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Arda Turan und Co. schafften in letzter Minute die direkte Qualifikation für die EM 2016 © Getty Images

In den Jubel der Türkei über die direkte EM-Qualifikation mischt sich ein bitterer Beigeschmack: Die Schweigeminute für die Opfer von Ankara wird gestört.

Aus der Spielerkabine dröhnte "Oooh Türkiyeeee", in der Heimat feierten die Menschen ausgelassen auf den Straßen. Doch ein Eklat bei der Schweigeminute legte einen Schatten auf die Feierlichkeiten.

Mit der direkten EM-Qualifikation in letzter Minute schenkte die türkische Nationalmannschaft den Landsleuten nach dem Terroranschlag von Ankara zwar neue Freude, aber gegen die gesellschaftliche Spaltung scheint auch der Fußball machtlos.

Entrüstung nach Pfiffen und Buhrufen

Als der Leverkusener Bundesligaprofi Hakan Calhanoglu und seine Teamkollegen vor dem 1:0 (0:0) gegen Island Arm in Arm und mit gesenkten Köpfen der rund 100 Toten des Attentats bei einer Friedensdemonstration in Ankara gedachten, waren Buhrufe und Pfiffe im Stadion der konservativ-religiös geprägten Stadt Konya unüberhörbar. Diese Szene sorgte in sozialen Netzwerken für große Empörung.

Dennoch: Nachdem Selcuk Inan die in Unterzahl spielenden Türken in der 89. Minute per Freistoßtor als besten Gruppendritten zur EM geschossen hatte, herrschte ungeteilter Jubel. "Wir sind glücklich, dass wir unseren Landsleuten Freude schenken konnten", sagte Nationaltrainer Fatih Terim. Er gab angesichts der Katastrophe von Ankara aber zu: "Mir wäre es lieber, kein einziges Kind wäre gestorben, und wir hätten uns nicht für die Europameisterschaft qualifiziert."

Auch Calhanoglu wurde nach dem Schlusspfiff von seinen Gefühlen übermannt, musste nach eigenen Angaben "mit den Tränen kämpfen".

Calhanoglu gratuliert seinem "Nachahmer"

Der entscheidende Freistoß aus rund 25 Metern in halblinker Position war eigentlich wie für Calhanoglu gemalt gewesen, doch der Bayer-Profi war bereits ausgewechselt worden. Selcuk Inan übernahm dann eben.

"Sensationelles Tor, Selcuk Inan", twitterte Calhanoglu: "Aber erzähl mal, von wem du diesen Freistoß gelernt hast." Auch der deutsche Nationalspieler Lukas Podolski, der seit dieser Saison Selcuks Teamkollege beim türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul ist, schickte via Twitter Glückwünsche an die Mannschaft.

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