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Bordeaux - Kroatien schlägt Spanien und sichert sich damit den Sieg in Gruppe D. Ivan Perisic sorgt für die Entscheidung, Sergio Ramos vergibt einen Elfmeter.

Titelverteidiger Spanien hat sich von eiskalten Kroaten übertölpeln lassen und muss zu seinem Entsetzen in ein EM-Achtelfinale gegen Italien.

Die spanische Passmaschine wähnte sich beim 1:2 (1:1) in Bordeaux nach ihrem 1:0 bereits in Sicherheit, verspielte dann aber doch noch fahrlässig den Sieg in der Gruppe D und wurde nur Zweiter. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Wir hatten das Spiel mehr oder weniger unter Kontrolle. Dann haben sie uns bestraft. Wir müssen darüber hinwegkommen", sagte Trainer Vincente del Bosque nach der Partie.

Im Viertelfinale könnte es zum Duell mit Deutschland kommen. Die Kroaten werden in der ersten K.o.-Runde gegen einen Gruppendritten die deutlich einfachere Aufgabe bekommen.

Kapitän Sergio Ramos, der bei einem Foulelfmeter den spanischen Matchball zum Gruppensieg vergeben hatte, kam mit Floskeln daher.

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"Wir stehen wieder unter den letzten 16. Jetzt müssen wir gegen die schwierigeren Teams ran, aber wer Europameister werden will, muss gegen jeden gewinnen", sagte er und strich sich die Haare aus dem Gesicht: "Wir denken von Spiel zu Spiel."

Morata bringt Spanien in Führung

Die Spanier, Europameister von 2008 und 2012, ließen sich nach der Führung durch den dritten Turniertreffer von Alvaro Morata (7.) aus dem Konzept bringen. (EM-Torjäger)

Die technisch ebenfalls versierten Kroaten hielten bestens mit und kamen durch ein schönes Hackentor von Nikola Kalinic zum Ausgleich (45.).

Es war das erste Gegentor für die Spanier bei einer EM seit einem 1:1 gegen Italien in der Gruppenphase 2012 - und ein weiteres folgte: Ivan Perisic (88.), einst beim VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund aktiv, ließ die Kroaten jubeln. Kurz zuvor hatte Sergio Ramos für den Weltmeister von 2010 einen Foulelfmeter verschossen (71.). (Statistiken zum Spiel)

Kroatien ohne Modric und Mandzukic

Spanien ging vor 37.245 Zuschauern sehr leichtfertig mit seinen Chancen um, zu leichtfertig. Dabei hatte del Bosque keinerlei Veranlassung gesehen, seine Mannschaft zu ändern und einem seiner Spieler vor dem Achtelfinale eine Schonung zu gönnen.

Die Passmaschine sollte weiter perfektioniert werden. Dabei lief sie zunächst wie geschmiert - es dauerte gerade mal bis zur siebten Minute, da traf Morata, nach einer, wie sollte es anders sein, starken Kombination.

Del Bosques Kollege Ante Cacic hatte sich nach dem 1:0 gegen die Türken und dem 2:2 im Skandalspiel gegen die Tschechen mit Blick auf den bereits sicheren Achtelfinaleinzug entschieden, kein Risiko einzugehen. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

Luka Modric (Leistenblessur) und Mario Mandzukic (muskuläre Probleme) wurden geschont. Dennoch, hatte der ehemalige Schalker Ivan Rakitic angekündigt, "werden wir auf Sieg spielen".

Ramos scheitert vom Punkt

Das taten die Kroaten tatsächlich. Unbeeindruckt vom frühen Rückstand spielten sie munter mit. Erst musste David De Gea im spanischen Tor einen gefährlichen Schuss von Mandzukic-Ersatz Kalinic parieren (12.), danach hatte er bei einem Lupfer von Rakitic Glück: Dessen Heber patschte an die Latte, fiel von dort auf die Torlinie, prallte dann aber ins Feld zurück (14.). Umso schöner war dann der Ausgleich von Kalinic.

Nach dem 1:1 war den Kroaten anzumerken, dass sie Italien um jeden Preis aus dem Weg gehen wollten. Modric-Ersatz Marko Rog nahm Andres Iniesta aus dem Spiel, Kalinic überzeugte ohnehin. Das Fehlen der beiden Säulen im Spiel war somit keine merkliche Schwächung.

Dass Danijel Subasic Ramos' Elfmeter parierte, feierten die Kroaten feurig - es ließ ihnen die Chance auf den späten K.o.-Schlag. Den setzte dann Perisic mit einem Flachschuss nach einem Konter. De Gea sah bei dem Schuss ins kurze Eck alles andere als gut aus.

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