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Lyon - Die mit großen Ambitionen ins Turnier gestartete belgische Nationalmannschaft erleidet im ersten Spiel der EM gegen erfahrene Italiener einen Dämpfer.

Die ausgebufften Rekord-Oldies aus Italien haben der Goldenen Generation des belgischen Fußballs die Grenzen aufgezeigt. Mit der ältesten Startelf der EM-Geschichte besiegten die Azzurri die hochgehandelten Roten Teufel von Trainer Marc Wilmots nicht mal unverdient 2:0 (1:0). (Ergebnisse und Spielplan der EM)

Emanuele Giaccherini vom FC Bologna traf in der 32. Minute, danach spielten die im Durchschnitt 31,5 Jahre alten Italiener ihre ganze Routine aus. Als es doch noch brenzlig wurde, erzielte Graziano Pelle in der dritten Minute der Nachspielzeit das Tor zum Endstand.

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"Es war ein gutes Spiel, wir haben richtig gut gespielt, die Jungs haben gelitten, aber gezeigt, dass sie eine starke Mannschaft sind, die ein Kandidat zum Sieg ist", sagte Italiens Nationaltrainer Antonio Conte. "Wir sind jedoch erst am Anfang dieses EM-Weges", betonte er.

De Bruyne bleibt blass

Die Belgier hatten ihre vergangenen drei EM-Eröffnungsspiele nicht verloren, Italien seine letzten drei nicht gewonnen - vor 55.408 Zuschauern in Lyon rissen damit zwei Serien.

Das lag auch daran, dass die belgischen Angreifer Romelu Lukaku (53.) und Divock Origi (83.) jeweils auf Vorlage des wenig überzeugenden Kevin De Bruyne Riesenchancen zum Ausgleich vergaben.

In der Gruppe E, in der zuvor Irland und Schweden 1:1 gespielt hatten, ist einstweilen nur Italien der K.o.-Runde nahe. "Wir sind sehr enttäuscht", sagte Belgiens Torhüter Thibaut Coutois und stellte klar: "Jetzt müssen wir die letzten beiden Spiele gewinnen." (EM-Torjäger)

Bei Italien, kaum zu glauben, war erstmals seit Ewigkeiten Andrea Pirlo nicht mit auf dem Feld. Der Mittelfeldregisseur saß in New York vor dem Fernseher, wie seiner Nachricht bei Twitter zu entnehmen war: "C'mon Azzurri!" 

Auch ohne den 37-Jährigen, mittlerweile beim New York City Football Club beschäftigt, brachen die Italiener den Altersrekord.

Buffon wie in besten Zeiten

Der älteste Italiener stand im Tor. Gianlugi Buffon ist 38, macht aber immer noch eine gute Figur. Etwa in der 10. Minute, als Radja Nainggolan einen Volley-Fernschuss losließ, den Buffon in seinem 14. EM-Spiel (italienischer Rekord) aber entschärfte.

Danach war er erstaunlich beschäftigungslos, was vor allem an seinen drei unmittelbaren Vorderleuten lag. (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen)

Die Routiniers Giorgio Chiellini (31), Leonardo Bonucci (29) und Andrea Barzagli (35), sonst alle in Diensten der "alten Dame" Juventus Turin, versperrten den Weg zum eigenen Tor, und die Belgier wussten mit dem Catenaccio 2016 nichts anzufangen.

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Die Angreifer standen sich gegenseitig im Weg, allerdings kam auch aus dem Mittelfeld nichts Kluges, nicht von De Bruyne, nicht von Eden Hazard.

Bonucci überlistet Belgiens Abwehr

Eine glänzende Idee hatte dagegen Bonucci: In der 32. Minute schlug er einen eleganten langen Pass in den Lauf von Giaccherini (31), Toby Alderweireld passte nicht auf - schon war der Ball im Tor. Nur drei Minuten später verfehlte Antonio Candreva von Lazio Rom um Haaresbreite einen weiteren Treffer.

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Die Italiener machten nach vorne nicht viel, aber wenn sie sich in Richtung des belgischen Tores aufmachten, wurde es auch gefährlich.

Das blieb auch in der zweiten Halbzeit so, allerdings wurden die Angriffe spärlicher, den Alten Herren ging ein wenig die Puste aus. Nach Lukakus hundertprozentiger Gelegenheit hatte Pellè das 2:0 für die Italiener auf dem Kopf (54.), doch jetzt war vor allem Buffon gefordert.

Belgien öffnete das Visier, Hazard übernahm das Kommando, die Rotel Teufel drückten, es wurde mehrfach sehr brenzlig für die Oldies. Mehr aber auch nicht. Der eingewechselte Ciro Immobile hätte beinahe noch das 2:0 erzielt (84.), das besorgte dann Pelle.

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