viel gesagt. Wir freuen uns, wenn die Mannschaft sich, wie in den letzten Spielen zu sehen, verbessert und auch hin und wieder versucht, ein Tor zu schießen. Dass wir letztlich keine Chance haben, wissen wir auch. Aber es ist wichtig, dass wir das Beste versuchen und unser Land ehren.

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