vergrößernverkleinern
Owen Hargreaves hat nicht die höchste Meinung von Roy Hodgson
Owen Hargreaves hat nicht die höchste Meinung von Roy Hodgson © Imago

Für Owen Hargreaves ist England normalerweise haushoher Favorit gegen Wales. Roy Hogdson und Gareth Bale lassen ihn im SPORT1-Interview aber daran zweifeln.

Von Raphael Honigstein

England zeigte beim Auftakt gegen Russland insgesamt eine starke Leistung, kam durch einen späten Gegentreffer aber nicht über ein 1:1 hinaus. Owen Hargreaves zweifelt bei SPORT1 an den Entscheidungen von Roy Hodgson, der Wayne Rooney eine Viertelstunde vor Schluss runternahm. "Es sind diese Kleinigkeiten, die Hodgson nicht richtig hinbekommt", sagte der frühere Bayern-Profi.

Video

Im brisanten Duell mit Wales (ab 14.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) stehen die Three Lions damit schon unter Druck. Laut Hargreaves haben die Engländer das Potenzial für einen Kantersieg, sie müssen allerdings auf Gareth Bale aufpassen.

Im SPORT1-Interview spricht Hargreaves zudem über die Leistung von Raheem Sterling und das Aufeinandertreffen von Pep Guardiola und Jose Mourinho in Manchester.

SPORT1: Herr Hargreaves, wie hat Ihnen das englische 4-3-3-System mit Wayne Rooney auf der Zehn gegen Russland grundsätzlich gefallen? 

Owen Hargreaves: Die meisten Mannschaften sind um einen zentralen, wichtigen Spieler herum gebaut. Wazza (Rooney, Anm. d. Red.) ist der erfahrenste Mann im Kader, man kann sich auf ihn immer verlassen. In England heißt es hier und da, er würde die Leute neben und vor sich in Positionen drängen, die ihnen eigentlich nicht liegen. Aber ich sehe das nicht so. Bei all dem Talent, das Jungs wie Dele Alli oder Raheem Sterling haben, muss man sich fragen, wer am verlässlichsten liefert? Das ist immer noch Wazza. 

SPORT1: Dennoch nahm ihn Hodgson eine Viertelstunde vor Schluss vom Platz

Hargreaves: Eine bizarre Entscheidung in meinen Augen. Es sind diese Kleinigkeiten, die Hodgson nicht richtig hinbekommt. Hodgson nimmt Rooney runter, Jack Wilshere kommt rein und England kassiert das 1:1. Joachim Löw bringt Bastian Schweinsteiger und Deutschland schießt das 2:0. 

SPORT1: Später hat Hodgson noch James Milner für Raheem Sterling gebracht. Warum nicht einen offensiven Mann, warum nicht Jamie Vardy? Platz zum Kontern wäre da gewesen. 

Hargreaves: Trainer lieben Milner, weil er seine Aufgaben zentimetergenau erfüllt. Hodgson wollte dichtmachen, Milner war der richtige Mann dafür. Das Tor fiel dann aus einer Ecke, das hatte nichts mit ihm zu tun. 

Video

SPORT1: Warum kann ein Spieler mit Fähigkeiten wie Sterling sie nicht umsetzen? 

Hargreaves: Sterling war am besten, als er bei Liverpool sehr weit draußen spielte. Er schaffte damit Platz für Daniel Sturridge und Luis Suárez, ohne viele Ballkontakte. Jetzt glaubt er, viele Kontakte haben zu müssen; er lässt sich fallen und holt sich die Bälle früher. Dann läuft er los. Was ihm für diese Art zu spielen fehlt, ist das Bild im Kopf. Eine Idee, wohin er mit dem Ball will. Vielleicht bekommt er auch keinen Input von draußen. Es wäre jedenfalls besser, wenn er Schulter an Schulter mit dem letzten Verteidiger spielen würde und den Ball erst im letzten Platzdrittel bekäme. 

SPORT1: Coacht Hodgson überhaupt genug? Mitunter sieht es aus, als ob er seine Offensivspieler einfach machen lässt. 

Hargreaves: Gute Spieler finden gute Lösungen. Toni Kroos sieht, wo der Raum ist und spielt dort den Ball hin. Aber dieses England-Team ist noch sehr unerfahren, es bräuchte mehr gezielte Anleitung. Ein paar Ideen für das Spiel mit dem Ball. Hodgson ist nicht der  Typ für solche Details. Er konzentriert sich auf die Basics. Überraschende Sachen, wie man sie von Trainern wie Pep Guardiola sieht, bekommt man bei ihm nicht zu Gesicht.

Video

SPORT1: Wird es trotzdem gegen Wales reichen? 

Hargreaves: Normalerweise müsste England Wales aus dem Stadion schießen. Wales hat drei gute Spieler: Gareth Bale, Joe Allen, Aaron Ramsey. Der Rest ist mehr oder weniger zweite Liga. Aber einer dieser drei sehr guten Spieler ist einer der besten Spieler der Welt. Bale ist eine Klasse besser als alle, die am Donnerstag auf dem Platz stehen werden. Er kann ein Spiel alleine entscheiden, über einen Konter oder einen Freistoß. England muss aufpassen. Und es darf vor allem nicht nervös werden, wenn es lange 0:0 stehen sollte.

SPORT1: Sie haben bereits Pep Guardiola angesprochen. Wie sehen Sie als ehemaliger Manchester-United- und Manchester-City-Spieler die nächste Saison, mit José Mourinho auf der anderen Seite?

Hargreaves: Mourinho ist da, weil Guardiola bei City ist. United war noch vor ein paar Monaten nicht restlos begeistert davon, ihn zu engagieren. Aber Guardiola bei City hat ihnen Angst eingejagt. Mourinho wird das Team so hinbekommen, dass es wenige Spiele verliert, so kann er den Abstand zu City überschaubar halten. Aber City ist der Favorit auf den Meistertitel. Wir freuen uns alle auf die neue Saison, weil es unheimlich viele interessante Mannschaften und Geschichten geben wird. 

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel