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Russiche Fans waren an den Krawallen von Marseille beteiligt
Russische Hooligans nutzten Stühle als Wurfobjekte bei den Krawallen am Wochenende in Marseille. © Getty Images

Die gewalttätigen Ausschreitungen von russischen Hooligans bei der EM in Frankreich finden im Heimatland erstaunlich positives Echo, das nun Schadenbegrenzung weicht.

In zwei Jahren findet die WM in Russland statt. Auf dem Platz hat die Sbornaja um den frisch eingebürgerten Schalker Roman Neustädter am Samstag beim glücklichen 1:1 gegen England bei ihrem ersten Spiel bei der EM in Frankreich viel Luft nach oben gelassen.

Abseits des Rasen-Vierecks präsentieren Teile der Möchtegern-Unterstützer - flankiert von einzelnen Politikern in der Heimat - ihre hässlichste Fratze.

Die bange Frage: Was kommt da bei der WM in zwei Jahren auf uns zu?

Was passiert 2018?

Die Hooligan-Gruppen aus Westeuropa dürften es 2018 schwer haben, ein Visum zu bekommen für Russland. Schwerer jedenfalls, als es offensichtlich den russischen Schlägern nun von Frankreich gemacht wurde.

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Bei spiegel.de wurde ein Mitarbeiter des LKA mit den Worten zitiert, dass die europäischen Hooligans in Frankreich gerade eine "Abschiedsparty" feiern würden.

"Sie sehen in Frankreich für viele Jahre das letzte Mal die Chance, sich einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Noch mal richtig auf den Putz zu hauen, bevor es in den kommenden Jahren dazu keine Chance mehr geben wird", wird der Ermittler zitiert.

Was im Zweifel aber nur bedeutet, dass in zwei Jahren noch mehr Unbeteiligte angegriffen werden könnten als jetzt schon. Die russischen Schlägerbanden, von den französischen Behörden als "unglaublich trainiert", "ultragewalttätig" und als "paramilitärische Truppen" beschrieben, brauchen ja kein Visum für ihr Land.

Dschjuba mit Verschwörungstheorie

Zudem drängt sich der Eindruck auf, dass zumindest Teile der russischen Öffentlichkeit – und sogar Spieler - die unfassbaren und gezielten Attacken der Hooligans auf englische Fans gar nicht so übel finden.

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Stürmer Artjom Dschjuba fiel am Dienstag mit einer schönen, kleinen Verschwörungstheorie auf. Er witterte eine Kampagne britischer Medien. "Wir sehen ja, worüber die britischen Medien sprechen. Sie sprechen über die WM 2018 und dass sie Russland vielleicht weggenommen werden muss", sagte er.

Die Darstellung der Krawalle sei einseitig: "Ich verstehe die britischen Medien nicht, die die englischen Fans als Engel darstellen. Es ist eine 50/50-Sache. Es sind nicht nur Russen schuld."

Mehr noch: "Wir sehen nur Ausschnitte. Sie haben Informationen der französischen Behörden, ich habe andere Informationen."

Rechtsextremer in russischer Delegation

Laut des britischen Guardian reist der bekannte Rechtsaktivist Alexander Schprygin, Gründer einer sehr zweifelhaften Fan-Vereinigung und in der Vergangenheit unter anderem mit dem Hitler-Gruß aufgefallen, mit einer offiziellen Akkreditierung des Verbands als Teil der Delegation durch Frankreich.

Er ist der Assistent von Igor Lebedew, eines Vorstandsmitglieds des russischen Fußballverbandes und im Hauptberuf Vizepräsident des russischen Parlaments. Der twitterte am Montag: "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so!"

Hooligans veröffentlichen Youtube-Video

Die Hooligans scheinen jedenfalls ziemlich stolz auf ihre Leistungen zu sein. Ein Hooligan ließ sich von der französischen Nachrichtenagentur AFP so zitieren: "Auf eine solche Chance habe ich zehn Jahre gewartet. 120 Russen haben 2.000 Engländer in die Flucht geschlagen, und die ganze Welt hat es gesehen", sagte er.

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"Die Engländer sagen immer, dass sie die größten Fußballrowdys sind. Wir sind hingegangen und haben gezeigt, dass die Engländer Mädchen sind."

Ein anderer veröffentlichte auf Youtube ein Video von den Krawallen, das er mit einer so genannten Go-Pro gemacht hatte, auf dem unter anderem zu sehen ist, wie er auf einen schon am Boden liegenden Mann eintritt.

Kreml verurteilt Krawalle

Es dauerte bis Dienstag, bis die russische Regierung die Krawalle als "absolut inakzeptabel" verurteilte. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow rief Fans aus Russland gleichzeitig dazu auf, "nicht auf Provokationen" zu reagieren.

"Wir setzen darauf, dass sich russische Bürger und Fans an die Gesetze des Landes halten, in dem sie sich aufhalten", sagte Peskow.

Russland spielt auf Bewährung

Schadensbegrenzung. Denn da spielte Russland schon auf Bewährung bei der EM: Die Disziplinarkommission der UEFA verurteilte den russischen Verband auf eine Geldstrafe von 150.000 Euro. Sollte es im Stadion wieder Attacken geben, würde die Mannschaft außerdem vom Turnier ausgeschlossen werden. Dies gelte bis zum Turnierende.

Bereits am Sonntag waren der russische und englische Verband wegen der Krawalle am Alten Hafen von Marseille in einem anderen Verfahren verwarnt worden. Ein möglicher Turnierausschluss war dort zumindest nicht ausgeschlossen worden.

"Wir sind sicher, dass wir nicht rausgeworfen werden. Unsere Fans werden keinen Grund für einen Ausschluss liefern", behauptete Nationaltrainer Leonid Sluzki. 

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