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Angreifer vor, hinter und neben der Mauer: Bei der EM dürfen es nicht nur die Franzosen damit nicht übertreiben © Getty Images

Um Torhüter nicht gezielt zu verwirren, wollen die Regelhüter eine spezielle Freistoß-Finte in Frankreich unterbinden. Schiri-Boss Pierluigi Collina spricht Klartext.

Thomas Müller legt ja bekanntlich Wert darauf, originell zu sein. Vor allem auf dem Platz. Für ein besonderes Wagnis ist einem Müller keine Bühne zu groß, nicht mal eine Fußball-WM.

Millionen Fußball-Fans werden sich noch an seine Finte aus dem Achtelfinale gegen Algerien erinnern. Deutschlands Torjäger spielte den Freistoß-Trottel, täuschte einen Ausrutscher vor, um die postierte Abwehrmauer der Algerier zu irritieren.

Da war sogar Toni Kroos baff: Thomas Müller packt im WM-Achtelfinale gegen Algerien einen bis dato nicht gesehenen Freistoß-Trick aus © dpa Picture-Alliance

Zugegeben: Die Aktion damals ging gründlich in die Hose. Weil Müllers Plan selbst seine Mitspieler überforderte. Doch was damals niemand ahnte, wohl nicht mal Müller selbst: Der WM-Torschützenkönig war seiner Zeit voraus.

Torhüter sollen nicht behindert werden

Denn zwei Jahre später, bei der EM 2016 in Frankreich, könnte der Freistoß-Trick eine Renaissance erleben. Möglich macht das eine neue Regelauslegung der UEFA. 

Der Verband will bei der Endrunde Mauer-Tricksereien bei Freistößen den Riegel vorschieben. Eine gezielte Aktion gegen angreifende Mannschaften, die noch findiger sind als Müller. 

Konkret wollen die Regelhüter sogenannte Angriffsmauern aus dem Spiel nehmen. Eine taktische Variante, die man im europäischen Spitzenfußball zuletzt immer häufiger beobachtet. 

Dabei belassen es Teams nicht bei den üblichen Störfeuern, die Angreifer in der gegnerischen Abwehrmauer zu zünden versuchen. So wie in dieser Szene aus dem Europa-League-Spiel zwischen Dortmund und Liverpool.

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Dortmunds Marcel Schmelzer und Pierre-Emerik Aubameyang versuchen Liverpools Abwehrmauer so zu irritieren, dass Kunstschütze Marco Reus beis einem Freistoß noch besser Maß nehmen kann - ein zulässiges taktisches Mittel © Getty Images

Sie platzieren hinter der Freistoß-Mauer der abwehrenden Mannschaft einen eigenen Mauerriegel - in deutlicher Abseitsposition. Das Ziel: den Torwart so lange wie möglich zu irritieren - und im letzten Moment aus dem Abseits zu rennen.

Freistoß-Tore zählen nicht

Der AC Florenz etwa praktiziert das in der Serie A mitunter besonders extrem.

UEFA-Schiri-Boss Pierluigi Collina betrachtet das mit Argwohn. Er hat durchgesetzt, dass diese taktische Variante bei der EM sanktioniert wird. 

Nach einem Meeting mit den Trainern der 24 EM-Teams unter der Woche in Paris berichtete der frühere italienische Star-Schiedsrichter von einer Übereinkunft, "dass ein Tor bei Anwendung dieser Taktik nicht anerkannt wird". Nicht nur Collina ist der Ansicht: "Der Torhüter wird dadurch zu stark behindert."

In Frankreich müssen die Freistoßkünstler also eine neue Taktik aushecken. Um originell zu sein, muss man ja nicht zwangsläufig den Namen Müller tragen.

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