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Lens - Kroatien und Portugal liefern sich ein enttäuschendes Achtelfinale. Das goldene Tor fällt erst spät. Ein Joker köpft einen abgewehrten Ronaldo-Schuss ins Tor.

Cristiano Ronaldo herzte seine Mitspieler, jeden einzeln, er tröstete seinen unglücklichen Vereinskollegen Luka Modric, aber ansonsten blieb er im Augenblick des Sieges ganz ruhig. Bei seinem siebten großen Turnier darf der Superstar weiter vom ersten Titel mit der portugiesischen Nationalmannschaft träumen - doch den Weg dorthin beschritten er und Portugal mit einem ihrer hässlichsten Siege.

Ronaldo, der im Vereinsfußball alles gewonnen hat, erkämpfte mit seiner Mannschaft im EM-Achtelfinale gegen den "Geheimfavoriten" Kroatien in einer grausam schwachen Begegnung ein 1:0 (0:0) nach Verlängerung. Im Viertelfinale wartet am Donnerstag in Marseille Polen.

Den entscheidenden Treffer erzielte Ricardo Quaresma (117.), nachdem Kroatiens Torhüter Danijel Subasic einen Schuss von Ronaldo, dessen einzigen auf das Tor in 120 Minuten, nicht entscheidend hatte parieren können. Portugal wurde damit spät für seine Defensiv-Taktik belohnt - auch Ronaldo hatte sich ihr untergeordnet.

"Wir waren das bessere Team, aber wir können uns davon nichts kaufen. Wir haben die Tore nicht gemacht", klagte Kroatiens Torhüter Subasic. Portugals Verteidiger Pepe prophezeite: "Gegen die Polen wird es schwer, aber mit dieser Teamleistung ist alles drin."

Portugals zweiter Torschuss drin

Nach seiner Gala beim 3:3 im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn war von Ronaldo aber kaum etwas zu sehen. In der ersten Halbzeit hatte er keinen Ballkontakt im gegnerischen Strafraum, nach 90 Minuten war er an keinem Torschuss beteiligt - weil es auf beiden Seiten keinen gab! (Ergebnisse und Spielplan der EM 2016)

Dennoch: An Quaresmas Siegtor war er mit seiner einzigen gefährlichen Aktion beteiligt. Nach einem herrlichen Pass von Nani war Cristiano Ronaldo zunächst an Kroatiens Keeper Subasic gescheitert, den Nachuss köpfte Quaresma in die Maschen. Ronaldos Schuss war überhaupt erst der erste Torschuss des Teams von Fernando Santos in der gesamten Partie.

Sekunden zuvor hatte Ivan Perisic für Kroatien den Pfosten getroffen. Auch Luka Modric, zuvor so überzeugend bei den Kroaten, setzte sich vor 33.523 Zuschauern in Lens während eines öden Spiels kaum in Szene.

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Nach dem Unentschieden gegen Ungarn hatte Portugals Trainer Fernando Santos offensichtlich genug von seiner Abwehr: Gegen die technisch versierten Kroaten wechselte er gleich drei Spieler in der Abwehrkette aus, unter anderem den Wolfsburger Vieirinha. Vom Stammpersonal verschont blieb lediglich Pepe.

Santos mit Defensivtaktik

Gegen diese neuformierte Hintermannschaft hatten die Kroaten so ihre Probleme, allerdings auch, weil der portugiesische Trainer erst mal "safety first" als Grundeinstellung vorgegeben hatte. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Das Spiel stand lange Zeit auf keinem besonders hohen Niveau. Portugal wartete ab, was die Kroaten machen würden, doch diese konnten sich kaum entfalten. Unter anderem, weil sie von äußerst aggressiven Portugiesen bearbeitet wurden, allen voran Regisseur Modric von Adrien Silva.

Es dauerte bis zur 25. Minute, ehe die Zuschauer im Stade Bollaert-Delelis eine gute Chance für eine der beiden Mannschaften sahen. Nach einem Freistoß von Raphael Guerreiro flog der Kopfball von Pepe über das Tor. Dass Pepe im Abseits stand, entging Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo aus Spanien. (Die Torjäger der EM 2016)

Kurz darauf kamen auch die Kroaten dem gegnerischen Tor erstmals zumindest semi-gefährlich nahe: Ein Schuss von Perisic flog aber ans Außennetz.

Sanches bringt etwas Schwung

Renato Sanches sollte mehr Räume für den Kapitän reißen und etwas Entlastung im Spielaufbau bringen. Der 35-Millionen-Transfer von Bayern München kam in der 50. Minute und ordnete sich im rechten Mittelfeld ein - er belebte das lahmende Offensivspiel zumindest etwas. Sein Schussversuch war allerdings ein Kullerball (56.). Die Kroaten waren kurz zuvor zu einer Doppelchance durch Marcelo Brozovic (52.) gekommen. (Die Statistiken zum Spiel)

Kroatien war nun besser. Hätte Innenverteidiger Domagoj Vida in der 62. Minute nicht dem früheren Bayern-Stürmer Mario Mandzukic per Kopf den Ball "geklaut", wäre es wohl das 1:0 geworden. Wenig später hätte es Elfmeter für Portugal geben können, als Ivan Strinic bei einem Klärungsversuch Nani mit seinem hohen Bein an der Hüfte erwischte und diesen zu Fall brachte.

Die schwache Partie darf sich über eine zweifelhafte Bestmarke freuen. Zum ersten Mal seit 1980 blieb ein Spiel eines Großturniers in der regulären Spielzeit ohne Torschuss.

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