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Thomas Doll
Thomas Doll (l.) feiert mit seinem Spieler Zoltan Gera während des Pokalfinals mit Ferencvaros © Getty Images

München - Thomas Doll hat sein Glück in Budapest gefunden. Vor der Partie der DFB-Elf gegen Ungarn spricht er über seine Zeit bei Ferencvaros und den ungarischen Fußball.

Thomas Doll genießt seinen Heimaturlaub in Hamburg. Der 50-Jährige ist bester Laune, und das liegt nicht nur an der Vorfreude auf die EM 2016 in Frankreich. Doll hat als Trainer des ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest großen Erfolg. Seit 2013 arbeitet er für "Fradi", wie der Verein von den Fans genannt wird.

Gleich im ersten Jahr sicherte er dem Team die Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur UEFA Europa League. 2015 wurde Doll mit Budapest ungarischer Pokalsieger, und in der abgelaufenen Spielzeit gewann er mit seinem Klub sogar das Double aus Meisterschaft und Pokal. Zudem wurde er zum Trainer des Jahres gewählt.

"Ich erlebe eine unglaublich schöne Phase als Fußballtrainer. Es hat vom ersten Tag an alles gut zusammengepasst", sagte Doll vor dem Länderspiel Deutschland gegen Ungarn am Samstag im Gespräch mit SPORT1. "Es ging mit einer tollen Entwicklung, mit den richtigen Spielern und dem Vertrauen des Vorstands los, wir haben auch hungrige und charakterstarke Spieler geholt."

Lob für Storck und Möller

Doll sieht die vom deutschen Trainer Bernd Storck betreuten Ungarn gut gerüstet für die EM. "Die letzten Resultate waren sehr positiv. Vor allem defensiv arbeiten sie sehr kompakt zusammen und versuchen, über Konter und Standards zum Erfolg zu kommen. Man sollte sie nicht unterschätzen."

Für Storck gibt es viel Lob: "Er und Andreas Möller haben das sehr gut gemacht, den Jungs ein gutes System geschneidert. Von daher bin ich sehr gespannt. Ungarn ist Außenseiter. Das war Griechenland 2004 aber auch." Die Gruppe mit Island, Österreich und Portugal sei natürlich "eine Hammergruppe, aber die müssen Ungarn auch erst mal schlagen".

Doll freut sich auch, dass er fünf seiner Spieler bei der EM im ungarischen Nationalteam sehen kann. Zudem sind die beiden Ferencvaros-Profis Cristian Ramirez für Ecuador und Stanislav Sestak für die Slowakei am Start. "Neben dem Erfolg als Team ist es auch schön, dass die Jungs sich persönlich weiterentwickeln. So macht es noch mehr Spaß", so Doll.

Doll hat Glück in Ungarn gefunden

Doll hat nach dem eher mäßigen Jahr bei Al-Hilal (2012/2013) in Saudi Arabien in Ungarn sein Glück gefunden. Doch er verspürt keine Genugtuung gegenüber den Kritikern von einst.

"Für mich ist es nicht mehr wichtig, den Leuten etwas zu beweisen. Ich bin so lange im Fußball tätig, habe alles erlebt, was andere in drei Leben nicht erleben würden", so Doll. "Ich renne Jubelstürmen nicht mehr hinterher, um die Bestätigung zu erhalten." 

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Das Wichtigste für Doll war, dass "ich mir selber gezeigt habe, dass ich in einem guten Umfeld und bei einem guten Austausch mit den Leuten klar im Kopf bin und weiß, was ich als Trainer noch alles geben kann." Man könne "überall Spaß haben als Trainer. Das muss nicht in Deutschland sein."

Vertrag in Budapest wird verlängert

Eine Rückkehr in die Bundesliga schließt er deshalb im Moment aus: "Ich bin in Budapest sehr gut aufgehoben und werde meinen Vertrag bis 2019 verlängern. Alle sind zufrieden, und unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende."

In fünf bis acht Jahren kehre er vielleicht zurück nach Deutschland, aber man sollte da "nichts forcieren und sich selber ins Gespräch bringen. Wenn man mich eines Tages braucht, dann kann man über alles sprechen." Lächelnd fügte Doll mit Blick auf deine Popularität in Ungarn hinzu: "Mich würde sowieso keiner aus dem Land rauslassen."

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