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München - Vor dem Länderspiel Deutschland gegen Italien spricht der frühere Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni bei SPORT1 über den FC Bayern, seine Liebe zu München und Carlo Ancelotti.

Giovanni Trapattoni kommt zu Fuß. Er hat seinem Begleiter noch kurz den Marienplatz gezeigt, ist an seiner alten Wohnung über dem berühmten Restaurant Dallmayr vorbeigelaufen. Platzl. Hofbräuhaus. Kammerspiele. Maximilianstraße.

Es ist der Abend vor dem Länderspiel Deutschlands gegen Italien. Trap ist zu Besuch, bei seiner Ankunft am Flughafen musste er mehr Autogramme schreiben als die italienischen Nationalspieler. München, das ist immer noch seine Stadt.

Trapattoni als Stargast

Als der frühere Bayern-Trainer (1994/1995 und 1996 bis 1998) am Hotel Vier Jahreszeiten ankommt, marschieren gerade die Brüller von Pegida über die Prachtstraße. "Ciao! Ciao! Wer sind diese Leute?" – "Mister, das ist Pegida, die sind gegen Muslime, Ausländer, Frau Merkel!" – "Wirklich? Schade!"

Das italienische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, das italienische Außenhandels-Institut und der italienische Fußballverband FIGC haben ins Vier Jahreszeiten geladen.

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Bei Vino und Spumante sollen sich deutsche und italienische Wirtschaftsmenschen näherkommen, "Made in Italy on the Field" heißt die Veranstaltungsreihe, im Saal sind die vier von den Azzurri gewonnenen WM-Pokale ausgestellt.

Der Mister als Kommentator

Trapattoni, von 2000 bis 2004 auch Trainer der Azzurri und heute als Co-Kommentator für das italienische Staatsfernsehen Rai tätig, ist als Stargast geladen. Küsschen hier, Foto da.

Ein Plausch mit seinem früheren Mitspieler Gianni Rivera, dem guten Gewissen und Säulenheiligen des Calcio, eine angeregte Diskussion mit dem italienischen Verbandspräsidenten Carlo Tavecchio und dessen DFB-Kollegen Rainer Koch, der wesentlich besser Italienisch spricht als Trap Deutsch. Dann steht er SPORT1 zu einem kurzen Gespräch über den FC Bayern, seine Liebe zu München und Carlo Ancelotti zur Verfügung.

SPORT1: Herr Trapattoni, Sie begleiten für das italienische Fernsehen die italienische Nationalmannschaft, die Sie von 2000 bis 2004 selbst betreut haben, haben auf der Pressekonferenz sogar Ihrem Nachfolger Antonio Conte ein paar Ratschläge gegeben. Ist aus dem Trainer Trapattoni ein vollwertiger Journalist geworden?

Giovanni Trapattoni: So weit würde ich nicht gehen. Ich helfe bei Rai ein bisschen mit, bin Co-Kommentator. Sie haben mich gefragt, ob ich die Reise mitmachen möchte und ich bin sehr gerne mitgekommen, vor allem, weil es nach München ging, das immer noch meine Stadt ist. Ich erfahre hier große Zuneigung der Menschen.  

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zu den Verantwortlichen des FC Bayern München?

Trapattoni: Ich hoffe, dass ich sie alle im Stadion treffe! Mit Rummenigge telefoniere ich gelegentlich.

SPORT1: Sie waren bei Milan Spieler und Trainer, haben danach noch sehr erfolgreich sehr viele Vereine und Nationalmannschaften trainiert. Welchen Rang nehmen die Bayern da für Sie ein?

Trapattoni: International ist Bayern meine größte Liebe. Ich war auch mit Milan, Juve und Inter sehr erfolgreich, aber Bayern war und ist etwas sehr besonderes. Damals waren mit Franz, Kalle und Uli drei frühere Weltklasse-Fußballer in der Führung, das war sehr speziell, da war eine gegenseitige Wertschätzung, die ich auf diesem Niveau so nicht mehr erlebt habe. Wir haben regelmäßigen Kontakt, schicken uns zum Beispiel Weihnachtsgrüße. Bayern ist meine zweite oder dritte Liebe. Milan ist meine erste, dann Juve, dann Bayern, dann Inter. Und München mag ich einfach sehr. Als ich vorhin durch die Innenstadt spaziert bin, bin ich an meiner alten Wohnung vorbei gelaufen, da kamen sofort die schönen Erinnerungen an früher wieder.

SPORT1: Hat Sie Carlo Ancelotti schon um Rat gefragt?

Trapattoni: Ich habe ihm natürlich gratuliert, als er bei Bayern unterschrieben hat. Er kann mich jederzeit anrufen, wenn er eine Frage hat. Wahrscheinlich wird er es nicht brauchen, er ist ein cleverer Junge. Aber wenn es zum Beispiel darum geht, die Psychologie der Deutschen zu verstehen, dann könnte ich ihm helfen.

SPORT1: Was würden Sie ihm dann sagen?

Trapattoni: Ich werde ihm sagen, dass meine Beziehung zu den Münchnern eine sehr Besondere ist. Ich bin mir sicher, dass Carlo das auch erleben wird. Carlo Ancelotti ist einer wie es Giovanni Trapattoni war. Er ist ein cleverer Junge, immer verfügbar, sehr gesprächig, offen, einer, der auf die Leute zugeht. Es wird ihm sehr leicht fallen, eine Verbindung zu den Leuten zu bekommen. Ihr werdet ihn lieben!

SPORT1: Ancelotti hat einmal gesagt: "Wenn Trapattoni Deutsch gelernt hat, dann schaffe ich das auch..."

Trapattoni: Wenn das so ist – sehr gut! Ich wünsche es ihm. Es ist sehr wichtig, wenn man mit den Spielern, aber auch den Leuten im Verein und in in der Stadt in ihrer Sprache sprechen kann. Heute mag das ein wenig anders sein als zu meiner Zeit, mittlerweile sprechen fast alle Englisch, auch mit euch Journalisten könnte man auf Englisch reden. Aber man findet einfach einen besseren Zugang zu den Leuten, wenn man Deutsch kann - zumindest ein bisschen. 

SPORT1: Gewinnt Bayern die Champions League?

Trapattoni (auf Deutsch): Das ist definitiv möglich. Sie können das, haben eine gute Chance. Brauchen ein bisschen Glück. Perfekt. Ciao!

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