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Paris - Drei Tage muss Albanien bei der EM warten - nur um letztlich doch die Heimreise antreten zu müssen. Die Türkei fühlt sich nach dem bitteren Vorrunden-Aus sogar betrogen.

Am Ende guckten sie alle in die Röhre: Nuri Sahin, Emre Mor und Co. saßen gebannt im türkischen Mannschaftsquartier in Saint-Cyr-sur-Mer vor dem Fernseher, knapp 1000 Kilometer entfernt fieberten auch die Albaner in Perros Guirec mit.

Beide Teams waren plötzlich Fans von Italien und Ungarn, sie hofften, sie jubelten, sie fluchten - und wurden letztlich doch enttäuscht.

Nach schier endlosen Tagen des bangen Wartens müssen sie nun die Heimreise antreten, das bittere Vorrunden-Aus bei der EURO in Frankreich ereilte beide Lager tatenlos an den TV-Schirmen.

"Ich habe geahnt, dass wir drei Tage lange am Fernseher zittern müssen. Das kann nicht Sinn eines Turniers sein, dass man solche Vergleiche macht", sagte der albanische Bundesligaprofi Mergim Mavraj vom 1. FC Köln der FAZ: "Für Sportler ist es einfacher, wenn man nach einer Niederlage vom Platz geht und weiß, dass es das jetzt war. So ist es blöd."    

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Warten auf Schützenhilfe

Schuld an der Misere ist der neue EM-Modus mit 24 Mannschaften, bei dem auch die vier besten Gruppendritten weiterkommen.

So mussten Albanien und die Türken tagelang warten und auf Schützenhilfe in den abschließenden Spielen am Mittwoch hoffen, die dann eben doch ausblieb: Portugal punktete spektakulär gegen Ungarn - und Irland schlug eine bessere B-Elf Italiens.

Gerade das sorgte für blanke Wut bei den türkischen Gazetten. "Italien hat uns verbrannt", "die Italiener haben uns das Spiel verdorben" oder "Italien hat für die Niederlage alles getan", titelten sie am Donnerstag.

Bei den Spielern blieb nur Trauer und Enttäuschung.

"In guten wie in schlechten Zeiten. Immer und jederzeit", schrieb Sahin bei Instagram unter ein Foto, auf dem er an der Seite seiner Teamkollegen gequält in die Kamera lächelt. "Ich habe Männer weinen sehen", meinte der enttäuschte Kapitän Arda Turan.  

Freud' und Leid  

Die Türkei und Albanien erfuhren so am eigenen Leib, wie nah Freud' und Leid beim neuen Modus beisammen liegen. Bei vorherigen Turnieren mit 16 Mannschaften herrschte jederzeit Klarheit, während die Aufstockung eben immer noch das Hintertürchen über die Gruppendritten barg.     

Auf diesem Weg huschten Irland, Portugal, Nordirland und die Slowakei gerade noch ins Achtelfinale, dagegen zerschlug sich für die Enttäuschten auch die letzte leise Hoffnung.    

Der frühere türkische Nationalcoach Ersun Yanal prangerte derweil Italien an, das als bereits feststehender Gruppensieger im letzten Spiel gegen Irland verloren hatte und mit einer B-Elf angetreten war.  

Im türkischen Fernsehen sagte Yanal: "Italiens Verhalten ist meiner Meinung nach verantwortungslos und nicht korrekt. Im Fußball geht es nicht nur um den Sieg, man muss auch gerecht sein."

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