Video

Kaiserslautern und München - Nach der WM-Quali mit Weltrekord hat Joachim Löw mindestens 37 Kandidaten für seinen 23-Mann-Kader für Russland. SPORT1 zeigt auf, welche Härtefälle drohen.

Nach der WM-Qualifikation mit Weltrekord hat der Bundestrainer mindestens 37 Kandidaten für seinen 23 Mann starken Kader für Russland. SPORT1 zeigt auf, welche Härtefälle drohen.

Die Qualifikation für die WM 2018 ist geschafft, summa cum laude mit neuem Weltrekord. In jüngerer Vergangenheit hat die deutsche Nationalmannschaft im Herbst vor einem großen Turnier gerne mal an Spannung verloren und erstmal durchgeatmet, ehe sie sich im Mai für die große Aufgabe wieder in Form brachte.

Für die Profis, die in Russland im Sommer 2018 mit dabei sein wollen, fällt dieses Zurücklehnen diesmal aus: Zu groß ist die Konkurrenz um die Reisetickets. Und Bundestrainer Joachim Löw macht keine Anstalten, den Druck herauszunehmen.

Im Gegenteil: "Die Tür ist weiterhin offen. Es sind noch einige Monate hin", sagte er nach dem 5:1 gegen Aserbaidschan in Kaiserslautern. "Wir werden die Leistung der einzelnen Spieler genau beobachten. Es gibt noch keinen Grund, irgendwelche Spieler abzuschreiben."

Schaut man sich die deutschen Turnierkader unter Löws maßgeblicher Beteiligung seit 2006 an, ist das DFB-Team zumeist mit drei Torhütern, sieben Abwehrspielern (darunter drei Spezialisten für die Außenbahn), sieben Mittefeldspielern und sechs Offensivkräften auf Reisen gegangen.

Große Ausnahme ist der WM-Kader 2014, in den Löw auch aufgrund der Spielweise unter veränderten klimatischen Bedingungen neun Verteidiger aufnahm. Legt man die Formel 3-7-7-6 zugrunde, bekommt das Gerangel um die Reisetickets nach Russland Namen und Gesichter:

Tor:

An Manuel Neuer führt kein Weg vorbei, auch wenn sich seine Verletzungspause nach Mittelfußbruch noch ins Frühjahr ziehen sollte. "Ich weiß, dass Manu schnell auf hohem Niveau sein kann“, erklärte Löw. „Das wäre wahnsinnig wichtig, er war in den letzten Jahren der beste Torhüter der Welt."

Marc-Andre ter Stegen hat sich seit dem Confed Cup für den Platz des Stellvertreters empfohlen. Auch er ist sicher dabei. Um den verbliebenen dritten Platz kämpfen aktuell Bernd Leno und Kevin Trapp.

Lenos Auftritt gegen Aserbaidschan hat ihn eher von Russland entfernt, denn näher gebracht. Trapp schaut derzeit bei Paris Saint-Germain nur zu. Möglich, dass sich Löw im November deshalb Ralf Fährmann oder Timo Horn einmal näher anschaut.

Abwehr:

Mats HummelsJerome BoatengJoshua Kimmich und Jonas Hector nach ausgeheilter Verletzung besetzen vier der üblichen sieben Plätze. Hector und Kimmich sind zwei der maximal drei Außenbahnspezialisten.

Heißt: Antonio Rüdiger, Matthias Ginter, Niklas Süle, Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes kämpfen um zwei Tickets. Die aktuelle Tendenz geht zum robusten Rüdiger und dem vielseitigen Ginter, der zur Not auch auf beiden Außenpositionen aushelfen kann.

Video

Um den verbliebenen dritten Spezialistenplatz für Außenverteidiger balgen sich Marvin Plattenhardt, Benjamin Henrichs und wohl auch Jeremy Toljan und Lukas Klostermann. Die letzteren beiden "brauchen noch ein bisschen Zeit", wie Löw zwar meinte.

Sie können sich aber derzeit mit Dortmund und Leipzig in der Champions League bewähren. Plattenhardt dürfte aufgrund seiner Festlegung ausschließlich auf die linke Seite die schlechtesten Karten haben.

Mittelfeld:

Auch hier ist ein Quartett gesetzt: Die Weltmeister Toni KroosMesut Özil, auch aus teamhierarchischen Gründen Sami Khedira und Confed-Cup-Durchstarter Leon Goretzka nimmt der Bundestrainer mit.

Der kombinationsstarke Stratege Sebastian Rudy empfiehlt sich in der aktuellen Verfassung für den fünften Platz. Emre Can und die lange unpässlichen Mario Götze, Julian Weigl und Ilkay Gündogan streiten um die verbliebenen zwei Russland-Tickets.

"Im November gibt es die Möglichkeit, Spieler, die länger nicht dabei waren, dazuzunehmen", hat Löw angekündigt. Belegt Götze dabei seine jüngste Positiventwicklung, wird Löw Wort halten und ihm seinen versprochenen Platz frei halten.

Cans physischen Beitrag hat der Bundestrainer inzwischen zu schätzen gelernt. Tendenz: Ist auch Gündogan gesund, muss Weigl noch bis zum nächsten Turnier warten.

Offensive:

Hier herrscht ein Hauen und Stechen. "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir von unterschiedlichen Spielern große Torgefahr erleben", erklärte Löw schon vor dem Spiel in Nordirland.
Thomas Müller, Julian Draxler und Confed-Cup-Durchstarter Timo Werner sind feste Bestandteile seiner Pläne. Lars Stindl hat mit seiner Spielintelligenz und dem Gefühl für die Bewegung zwischen den Linien ein Alleinstellungsmerkmal.

Ein Ticket geht an einen wuchtigen Zentrumsstürmer. Dabei galt Sandro Wagner bislang nur als Backup, falls Mario Gomez ausfällt. In Belfast und Kaiserslautern hat der Hoffenheimer Punkte gesammelt.

Fünf Tore in fünf Spielen - jetzt muss auch Gomez liefern. Für die Außenstürmer Leroy Sane, Julian Brandt, Amin Younes und Serge Gnabry rechts bleiben so noch zwei Vakanzen - falls sich nicht auch noch Marco Reus rechtzeitig in Form bringt. Der Ausgang dieses Fünfkampfs ist dabei völlig offen. 

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel