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War zwischen 2006 bis 2008 georgischer Nationaltrainer, Klaus Toppmöller © Getty Images

München - Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland spricht Georgiens Ex-Nationaltrainer Klaus Toppmöller über seine Freundschaft zum Staatspräsidenten und einen verhinderten Weltstar.

Wenn Deutschland am Sonntag in Georgien zum EM-Qualifikationsspiel (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) antritt, wird Klaus Toppmöller genau hinschauen.

Der ehemalige Bundesliga-Trainer arbeitete zwischen 2006 und 2008 als Nationalcoach im Kaukasus. "Ich habe dort viele Freunde gefunden", sagt der 63-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Toppmöller spielte mit Georgien die EM-Qualifikation, in einer Gruppe mit Frankreich, Italien und der Ukraine waren sie aber chancenlos. Nach einem Streit mit der Verbandsspitze wurde sein Vertrag im April 2008 aufgelöst.

Im SPORT1-Interview spricht Toppmöller über seine Freundschaft zum Staatspräsidenten, den Wandel im georgischen Nationalteam und die Stärken der Mannschaft.

SPORT1: Herr Toppmöller, welche Erinnerungen haben sie an Ihre Zeit in Georgien?

Klaus Toppmöller: Das waren für mich zwei wunderschöne Jahre. Ich habe mit Leverkusen im Champions-League-Finale gestanden und mit Frankfurt um die Meisterschaft gespielt. Trotzdem war Georgien meine schönste Trainerstation. Ich habe diesen Schritt nie bereut.

SPORT1: Was ist der Anlass für die Schwärmerei?

Toppmöller: Die Fußballbegeisterung im Land ist enorm. Wir haben damals in der EM-Qualifikation gute Ergebnisse erzielt und in den Testspielen die Türkei und Uruguay geschlagen. Von da an war ich ein echter Volksheld. Und der damalige Staatspräsident Micheil Saakaschwili wurde zu einem guten Freund.

SPORT1: Wie kann man sich den Kontakt zwischen dem Trainer und dem Staatsoberhaupt vorstellen?

Toppmöller: Ich habe ihn häufig zu Empfängen und Eröffnungen begleitet. Wenn ich mal nicht dabei war, hat er immer in die Runde gefragt: 'Wo ist mein Freund Klaus?' Ich war der Superstar im Land und habe Deutschland wie ein Botschafter vertreten.

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Klaus Toppmöller wurde direkt nach seiner Vertragsunterschrift 2006 von Staatspräsident Micheil Saakaschwili empfangen © Getty Images

SPORT1: In Georgien gab es damals politische Unruhen. Der Kaukasus-Konflikt spitzte sich zu. Haben Sie sich trotzdem sicher gefühlt?

Toppmöller: Am Anfang hatte ich noch zwei Leibwächter, die habe ich mir vertraglich zusichern lassen. Nachher konnte ich auf die verzichten, weil ich mich in Tiflis absolut sicher gefühlt habe. Das ist übrigens eine wunderschöne Stadt. Auch das Umland hat mir gefallen. Ich habe auch viele Deutsche getroffen, die dort Urlaub gemacht haben.

SPORT1: In der georgischen Nationalmannschaft gab es einen Umbruch. Warum blieben danach die Erfolge aus.

Toppmöller: Mit Kachbar Kaladze hat der Topstar seine Karriere beendet. Das war ein Spieler, der in jeder Mannschaft der Welt seinen Stammplatz gehabt hätte. Der hat mit dem AC Mailand zwei Mal die Champions League gewonnen. So ein Spielertyp fehlt natürlich, auch einen Mann wie Lewan Kobiashvili können sie noch nicht ersetzen.

SPORT1: Auf welche Spieler aus dem aktuellen Kader müssen die Deutschen aufpassen?

Toppmöller: Ich halte große Stücke auf Jaba Kankava. Er war bei mir schon mit 20 Jahren Stammspieler. Jetzt ist er bei Dnjepr Dnjpropetrowsk zur Führungsfigur gereift. Der ist unheimlich lauf- und zweikampfstark und macht von der Sechserposition auch viel nach vorne. Mit Giorgi Loria haben die Georgier auch einen guten Torwart, den ich auch noch aus meiner Zeit als Nationalcoach kenne.

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Lewan Kenia stand zwischen 2008 und 2012 beim FC Schalke unter Vertrag © Getty Images

SPORT1: In Deutschland ist Levan Kenia aus seiner Zeit beim FC Schalke und Fortuna Düsseldorf bekannt. Wie bewerten Sie seine Entwickelung?

Toppmöller: Das war unser Riesentalent. Ich habe den als 16-Jährigen schon erstmals eingesetzt. Der FC Barcelona soll ihn auf dem Zettel gehabt haben, er war für mich auf dem Weg zum Weltstar. Leider hatte er dann große Verletzungsprobleme. Jetzt wünsche ich ihm, dass er mal länger fit bleibt. Ich freue mich, dass er gegen Deutschland spielen kann.

SPORT1: Glauben Sie, dass Georgien am Sonntag eine Chance hat?

Toppmöller: Deutschland sollte das schon gewinnen, darf aber nicht den Fehler machen, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Fußballerisch können die Georgier schon mit Deutschland mithalten, allerdings fehlt in den entscheidenden Momenten oft die Kraft.

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