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Paris - Die Affäre um die Nationalspieler Benzema und Valbuena belastet den französischen Fußball mehr als Trainer und Spieler zugeben. Und das ein halbes Jahr vor der EM im eigenen Land.

Didier Deschamps tat so, als berühre ihn die Sache gar nicht.

"Wie Sie sehen, bin ich völlig ruhig, gut drauf und habe immer noch ein Lächeln im Gesicht“, sagte Frankreichs Nationaltrainer am Donnerstagnachmittag im Auditorium des Stade de France.

Doch sein Lächeln wirkte gequält.

In ihrem Nationalstadion vor den Toren von Paris wurden die Franzosen 1998 Weltmeister, Deschamps war ihr Kapitän. Im kommenden Juli will er als Trainer mit seiner Mannschaft den EM-Titel gewinnen.

Doch die Stimmung im Land des Gastgebers ist durch den erneuten Skandal wieder einmal mehr als getrübt.

Deschamps im Zwiespalt wegen Benzema

Deschamps war ein Vorbild auf und neben dem Platz.

Ganz anders als Karim Benzema. Frankreichs populärster Stürmer leistete sich im Lauf seiner Karriere schon einige Skandale und fehlt am Abend im Testspiel gegen Deutschland (20.30 Uhr im LIVETICKER bei SPORT1).

Deschamps nominierte ihn wegen seiner Verwicklung in die "Sextape-Affäre" ebenso wenig wie Mathieu Valbuena, das Opfer der Erpressung.

"Ich hoffe, dass sich alles bis zur Europameisterschaft regeln wird", sagte Frankreichs Legende Zinedine Zidane am Donnerstag bei einem Sponsorentermin. "Und dass wir die bestmögliche französische Mannschaft auf dem Platz sehen. Punkt."

Sein Weltmeisterkollege von 1998, Ex-Bayernstar Bixente Lizarazu merkte jedoch in L'Equipe an: "Es ist noch zu früh, um die Nebeneffekte dieser Geschichte zu bewerten. Aber ich bezweifle, dass diese Affäre keine Spuren hinterlässt."

Deschamps lächelt Affäre weg

Die Fragen nach Benzema und Valbuena und der peinlichen Geschichte kann Deschamps nicht mehr hören und will sie nicht mehr beantworten. Das hat er in den vergangenen Tagen zu oft machen müssen. Der Trainer und die Mannschaft lächeln das Problem weg.

"Wir sind voll auf die Spiele gegen Deutschland und England fokussiert, was das andere Thema betrifft, müssen wir die Justiz ihre Arbeit machen lassen", erklärte Torwart und Kapitän Hugo Lloris.

"Fragen Sie mich bitte zu den 23 Spielern, die hier sind“, sagte Deschamps mit einem schon etwas genervten Unterton. Der Coach weiß, dass er seinen Top-Stürmer für die EM braucht. Er weiß aber auch, dass die Entscheidung, ob Benzema spielen darf, nicht mehr in seinen Händen liegt.

Viel Lob für Bayerns Coman

Sein Lächeln kehrt zurück, als er auf die SPORT1-Frage nach den Stärken von Kingsley Coman antwortet.

"Kingsley ist ein interessanter Spieler und hat die Zukunft vor sich", sagte Deschamps.

"Er spielt beim FC Bayern trotz großer Konkurrenz. Er hat eine besondere Gabe im Dribbling, ist pfeilschnell und trifft auch selbst", geriet der ehemalige Mittelfeldspieler ins Schwärmen.

Neben Coman (der übrigens "Komann" - mit Betonung auf der zweiten Silbe - ausgesprochen wird) hat Frankreich noch zahlreiche andere aufstrebende Spieler. Das ist auch Bundestrainer Joachim Löw nicht entgangen.

Frankreich sei "besser und reifer als bei der WM", findet er. Im Viertelfinale von Rio verlor die Equipe Tricolore unglücklich 0:1 gegen den späteren Weltmeister.

Löw: "Große Standortbestimmung"

Löw sieht die Partie am Abend als "eine ganz große Standortbestimmung für uns und auch für Frankreich. Sie haben mich beeindruckt."

Doch die Franzosen stehen sich – wie so oft in der Vergangenheit – selbst im Weg. Nach der Lolita-Affäre um Franck Ribery (und auch Benzema), dem peinlichen Auftritt bei der WM in Südafrika mit dem Fiasko von Knysna (Spielerstreik gegen Trainer Raymond Domenech) haben "Les Bleus" ihren nächsten Skandal.

Die letzten beiden Turniere im eigenen Land endeten mit einem Sieg der Franzosen. Dieses Mal steht die EM-Vorbereitung im Schatten des Skandals.

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