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Paris - Dimitri Payet erlöst Frankreich im Eröffnungsspiel der EM 2016 mit einem Geniestreich. Der Matchwinner ist ein Spätstarter mit ungewöhnlichem Karriereverlauf.

Es waren nur noch ein paar Schritte für Dimitri Payet, dann hätte er sich in den Schutz der Ersatzbank im Stade de France zurückziehen können.

Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich
Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich © SPORT1-Grafik / Paul Hänel

Doch Frankreichs Held beim 2:1-Sieg im EM-Eröffnungsspiel gegen Rumänien konnte es nicht mehr zurückhalten. Deutlich sichtbar stiegen ihm noch auf dem Platz die Tränen in die Augen, auf der Bank angekommen brach es dann endgültig aus dem 29-Jährigen heraus.

Für Payet war dieser von den Franzosen so herbeigesehnte Abend in St. Denis vor den Toren von Paris die vorläufige Krönung einer ungewöhnlichen Karriere. Vor Turnierstart debattierte man in Frankreich vor allem darum, ob denn nun Paul Pogba oder Antoine Griezmann der Superstar des Turniers werden würde. Am Freitagabend war der beste Mann auf dem Platz mit Abstand Payet.

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Dass der aufgrund der ohrenbetäubenden Ovationen im Stade de France von seinen Emotionen übermannt wurde, ist kein Wunder. Denn Payet hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich, ist ein Spätstarter, vor allem im Nationalteam, für das er zum ersten Mal bei einem großen Turnier dabei ist. "Dieses Tor erzielt zu haben, war die Belohnung für die harte Arbeit und große Entbehrungen. Deshalb habe ich so emotional reagiert", sagte der Profi von West Ham United, der selbstredend zum "Man of the Match" gekürt wurde.

(Der EM-Spielplan als PDF zum Downloaden und Ausdrucken)

Payet und Pogba aus dem gleichen Verein

Geboren im Übersee-Departement Reunion kam Payet schon als 12-Jähriger in die Jugendabteilung von Le Havre AC - dem gleichen Verein, in dem auch Paul Pogba Jahre später ausgebildet wurde. Mit 16 ging er zurück in seine Heimat, wo ihn der FC Nantes kurz darauf wieder aufspürte und zu sich holte.

Es gibt aus dieser Zeit ein Video, in dem der 18 Jahre alte Payet als Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft Pullover zusammenlegt und schüchtern ein Interview gibt. Paul Pogba debütierte in diesem Alter bereits für Manchester United.

Den echten Durchbruch schaffte Payet, der in der Ligue 1 für Nantes, AS St. Etienne, OSC Lille und Olympique Marseille über 300 Spiele absolvierte, erst, als er im vergangenen Jahr aus Marseille zu West Ham United wechselte.

Evra: Wechsel in die Premier League entscheidend

"Der Wechsel in die Premier League hat ihn zu einem besseren Spieler gemacht", erklärte Patrice Evra, dessen tollpatschiges Elfmeterfoul Payet mit seinem Geniestreich vergessen machte: "Wir wissen, welche Qualitäten Payet hat. Aber er hat ein neues Level erreicht, ist jetzt eine größere Persönlichkeit und übernimmt die Verantwortung, das Siegtor schießen zu wollen."

Trainer Didier Deschamps, der Payet den Vorzug vor Supertalent Anthony Martial gab, lobte den Matchwinner: "Er ist einfach in der Lage, außergewöhnliche Dinge zu tun."

Pogba und Griezmann ausgewechselt

Diese Hoffnung hatten die Franzosen eigentlich in Pogba und Griezmann gesetzt. Während Letzterer in der ersten Halbzeit noch die zwei größten Chancen hatte, konnte Pogba nur mit einem feinen Pass und einer Großchance unmittelbar vor dem 1:0 auf sich aufmerksam machen.

Lange Zeit stand er gegen die unangenehm spielenden Rumänen nur verloren im Raum. Folglich wurde er von Deschamps genau wie Griezmann sogar ausgewechselt.

Als er wortlos durch die Interviewzone stapfte, stand Dimitri Payet noch vor den Reportertrauben und strahlte mit seinem Brillianten im Ohr um die Wette.

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