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Thomas Tuchel mit Henrikh Mkhitaryan
Thomas Tuchel (r.) hat beim BVB nicht nur Henrikh Mkhitaryan zu neuer Stärke verholfen © Imago

München und Dortmund - Borussia Dortmund zeigt gegen Porto, wie sehr es das System von Trainer Thomas Tuchel verinnerlicht hat - und welchen entscheidenden Fortschritt das bringt.

Thomas Tuchel wollte eine Demonstation sehen. Er bekam sie.

"Eine neue Haltung" hatte der Trainer von Borussia Dortmund vor dem K.o.-Runden-Auftakt der UEFA Europa League gefordert, seine Spieler zeigten sie im Hinspiel gegen den FC Porto.

Nach diversen eher durchwachsenen internationalen Auftritten dominierte der BVB den zweimaligen Weltpokalsieger spielerisch deutlicher, als es das 2:0-Ergebnis am Ende wiedergab (Das Rückspiel Do. ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Das Spiel offenbarte dabei einmal mehr, wie sehr Tuchel das Team bereits nach seinem Bilde geformt hat - und welchen entscheidenden Fortschritt es gerade zu vollziehen scheint.

Der höchste Ballbesitz im Wettbewerb

Bekanntermaßen ist Tuchels Idee der des von ihm hoch geschätzten Pep Guardiola ähnlicher als der seines Vorgängers Jürgen Klopp - der sich am selben Abend 430 Kilometer weiter südlich am FC Augsburg die Zähne ausbiss: Ballkontrolle und Passspiel sind Tuchel liebere Elemente als stetiges, laufintensives Umschalten.

Gegen Porto war das einmal mehr zu beobachten: 724 Pässe spielten die BVB-Spieler gegen Porto (fast 200 mehr als der Gegner), 659 von ihnen kamen an - Quote: 91 Prozent. Der Ballkontrollfaktor dabei: 63,3 Prozent.

Überhaupt ist Dortmund unter allen Europa-League-Teams das mit der höchsten Ballbesitzrate und hat sich auch in der Bundesliga den Bayern angenähert (61:65). Zugleich schont der BVB dort effektiver seine Kräfte, läuft im Durchschnitt fünf Kilometer weniger pro Spiel als in der Vorsaison, legt weniger Sprints ein.

Neue Balance in der Defensive

Was Tuchels Fußball im Moment noch besser macht als im ersten halben Amtsjahr: Er hat defensiv zu einer neuen Stabilität gefunden.

"Wir haben Dinge in der Balance verändert", berichtete der Coach nach der Partie. Es macht sich bemerkbar: Gerade mal eine ernstzunehmende Schusschance ließ Dortmund zu, zum vierten Mal in den vergangenen fünf Pflichtspielen gab es kein Gegentor. Kein Vergleich zur Bundesliga-Hinrunde mit ihren 23 Gegentreffern, fünf davon gegen Bayern.

Eine "bessere Aufmerksamkeit", dazu "Struktur, Körperspannung, Fokussierung" nannte Tuchel am Donnerstag als Gründe für das Abwehrhoch. Verkörperung dieser Qualitäten: Mats Hummels, derzeit weit entfernt vom Pannen- und Motzki-Hummels, als der er in der Hinrunde vorwiegend betrachtet wurde.

Seinerzeit ging das so weit, dass manche raunten, Hummels und das Tuchel-System: Das passe nicht. Derzeit passt es. Gegen Porto agierte der Nationalverteidiger herausragend, fühlt sich nach eigenen Angaben "in einem ausgezeichneten physischen Zustand".

Tuchel wagt mehr Variation

Was für Hummels gilt, gilt für die ganze Mannschaft: "Ich bin mit dem momentanen Zustand sehr glücklich", sagt Tuchel.

Der 42-Jährige sieht seine Grundidee gefestigt, was wohl auch eine Erklärung dafür ist, dass er inzwischen häufiger wagt, sie zu variieren und zu experimentieren.

Im Pokal gegen Stuttgart vor eineinhalb Wochen etwa wich er von seinem eigentlichen System etwas ab, ließ gegen den konterstarken VfB kompakter als gewohnt agieren - eine Anpassung an den Gegner, wie man sie auch von Guardiola kennt.

Gegen Porto warf er Rückkehrer Nuri Sahin ins kalte Wasser, der sich mit 92 Prozent Passsicherheit und 75 Prozent Zweikampfquote gleich perfekt in das System Tuchel einfügte.

Ein System, das die nächste Stufe erreicht hat.

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