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Lyon - Italien überzeugt beim klaren 2:0 über Belgien mit einem durchdachten Spielkonzept. In dieser Form ist mit den Azzurri zu rechnen bei der EM. Die Gründe für den Erfolg.

Kapitän Gianluigi Buffon sprintete über den ganzen Platz, sprang auf die Torlatte – und fiel vor den Augen der eigenen Fans auf den Allerwertesten. Die Italiener jubelten, als hätten sie gerade die EM gewonnen. Buffon lachte.

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Das verdiente 2:0 (1:0) gegen Belgien war ein Sieg der alten Männer gegen die Goldene Generation der Belgier, und er war ein Zeichen an die anderen Teams bei der Europameisterschaft.

Italien hat bisher von allen Mannschaften die überzeugendste und durchdachteste Vorstellung abgeliefert bei der EM.

Blut-Schweiß-Tränen-Rhetorik

Trainer Antonio Conte, der beim Jubel über das 1:0 von Emanuele Giaccherini mit Ersatzstürmer Simone Zaza zusammengestoßen war und sich eine blutige Nase eingefangen hatte, wählte nach dem Spiel gewohnt martialische Worte: "Die Fans haben gesehen, dass die Spieler Blut, Schweiß und Tränen gegeben haben. Sie sind sicher zufrieden", sagte er.

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Auch Leonardo Bonucci, der das 1:0 mit einem genialen Pass über fast 50 Meter eingeleitet hatte, wählte die Blut-Schweiß-Tränen-Rhetorik.  "Unsere Trümpfe sind Demut, Opferbereitschaft – und eckige Eier", sagte er.

Italien ist wieder da, Italien ist wieder Italien. SPORT1 nennt Gründe für den Erfolg der Squadra Azzurra:

- Erfahrung:

Alte Männer, alte Krieger: Italiens Startelf war im Schnitt 31,5 Jahre alt. Noch nie stand bei einer EM eine so alte Mannschaft auf dem Platz.

Buffon (38) wurde 2006 Weltmeister, 2012 Vize-Europameister und war viermal Welttorhüter, spielt zusammen mit den Innenverteidigern Andrea Barzagli (35), Giorgio Chiellini (31) und Bonucci (29) bei Juventus Turin. Mehr Erfahrung, mehr Eingespieltheit geht nicht. Auch Giaccherini ist schon 31. Passend, dass er den Führungstreffer in der 31. Minute erzielte.

"Die Erfahrung ist enorm wichtig. Wir haben Buffon im Tor, eine starke Abwehr, die eingespielt ist - alle bringen ihre Stärken ein und wir ziehen alle an einem Strang", sagte der eingewechselte Ex-Dortmunder  Ciro Immobile, der den Konter zum 2:0 durch Graziano Pelle eingeleitet hatte, zu SPORT1.

- Abgezocktheit:

Italien hat gekämpft, hat eiskalt seine Chancen genutzt und im richtigen Moment gefoult – allerdings ohne es zu übertreiben. Reklamieren, Schauspielerei oder Zeitschinden gab es nicht.

- Zusammenhalt:

"Habt ihr gesehen, wie (Antonio) Candreva in der 92. Minute gesprintet ist? Und Immobile? Der ist reingekommen und für drei gelaufen! Unser Geheimnis ist die Gruppe", meinte Bonucci.

Die Stimmung im Team scheint herausragend. Nach dem Schlusspfiff sprangen alle Ersatzspieler von der Bank auf und rannten auf den Platz.

"Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie eine großartige Gruppe ist", ergänzte Giaccherini. Italien hat nicht die besten Einzelspieler, aber die Mannschaft tritt als geschlossene Einheit auf.

- Klare Idee:

Conte arbeitet wie ein Vereinstrainer, auch in seinen Ansprachen. Mit Juventus Turin wurde er von 2012 bis 2014 drei Mal Meister, in der Nationalmannschaft bilden die Juve-Spieler die Defensiv-Achse. Die Mannschaft ist eingespielt, die Systeme sind bewährt.

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Conte verfolgt einen klaren Plan, überlässt nichts dem Zufall.

Gegen Belgien schickte er die Spieler in einer 3-3-2-2-Grundformation aufs Feld, die bei gegnerischem Ballbesitz zu einem 5-1-2-2 wurde. Bei eigenem Ballbesitz ließ sich Mittelfeldspieler Daniele de Rossi zurückfallen.

Italien spielte defensiv, gab nicht viel auf Ballbesitz und vernachlässigte auch das Flügelspiel. Mit Catenaccio hatte das Spiel aber nichts zu tun. Matteo Darmian und Antonio Candreva stellten die Flügel geschickt zu, so dass es die Belgier durch das Zentrum versuchen mussten – wo aber immer mindestens zwei Innenverteidiger warteten und attackierten.

Das System wirkte durchdacht und war effektiv. Taktisch konnte den Italienern bisher keine andere Mannschaft etwas vormachen.

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