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Gelsenkirchen - Das 0:3 gegen Donezk zeigt die Fragilität des Schalker Gebildes unter Andre Breitenreiter. Der Trainer kritisiert die Fans und die Erwartungshaltung.

Zügig kam Joel Matip aus der Kabine, erhobenen Hauptes. Doch sein Gesicht sendete die klare Botschaft: "Sprecht mich bloß nicht an!" Schnellen Schrittes lief er an den wartenden Journalisten vorbei in Richtung Ausgang. Weg, nur weg. 

Der Innenverteidiger stand mit zwei Patzern vor den beiden ersten Gegentoren bei der 0:3-Pleite gegen Schachtjor Donezk symptomatisch für die Schalker Pleite.

So halbherzig wie sein Einsteigen vor dem 0:1 wirkte der gesamte blutleere Auftritt der Knappen.

"Keine Kaffeemaschine, die man einfach andrückt"

Das Aus in der Zwischenrunde der UEFA Europa League gegen die Ukrainer ließ die Schalker Finalträume, von denen sie vier Tage zuvor an gleicher Stelle noch gesprochen hatten, krachend zerplatzen.

"Wir haben nach den ersten guten zehn Minuten viel zu wenig investiert", kritisierte Trainer Andre Breitenreiter bei SPORT1. "Natürlich hat uns auch ein bisschen der Kampfgeist gefehlt", sagte Mittelfeldspieler Johannes Geis.

Warum kein Aufbäumen zu erkennen war? "Das ist keine Kaffeemaschine, die man einfach andrückt und dann läuft", meinte Ralf Fährmann. "Da spielen viele Faktoren mit rein, aber diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten." 

Breitenreiter kritisiert Pfiffe

Durch die Niederlage haben die Schalker nicht nur ihre letzte Titelchance verspielt, sondern auch Kredit bei den Fans. Das Vertrauen der Anhänger zurückzugewinnen, war eines der großen Ziele, mit denen Breitenreiter vor knapp acht Monaten in Gelsenkirchen angetreten war.

Am Donnerstag hallten schon nach dem 0:1 wieder Pfiffe gegen die eigene Mannschaft durch die Arena. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ein Weiterkommen durchaus noch alles möglich war.

"Das finden die Spieler auch nicht gut und macht sie sicherlich nervös. Das war hier in den vergangenen Jahren auch schon so", kritisierte Breitenreiter. "Es hilft uns nicht, wenn von außen ein Erwartungsdruck aufgebaut wird, der der Mannschaft nicht gerecht wird", sagte der 42-Jährige.

Heldt kann Enttäuschung nachvollziehen

Auch bei Sportvorstand Horst Heldt saß der Frust nach seinem letzten internationalen Spiel als Schalker tief.

"Das ist ein bitterer Moment", meinte Held. "Dass die Leute enttäuscht sind, kann ich nachvollziehen, das sind wir alle."

Was die Fans vor allem bemängeln: die nicht erkennbare spielerische Weiterentwicklung. Ein Großteil der Anhängerschaft will keine großen Fortschritte im Vergleich zum Defensivfußball eines Roberto Di Matteo erkennen.

"Wir haben immer gesagt, es wird harte Rückschläge geben. Heute war es ein sehr harter Rückschlag", sagte Geis.

Unruhe durch Heidel-Personalie

Zusätzliche Unruhe hatte zuletzt die Verpflichtung von Christian Heidel als künftigem Sportvorstand und Heldt-Nachfolger reingebracht – ausgerechnet vor dem wichtigen Rückspiel gegen Donezk.

Kritik, die sich Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies gefallen lassen muss. Schalke steht sich derzeit wieder einmal selbst im Weg. "Wir müssen uns schnell davon erholen", sagte Heldt über das 0:3 mit Blick auf das Bundesligaspiel am Sonntag bei Eintracht Frankfurt.

Heldt weiß: "Uns bleibt nur noch die Liga." Er weiß aber auch: "Die Stimmung lässt sich immer durch Ergebnisse und die Art und Weise beeinflussen."

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