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Klagenfurt und München - Wackelige Abwehr, fehlende Durchschlagskraft - Thomas Tuchels erstes Pflichtspiel als BVB-Coach lässt Luft nach oben. Doch es gibt auch gute Ansätze.

Völlig entkräftet schleppte sich die Mannschaft von Borussia Dortmund unter dem Klagenfurter Nachthimmel zum prall gefüllten Gästeblock.

Mit Mühe und Not hatte es der BVB in der Qualifikation zur UEFA Europa League zu einem 1:0-Auswärtssieg gegen den Wolfsberger AC in Klagenfurt gereicht.

So vielversprechend Thomas Tuchels Pflichtspielpremiere als Dortmunder Trainer in den ersten Minuten begann, so offensichtlich wurden die Unzulänglichkeiten in der Schlussphase gegen anrennende Österreicher.

Böse Erinnerungen werden wach

In manchen Momenten waren die BVB-Anhänger an die vielen schwachen Momente der Vorsaison erinnert, als plötzlich wie aus dem Nichts der Faden verloren ging. Oder einzelne Spieler auf unerklärliche Weise unkonzentriert wirkten.

Einmal musste in Kärnten gar Henrikh Mkhitaryan für den schon geschlagenen Keeper Roman Bürki auf der Linie retten. Souverän sieht anders aus. Zugleich ist Tuchels Aufgabengebiet, vor allem in der Defensive, bereits klar abgesteckt.

Und dann entwickelt sich die Posse um die Zukunft von Kevin Großkreutz auch noch zum ersten Skandal der noch jungen Saison.

Tuchel begründet Einbruch

Tuchel selbst zog dennoch ein positives Fazit. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und sehr zufrieden mit dem Willen und der Energie auf dem Platz", sagte er im Gespräch mit SPORT1.

Für den schwachen Auftritt der zweiten Hälfte, in der der BVB nur mit Glück den Sieg über die Zeit brachte, hatte der neue Coach eine Erklärung: "Es war der vierte Tag nach dem Trainingslager. Mir war das schon bewusst, dass wir, wenn wir hinten raus nicht klar führen, Standvermögen brauchen, das wir so noch nicht haben."

Zorc: Haben die Linie verloren

Außer Mats Hummels habe in der Vorbereitung niemand beim BVB ein Spiel über 90 Minuten bestritten, "und so sah das dann auch aus".

Die Dortmunder konnten sich gegen den Fünften der österreichischen Bundesliga wegen Ungenauigkeiten im Spielaufbau phasenweise kaum aus der eigenen Hälfte befreien.

"Dass es am Ende verdammt knapp wurde, lag an uns. Wir müssen uns bei gegnerischen Standards verbessern", haderte Ilkay Gündogan bei SPORT1. Auch Sportdirektor Michael Zorc bemängelte, die Mannschaft habe in der Schlussphase die "Linie verloren".

Rückkehrer Hofmann überzeugt

Dafür zündeten gegen Wolfsberg gleich drei Maßnahmen des neuen Übungsleiters: Keeper Roman Bürki, der in Klagenfurt den Vorzug vor Roman Weidenfeller bekam, hielt mit Glück und Geschick hinten die Null.

Im defensiven Mittelfeld gab Neuzugang Julian Weigl von Beginn an eine Chance, die der 19-Jährige mit erstaunlicher Ruhe am Ball nutzte.

Auch Rückkehrer Jonas Hofmann stand in der Startelf und sorgte auf der rechten Seite immer wieder für Gefahr. Mit seinem Tor in der 14. Minute verschaffte er dem BVB letztlich die gute Ausgangslage für das Rückspiel am kommenden Donnerstag (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER).

"Das Verhältnis zum Trainer ist sehr, sehr positiv. Es passt einfach zwischen Trainer und Mannschaft", schwärmte der Youngster. 

Viel Arbeit vor dem Rückspiel

Tuchel warnte trotz des Sieges vor dem erneuten Aufeinandertreffen gegen den Außenseiter: "Wir müssen im Rückspiel ganz energisch und konsequent sein. Wir müssen voll auf Sieg spielen, voll dranbleiben und die Woche nutzen."

Viel zu tun also für den Nachfolger von Jürgen Klopp. Die Zitter-Schlussphase gegen Wolfsberg dürfte Warnung genug gewesen sein.

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