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Helmut Kohl (l.) verband eine Freundschaft zu Ex-Bundestrainer Berti Vogts
Helmut Kohl (l.) verband eine Freundschaft zu Ex-Bundestrainer Berti Vogts © Imago

München - Die Welt trauert um Helmut Kohl, der DFB um einen "Freund der Nationalmannschaft". Der Altkanzler hielt einst sogar einen Bundestrainer vom Rücktritt ab.

Angela Merkel lässt es sich bei großen Turnieren nie nehmen, mit der DFB-Elf mitzufiebern. Bei Helmut Kohl ging die Leidenschaft noch weiter.

Der am Freitag im Alter von 87 Jahren verstorbene Altkanzler war ein großer Fußball-Fan, um den der Fußball nun auch trauert.

"Stets gern gesehener Gast und Freund der Nationalmannschaft": So würdigt der DFB Kohl auf dem offiziellen Twitter-Account der Nationalmannschaft, eine von zahlreichen Beileidsbekundungen aus dem Sport.

Kohls Freundschaft zur Nationalmannschaft ging sogar so weit, dass er einst einen Bundestrainer vom Rücktritt abhielt.

Kohl-Anruf hielt Vogts vom Rücktritt ab

Es war das Jahr 1994, nach der WM in den USA. Deutschland war im Viertelfinale gegen Bulgarien ausgeschieden, die Kritik an Coach Berti Vogts war massiv.

Vogts stand nach eigenen Angaben kurz davor hinzuwerfen. Doch da griff Kohl zum Telefon.

"Nach unserem Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft in den USA hat mich Herr Dr. Kohl zweimal angerufen", erinnerte sich Vogts später in der Zeit: "Die Medien übten gewaltigen Druck aus. Der zweite Anruf gab den Ausschlag, dass ich nicht aufgehört habe."

Kohl und Vogts wurden Freunde

Vogts führte das Interview fünf Jahre danach zusammen mit Kohl, die beiden waren gute Freunde geworden - vereint nicht zuletzt durch das ihnen gemeinsame Gefühl, von zahlreichen Kritikern verkannt worden zu sein.

"An Berti Vogts gefällt mir, was wieder hochmodern wird: sein Sinn für die Pflicht", hielt Kohl fest. Vogts dankte ihm die Wertschätzung, hielt auch nach Kohls Spenden-Affäre zu ihm.

Für Fußball-Deutschland erwies sich Kohls Anruf an Vogts als Glücksfall: Vogts gelang zwei Jahre danach sein größter Sieg, der Gewinn der EM 1996 in England - vor den Augen des Bundeskanzlers, ohne den es diesen Sieg womöglich nie gegeben hätte. Zumindest nicht mit Vogts.

Unvergessen auch: Der Moment als Mehmet Scholl gefragt wurde, wie es dann war, als Kohl die DFB-Elf bei dem Turnier in der Kabine besuchte. Scholls Antwort: "Eng."

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