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Lyon - Antoine Griezmann wahrt Frankreichs Titelchancen. Mit seinem Doppelpack antwortet er seinen Kritikern - und tritt obendrein in die Fußstapfen einer Legende.

Ziemlich genau 60 Kilometer Luftlinie sind es vom Stade de Lyon nach Macon.

Den Schrei der Erleichterung, der um 16.17 Uhr aus der Arena am östlichen Rand von Frankreichs drittgrößter Stadt drang, müssten sie eigentlich auch in Macon gehört haben.

Dort ist Antoine Griezmann geboren und aufgewachsen. Der Mann, den sie in Frankreich für zu klein hielten, um Fußball-Profi zu werden - und der die Franzosen mit seinem zweiten Kopfballtreffer des Turniers beim 2:1 gegen Irland im Achtelfinale zurück in die Heim-EM gebracht hat.

Payet küsst Griezmann die Füße

56 Minuten lang waren Les Bleus nach dem frühen Rückstand verzweifelt, aber weitestgehend ideenlos angerannt gegen diese Mauer der grün-weißen Tausendfüßler aus Irland. Immer hatte noch irgendein Ire Bein, Fuß oder sonst irgendein Körperteil dazwischen gebracht, bevor die Franzosen gefährlich abschließen konnten.

Doch dann begann die Griezmann-Show. Nach Flanke von Bacary Sagna gab er dem zaudernden und angeschlagenen Gastgeber die Hoffnung zurück. Drei Minuten später schoss er das Siegtor direkt hinterher.

Dimitri Payet, an dem sich die Fans der Equipe Tricolore in der Gruppenphase noch aufrichten mussten, küsste und putzte Griezmann anschließend den Schuh. Ein Sinnbild dafür, dass jetzt endlich einer der eigentlichen Superstars bei den Franzosen die Verantwortung übernommen hat.

Dimitri Payet küsste und putzte Doppel-Torschütze Antoine Griezmann die Schuhe © Getty Images

"In der Pause war es ganz schön laut"

"Ich bin nicht alleine der Retter. Wir haben es gemeinsam geschafft", sagte Griezmann nach seinem Gala-Auftritt. Er hätte ein drittes oder viertes Tor erzielen können und provozierte mit einem starken Antritt auch noch den Platzverweis für Irlands Shane Duffy.

"Er hat seine Fähigkeiten und seine Effektivität unter Beweis gestellt", lobte Trainer Didier Deschamps Griezmann. Der gab zu, dass es bei den in der ersten Halbzeit nervös und fahrig spielenden Franzosen in der Pause laut geworden sei.

"Wir haben uns angeschrien, weil wir wussten, dass wir besser spielen müssen", sagte er.

Griezmann erfüllt die Hoffnungen

Das müssen sie eigentlich schon seit dem Eröffnungsspiel. Wirklich überzeugend traten die Franzosen bei diesem Turnier erstmals in der zweiten Halbzeit von Lyon auf.

Viel Kritik hatte sich an Griezmann und dem zweiten Superstar im Team, Paul Pogba entzündet. Pogba hatte seine auffälligsten Szenen in der ersten Halbzeit, als er tollpatschig den Elfmeter verursachte und später auch noch eine Großchance der Iren durch Duffy zuließ.

Im zweiten Durchgang biss sich Pogba aber wie der Rest des Teams richtig rein und verrichtete wertvolle Defensivarbeit. Für die Show war Griezmann zuständig, der acht Torschüsse abgab und eine Passquote von 88 Prozent ablieferte.

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"Ich bin sehr glücklich und werde das genießen", sagte der Profi von Atletico Madrid: "Die Kritik vorher gehört zum Fußball - ich hoffe, wir können so weitermachen."

Frankreich befreit sich von den Fesseln

Die drohende Blamage vor Augen hatte Deschamps in der zweiten Halbzeit den defensiven Mittelfeldspieler N'Golo Kante durch den offensiven Kingsley Coman ersetzt.

Mit dem Rücken zur Wand befreiten sich die Franzosen endlich von ihren Fesseln und erarbeiteten sich den Sieg kraftvoll und geduldig gegen die müder werdenden Iren. "Mit den vier Offensiven haben wir sehr viele Chancen kreiert, das war sehr gut", lobte Deschamps.

Griezmann stürmte mit seinem Doppelpack an die Spitze der Torschützenliste. Als erster Franzose seit Zinedine Zidane bei der Heim-WM 1998 erzielte der 1,76-m-Mann zwei Kopfballtreffer in einem Turnier.

Womit jene WM endete, ist bekannt.

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