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Saint-Denis - Österreich verliert trotz großer Bemühungen gegen Island und scheidet aus der EM aus. Auch ein Elfmeter-Fehlschuss trägt dazu bei. Die Spieler sind ratlos.

David Alaba kauerte mittendrin versteinert auf dem Rasen.

Mit schierem Entsetzen im Blick sah der österreichische Weltklassespieler zu, wie Island seinen historischen Tag feierte. Er dagegen musste 30.000 Rot-Weiß-Roten im Stade de France und Millionen Fans in der Heimat ein desaströses EM-Vorrundenaus erklären.

Mit einem dramatischen 2:1 (1:0) schickten die Isländer die hochgehandelten Österreicher auf die Heimreise und erkämpften sich ein historisches Achtelfinale gegen England. Jón Bodvarsson vom 1. FC Kaiserslautern (19.) und Arnor Ingvi Traustason (90.+4) trafen für Island, Österreich rettete auch das Tor von Alessandro Schöpf nicht (60.) - auch, weil Aleksandar Dragovic einen Elfmeter verballerte.

"Das tut richtig weh. Keiner von uns wollte in den Urlaub", sagte Sebastian Prödl auf SPORT1-Nachfrage.

Schöpf findet keine Erklärung

"Die Enttäuschung ist riesig. Wir sind traurig, es gibt keine Ausreden", stammelte der Schalker Bundesliga-Profi Schöpf. Es schien, als müsse er sich die bittere Konsequenz selbst vor Augen führen: "Jetzt ist es vorbei." Während der EM-Neuling Island ungeschlagen und mit fünf Punkten als Gruppenzweiter in die K.o.-Runde einzog, erlebte das vor der EM so euphorische Österreich ein Desaster.

In der zweiten Halbzeit versuchte es Rot-Weiß-Rot nach einer Systemumstellung mit dem Mute der Verzweiflung und wilden Angriffen - doch nach dem Treffer von Schöpf hielt Island mit Glück, Geschick und dank Schlussmann Hannes Halldorsson dem weiteren Ansturm stand. (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen)

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"Wir haben ein blödes Gegentor bekommen, danach standen die Isländer tief. Wir haben nicht die Räume gefunden. Ich habe keine Erklärung dafür. Es war sehr bitter, dass wir es nicht ins Achtelfinale geschafft haben", sagte Schöpf, der beinahe noch die Wende gebracht hätte. Aber eben nur fast. Österreich ist raus. Mit nur einem Punkt.

Lauterer schockt Österreich

"Die Enttäuschung ist sehr groß momentan. Wir sind den eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Es war zu wenig, muss man anerkennen", sagte Christian Fuchs.

Island spielte zunächst selbstbewusster und geradliniger - und wäre dennoch fast in Rückstand geraten, weil Torwart Halldorsson den Ball vertändelte, ihn jedoch rechtzeitig vor dem in Schussposition stehenden Marko Arnautovic wieder weggrätschte (11.). Doch die Isländer schüttelten das problemlos ab, die Österreicher blieben fahrig.

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Beim 0:1 ließ sich Rot-Weiß-Rot dann auch noch an der Nase herumführen. Bei einem der bekannt langen Einwürfe von Kapitän Aron Gunnarsson flitzten die Isländer im Strafraum umher, die Österreicher waren verunsichert. Kari Arnason legte per Kopf auf den Lauterer Bodvarsson ab, der künftige Leverkusener Julian Baumgartlinger passte nicht auf - Tor.

Elfer-Fehlschuss nach Wirrwarr

Alaba spielte zunächst eine Mischung aus echter Zehn und falscher Neun, er kam mit seiner Rolle zwischen den Welten wie schon beim 0:0 gegen Portugal nicht zurecht. Erst als in der zweiten Halbzeit Schöpf und Marc Janko kamen und Alaba auf die Sechs rückte, ging bei Österreich die Post ab. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

Die Chance zur Wende war zuvor schon da gewesen, als Ari Skulason im Strafraum Alaba so auffällig am Arm zog und damit am Kopfball hinderte, dass Schiedsrichter Szymon Marciniak aus Polen gar nicht anders konnte, als auf Elfmeter zu entscheiden.

Vor der Ausführung diskutierte der Bayern-Star mit Dragovic intensiv, wer den Strafstoß überhaupt ausführen sollte, bevor Alaba den 25-Jährigen vorschickte - und dieser nur den linken Außenpfosten traf. "Wir hatten ein kurzes Gespräch, er hat sich sehr, sehr gut gefühlt und wollte den Elfmeter schießen", "erklärte Alaba auf SPORT1-Nachfrage. (Die Torjäger der EM)

Trainer Koller entschied, dass nur etwas anderes helfen konnte: alles nach vorne - mit Schöpf und Janko. Österreich klappte das Visier hoch, hatte nichts mehr zu verlieren, drehte auf. Nach zwei Chancen von Schöpf (53./55.) traf der Schalker dann endlich - die Chancen zum Sieg waren danach da. Aber genutzt wurde keine mehr.

Stattdessen fing sich Österreich noch einen Konter.

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